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Kindergeld: Wann Unterhaltsansprüche des Kindes schädlich sein können

Bis Ende 2011 erhielten Eltern nur Kindergeld für volljährige Kinder, wenn sich diese noch in Ausbildung befanden oder studierten und wenn die Einkünfte und Bezüge des Kindes pro Jahr nicht über 8.004 Euro lagen. Problematisch wird es bei Unterhaltsbezügen.

Unterhaltsleistungen als Bezug: Zu hohe Bezüge für Kindergeld?

In einem Streitfall vor dem Bundesfinanzhof ging es nun um ein volljähriges Kind, dass bereits verheiratet war und sich von seinem Ehepartner trennte. Da sich das volljährige Kind noch in Ausbildung befand, beantragten die Eltern Kindergeld.

Doch die Familienkasse lehnte ab, weil die Einkünfte und Bezüge des Kindes über 8.004 Euro lagen. Zu der Ausbildungsvergütung rechneten die Beamten noch die Unterhaltsleistungen als Bezug hinzu, die der Exehegatten dem Kind eigentlich hätte zahlen sollen. Es floss aber kein Euro Unterhalt.

 

Nur tatsächlich zugeflossene Zahlungen sind zu berücksichtigen

Die Richter des Bundesfinanzhofs stellten hier klar, dass in die Ermittlung der Einkünfte und Bezüge nur tatsächlich zugeflossene Zahlungen einzubeziehen sind. Und da das volljährige Kind von seinem Expartner tatsächlich keine Unterhaltszahlungen erhielt, waren die Ansprüche bei der Ermittlung der Einkünfte und Bezüge tabu. Folge: Kindergeld für die Eltern.

(BFH, Urteil v. 22.12.2011, III R 8/08).

 

Praxishinweis: Unterhalltsverzicht ist kindergeldschädlich

Hätte das volljährige Kind jedoch auf die Geltendmachung des Unterhaltsanspruchs verzichtet, dürfte die Familienkasse die nicht erhaltenen Zahlungen als fiktive Bezüge in die Ermittlung der 8.004-Euro-Grenze einbeziehen.

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