XI Rechnungslegung / 3.5.5.2 Sonderposten für Investitionen
 

Rz. 1255

Insbesondere steuerbegünstigte Körperschaften und Anstaltsstiftungen erhalten zur Finanzierung bestimmter Investitionen Zuschüsse.

 
Praxis-Beispiel

Investitionskostenzuschüsse für den Um- oder Neubau von Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern; "Werbemobile" für mobile soziale Dienste oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.

Handels- und Steuerbilanzrecht gewähren für diese Zuschüsse ein Wahlrecht.[1801] Zuschüsse können entweder von den Anschaffungs-/Herstellungskosten gekürzt oder in einen Passivposten eingestellt werden. "Unter dem Strich" kommen beide Methoden zum gleichen Ergebnis. Während bei der ersten Methode aufgrund der geringeren Bemessungsgrundlage niedrigere jährliche Abschreibungen verrechnet werden, werden bei der zweiten Methode die höheren Abschreibungen durch Erträge aus der Auflösung des Sonderpostens kompensiert.
Als dritte Möglichkeit können Zuschüsse auch sofort erfolgswirksam vereinnahmt werden.[1802]

 

Empfehlung:

Stiftungen sollten im Interesse einer transparenteren Darstellung der Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage gewährte Zuschüsse für Investitionen in einen Sonderposten einstellen.[1803]

 

Empfehlung:

In entsprechender Anwendung der für Spenden vorgeschlagenen Verbuchung[1804] wird auch für Investitionszuschüsse folgende Verbuchung vorgeschlagen:

1. Bei Zugang:

Erfolgswirksame Vereinnahmung

Buchungssatz:

Per Kasse[1805]/Bank[1806]/Sonstiger Vermögensgegenstand: "Forderungen aus Investitionsförderung"[1807]

an Erträge aus der Investitionsförderung[1808]

Begründung: Durch die erfolgswirksame Vereinnahmung wird der Beitrag der Investitionsförderung in laufender Rechnung dargestellt.

Erfolgswirksame Zuführung zum Sonderposten

Buchungssatz:

Per Aufwand aus der Zuführung zum Sonderposten[1809]

an Sonderposten für Investitionszuschüsse zum Anlagevermögen

Begründung: Die erfolgswirksame Vereinnahmung als Ertrag wird durch einen Aufwand in gleicher Höhe bereits beim Zugang wieder kompensiert. Der Vorteil des gesonderten Ausweises liegt in der höheren Transparenz.

Alternative:

Erfolgsneutrale Vereinnahmung

Buchungssatz:

Per Kasse[1810]/Bank[1811]/Sonstiger Vermögensgegenstand: "Forderungen aus Investitionsförderung"[1812]

an Sonderposten für Investitionszuschüsse zum Anlagevermögen[1813]

Begründung: Anstelle der gerade beschriebenen erfolgswirksamen Vereinnahmung wird auch die erfolgsneutrale Verbuchung bei Investitionszuschüssen zugelassen. Während die erfolgswirksame Darstellung eher den "Zuwendungscharakter" darstellt, betont die erfolgsneutrale Verbuchung den "Finanzierungscharakter". Bevorzugt wird jedoch die erfolgswirksame Darstellung.

2. Auflösung des Sonderpostens entsprechend der Abschreibung

Erfolgswirksame Abschreibung des geförderten Anlagegutes

Buchungssatz:

Per Abschreibungen[1814]

an Anlagegut[1815]

Begründung: Unabhängig von der Förderung wird das Anlagegut über die voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben.

Erfolgswirksame Auflösung des Sonderpostens

Buchungssatz:

Per Sonderposten für Investitionszuschüsse zum Anlagevermögen[1816]

an Ertrag aus der Auflösung des Sonderpostens für Investitionszuschüsse[1817]

Begründung: Durch den Ertrag wird der Aufwand aus der Abschreibung kompensiert. "Unter dem Strich" (beim Jahresergebnis) heben sich beide Erfolgskomponenten auf.

[1801] Siehe hierzu im Einzelnen: IDW HFA 1/1984: Bilanzierungsfragen bei Zuwendungen, dargestellt am Beispiel finanzieller Zuwendungen der öffentlichen Hand unter 2. d) d1).
[1802] Grottel/Gadek, in Beck’scher Bilanzkommentar § 255 Rn. 115.
[1803] Ebenso: IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: Einzelfragen zur Rechnungslegung von Krankenhäusern (IDW) RS KHFA 1, Rn. 19.
[1804] Siehe hierzu Rn. 1254.
[1805] Bei Barzahlung.
[1806] Bei Gutschrift durch Überweisung oder Lastschrift.
[1807] Bei Entstehen der Forderung vor der Zahlung.
[1808] Konto der Gewinn- und Verlustrechnung.
[1809] Konto der Gewinn- und Verlustrechnung.
[1810] Bei Barzahlung.
[1811] Bei Gutschrift durch Überweisung oder Lastschrift.
[1812] Bei Entstehen der Forderung vor der Zahlung.
[1813] Passivposten zwischen Eigen- und Fremdkapital; Postenbezeichnung gem. IDW HFA 1/1984, unter 2. d) d1).
[1814] Aufwandskonto in der Gewinn- und Verlustrechnung.
[1815] Bestandskonto auf der Aktivseite.
[1816] Passivposten zwischen Eigen- und Fremdkapital; Postenbezeichnung gem. IDW HFA 1/1984, unter 2. d) d1).
[1817] Ertragskonto in der Gewinn- und Verlustrechnung.

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