08.11.2011 | Familien- & Erbrecht

Thomas Anders darf der Öffentlichkeit keine neuen privaten Details über seine Ex-Frau ausplaudern

Dem Ex-Talking Sänger wurden per einstweiliger Verfügung bestimmte Äußerungen über seine geschiedene Ehefrau Nora Balling untersagt. In seiner Autobiographie „100 Prozent Anders – Mein Leben – und die Wahrheit über Modern Talking, Nora und Dieter Bohlen“ warf er ihr u. a. Verschwendungssucht und „fast krankhafte Eifersucht“ vor. Das mit der Eifersucht ging o.k., denn es war nicht neu.

Lieber die Autorenlesung: Thomas Anders erschien nicht vor Gericht

Während Nora Balling, mit welcher Anders 14 Jahre lang verheiratet war, zum Gerichtstermin am letzten Freitag erschienenen war, hielt dieser währenddessen im Rahmen seiner deutschlandweiten Buchvorstellung eine Lesung in Dortmund ab. Sein Anwalt hatte  aus diesem Grund bereits im Vorfeld beantragt, den Termin zu verschieben. Des Weiteren stellte er gegenüber allen Kammermitgliedern einen Befangenheitsantrag und monierte die Öffentlichkeit der Verhandlung.

 

Terminsverschiebung abgelehnt: Versäumnisurteil

Da Frau Balling nach Ansicht des Gerichts ein berechtigtes Interesse an einer schnellen Entscheidung hatte, entschied das LG Koblenz trotz Abwesenheit von Herrn Anders und dessen Anwalt am Freitag per Versäumnisurteil.

Bis auf wenige Ausnahmen waren die Richter der Auffassung, dass der Unterlassungsanspruch begründet sei.

Daher darf der Sänger und Autor seine Äußerungen nicht mehr verbreiten. Bei einem Verstoß droht ihm ein Ordnungsgeld bis zu einer Höhe von 100.000 EUR. 17 Stellen aus dem Buch müssten danach gestrichen werden. Das Verbot gilt für alle denkbaren Äußerungsformen. Stellen dürfen nicht auf Lesungen zitiert werden, nicht in Interviews wiederholt werden und sie müssen aus den noch nicht verkauften Exemplaren des Buchs, dass seit September im Handel ist und dem für November geplanten Hörbuch verschwinden.

 

Nicht Persönliches verbreiten? Scheidungsfolgenvereinbarung in Sachen Schweigsamkeit war nicht sittenwidrig

Nora hatte sich auf eine Verschwiegenheitsvereinbarung berufen, welche bei der Scheidung getroffen wurde. Danach darf keiner der Geschiedenen „persönliche Eigenschaften“ des anderen, welche bisher nicht „allgemein bekannt sind“ veröffentlichen. Bei jedem Verstoß gegen diese Vereinbarung droht eine Strafe in Höhe von 200.000 DM. An diesem Betrag hatte sich auch das Gericht orientiert.

 

Eifersucht war nichts wirklich Neues

Entgegen der Auffassung des Anspruchgegners sei diese Vereinbarung rechtswirksam, so der Vorsitzende Richter. Lediglich die Buchpassagen, in welchen Thomas Anders seiner Ex-Frau eine fast krankhafte Eifersucht vorwirft, seien unter Berücksichtigung der vereinbarten Klausel nicht zu beanstanden, da dieses Thema bereits ausführlich in der Presse behandelt worden sei.

 

Kein Ausschluss der Öffentlichkeit, da keine Familiensache

Im Übrigen verteidigte das Gericht die Öffentlichkeit der Verhandlung damit, dass es sich nicht um eine Familiensache handeln würde. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

(LG Koblenz, Beschluss v. 4.11.2011, 13 O 4/11). 

Anders` Anwalt hat bereits verkündet, dass er dagegen Rechtsmittel einlegen werde. Dadurch dürfte das Œuvre auch ohne Marketingverrenkungen noch eine Weile in den Medien bleiben.

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