XI Rechnungslegung / 3.5.5 Sonderposten
 

Rz. 1252

Sonderposten spielen im Jahresabschluss von gemeinnützigen Organisationen eine wichtigere Rolle als bei erwerbswirtschaftlichen Unternehmen. Sonderposten stehen bilanzanalytisch zwischen Eigen- und Fremdkapital. Sie sind daher auch zwischen diesen beiden Posten auszuweisen. Angesetzt werden darin Beträge, die der Stiftung zwar zur Verfügung gestellt wurden, von denen jedoch eine Verpflichtung lastet, z. B. der Rückzahlung bei nicht zweckentsprechender Verwendung.

3.5.5.1 Sonderposten für noch nicht verbrauchte Spenden

 

Rz. 1253

Für steuerbegünstigte Körperschaften, und dazu gehören viele Stiftungen, sind Zuwendungen eine wichtige Finanzierungsquelle. Als solche ("Finanzierungsquelle") sollten sie auch in der Rechnungslegung erfasst werden:

  • als Stiftungskapital (Errichtungskapital oder Zustiftungskapital),

    wenn es um Zuwendungen "in das Vermögen" der Stiftung handelt. D. h., wenn der Stifter oder Zustifter möchte, dass das von ihm zugewendete Kapital auf Dauer erhalten bleiben soll.

  • als Kapitalrücklage,

    wenn es sich um sonstige Zuwendungen handelt, die der Stifter oder ein Dritter zur Stärkung des Kapitals leistet und die weder dem Errichtungskapital zuzuordnen sind. Ebenfalls dieser Position zuzuordnen sind dauerhaft zur Verfügung gestellte Mittel, die weder Zustiftungen noch Spenden sind.

    Ein praxisrelevantes Beispiel für solche Zuwendungen sind der Ausgleich von Verlusten gemäß AEAO Nr. 4 zu § 55 Abs. 1 Nr. 1, S. 3 oder "Nachschüsse" des Stifters zur realen Kapitalerhaltung.

    Diese Kapitalrücklage unterliegt nicht der Pflicht zur Kapitalerhaltung.

  • als Sonderposten "Noch nicht verbrauchte Spendenmittel",

    wenn der Zuwendende die Mittel zur zeitnahen Mittelverwendung bestimmt hat.

    Dieser Sonderposten wird entsprechend dem Verbrauch erfolgswirksam als "Ertrag aus Spendenverbrauch" aufgelöst.

Die Unterscheidung zwischen einem Ausweis (a) im Eigenkapital als Stiftungskapital oder Kapitalrücklage und (b) dem Ausweis im Sonderposten erfolgt anhand des Willens des Zuwendenden. Will er dauerhaft Mittel zur Verfügung stellen, müssen diese unter (a) im Eigenkapital erfasst werden. Ansonsten kommt die Erfassung unter (b) den zu verbrauchenden Spenden in Betracht.

 

Rz. 1254

Bei den zum Verbrauch bestimmten Spenden sind zwei Fälle zu unterschieden:

  1. Sofort aufwandswirksame Spenden, z. B. Hilfsgelder für Katastrophenfälle.
    Diese werden zusammen mit dem entsprechenden Aufwand aufgelöst.
  2. Zuwendung von Anlagevermögen bzw. Erwerb von solchem aus Spendenmitteln.
    Hier wird der Sonderposten entsprechend der Abschreibung aufgelöst.

Im einen wie im anderen Fall kompensiert der Ertrag aus der Auflösung des Sonderpostens den Aufwand aus der Mittelverwendung.

 

Beispiel 1: Zeitnah einzusetzende Mittel

Eine Stiftung ruft zur Weihnachtszeit zu Spenden für eine Katastrophenhilfe auf. Noch im Dezember 01 gehen 5.000 EUR und Medikamente mit einem beizulegenden Zeitwert von 3.000 EUR ein. Außerdem verpflichtet sich ein prominenter Spender, 750 EUR zu zahlen. Die Medikamente werden im Januar 02 verschifft, die Hilfsgelder in Höhe von 4.500 EUR verwendet. Die verbleibenden 1.250 EUR können (vorläufig) für den beworbenen Zweck nicht eingesetzt werden.

1. Bei Zugang im Dezember 01:

Erfolgsneutrale Vereinnahmung

Buchungssatz:

Per Kasse/Bank (5.000 EUR)/Sonstiger Vermögensgegenstand: "Forderungen aus Spenden" (750 EUR)/Vorräte (3.000 EUR)

an Sonderposten "Noch nicht verbrauchte Spendenmittel", Unterposten "Noch nicht satzungsgemäß verwendete Spenden" (8.750 EUR)

2. Verbrauch in 02:

Alternative A: Gesamtkostenverfahren

Buchungssatz:

Per Materialaufwand (3.000 EUR) und Sonstige betriebliche Aufwendungen (4.500 EUR)

an Bank (4.500 EUR) und Vorräte (3.000 EUR)

Erläuterung: Mit dieser Buchung werden die im Vorjahr aktivierten Vorräte wieder ausgebucht. Dadurch wird eine periodengerechte Zuordnung erreicht.

Alternative B: Umsatzkostenverfahren

Buchungssatz:

Per Projektaufwendungen (7.500 EUR)

an Bank (4.500 EUR) und Vorräte (3.000)

Erläuterung: Das Umsatzkostenverfahren weist die Aufwendungen entsprechend den Kostenstellen aus. Dadurch wird – und das zeigt diese Buchung deutlich – die zweckentsprechende Mittelverwendung verursachungsgerecht ausgewiesen. Es wird daher auch das Umsatzkostenverfahren empfohlen.

3. Kompensation des Aufwands:

Buchungssatz:

Per Sonderposten "Noch nicht verbrauchte Spendenmittel", Unterposten "Noch nicht satzungsgemäß verwendete Spenden" (7.500 EUR).

an "Ertrag aus Spendenverbrauch" (EUR 7.500).

Erläuterung:

"Unter dem Strich" ändert sich das Jahresergebnis der Stiftung in 02 nicht. Denn der Aufwand in Höhe von 7.500 EUR wird durch einen Ertrag in gleicher Höhe kompensiert.

"Übrig" bleiben in der Bilanz die Forderung gegen den Prominenten in Höhe von 750 EUR. Wenn dieser nicht mehr bezahlt, muss die Forderung ausgebucht werden. Außerdem steht der Sonderposten noch mit 1.250 EUR zu Buche. Daraus kann die Stiftung erkennen, welche Mittel aus Spenden noch zu verwenden sind.

 

Beispiel 2: Sachspenden

Eine Stiftung erhält im Januar 01 ein Kfz für soziale Dienste mit Anschaffungskosten in Höhe von 18.000 EUR von einem...

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