10.03.2010 | Familien- & Erbrecht

Scheidung kann bei auch bei einseitig empfundener Versöhnungschance ausgesetzt werden

Das Familiengericht darf ein Scheidungsverfahren aussetzen, wenn eine Chance auf Versöhnung besteht. Die Entscheidung darüber steht im Ermessen des Gerichts, selbst wenn nur ein Ehepartner eine Versöhnungschance sieht.

Der Aussöhnungsgedanke spielt bei Familienrechtssachen - auch auf die Gefahr hin, einen Ehepartner damit von seinen Plänen abzubringen -eine wichtige Rolle.

Um geschieden zu werden muss eine Ehe zwingend zerrüttet und daher gescheitert sein. Das erfordert, dass nicht mehr erwartet werden kann, dass die Ehgeatten es schaffen, die Ehe wieder herzustellen. Doch manchmal gehen die Erwartungen hierüber auseinander...

 

Ein halbes Jahr warten: unwillige Ehemann soll zur Eheberatung

Das OLG wies die Beschwerde eines Ehemannes zurück, der sich dagegen gewandt hatte, dass das Familiengericht

  • sein Scheidungsverfahren für ein halbes Jahr ausgesetzt
  • und den Eheleuten nahe gelegt hatte, eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Der Ehemann war der Meinung, die Ehe sei nicht mehr zu retten, während die Ehefrau eine Versöhnung nicht ausschließen wollte.

 

Ausreichende Anhaltspunkte für eine mögliche Versöhnung

Das OLG bewertete das Vorgehen des Familiengerichts als richtig. Da sich die Ehefrau noch an die Ehe gebunden fühle, lägen ausreichende Anhaltspunkte für eine mögliche Versöhnung vor.
(OLG Saarbrücken, Beschluss v. 25.06.2009, 9 WF 61/09).

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