| Familien- & Erbrecht

Menschenrechtsgerichtshof: Mutter darf Sohn trotz Entführung bei sich behalten

Einer schweizerischen Mutter, die ihren Sohn gegen ein dortiges Urteil heimlich aus Israel brachte, wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte erlaubt, ihr Kind zu behalten. Im Interesse des Kindeswohls müsse sie es, trotz rechtswidriger Vorgeschichte, nicht zum Vater nach Israel zurückgeben.

Eine geschiedene Schweizerin, Mutter eines siebenjährigen Jungen, hat vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in letzter Instanz Recht bekommen: Sie muss den Sohn Noam doch nicht zu seinem Vater nach Israel zurückbringen.

Andere Gerichte hatten zuvor im Sinne des Vaters geurteilt und verfügt, dass der Junge nach Israel zurückgebracht werden müsse.

Der Menschenrechtsgerichtshof korrigierte nun das vor drei Jahren verhängtes Bundesgerichtsurteil.

 

Versuch, das Kind vor Schaden zu schützen

Von Israel aus hatte die Mutter das Kind unter Missachtung eines dortigen Urteils in 2005 heimlich außer Landes gebracht.

Sie begründete diese Entführung mit der Sorge,

  • der Vater könnte mit dem Kind in eine Gemeinschaft der ultra-orthodoxen jüdischen Bewegung ziehen
  • und den Sohn von der Aussenwelt abschotten,
  • dadurch drohe dem Kind seelischer und körperlicher Schaden.

Der Beitritt des Mannes zu dieser Bewegung, «Lubawitsch», war auch der Grund für die Scheidung des Paars gewesen.

 

EMRK: Rückkehr nicht im Interesse des Kindes

Eine Rückkehr des Jungen nach Israel sei nicht im Interesse des Kindes, urteilte die Große Kammer.

Das Kindeswohl wiege schwerer als die Tatsache, dass die Entführung unrechtmäßig war.

Die Rückkehr nach Israel würde das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens der Menschenrechtskonvention verletzen. Die Schweiz muss Mutter und Kind für die entstandenen Unkosten entschädigen.


(Neulinger and Shuruk v. Switzerland/ application no. 41615/07).

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