VII Besteuerung der Gesells... / 2.3.5.1 Kapital-/Gesellschafterkonten
 

Rz. 787

Hinsichtlich der Verbuchung der Kapitalkonten/Gesellschafterkonten gelten grundsätzlich die handelsrechtlichen Bestimmungen auch für die Steuerbilanz. Danach gelten grundsätzlich die folgenden Vorgehensweisen, wobei in der Praxis üblicherweise davon abgewichen wird und die Führung verschiedener Kapitalkonten (fest, variabel) sowie die Einrichtung von Privat- oder Verrechnungskonten gesellschaftsvertraglich vorgesehen wird.[1847]

 

Rz. 788

- OHG

Nach § 120 Abs. 2 HGB ist für jeden Gesellschafter grundsätzlich nur ein variables Kapitalkonto[1848] zu führen. Auf diesem Konto werden die Pflichteinlage, Gewinne, Verluste und Rücklagen verbucht. Auf einem Unterkonto werden praktischerweise die Einlagen und Entnahmen dargestellt. Ausstehende Einlagen werden nach der Bruttomethode in einem gesonderten Posten auf der Aktivseite vor den Posten des Anlagevermögens unter Angabe des eingeforderten Teils ausgewiesen. Es ist zulässig die ausstehenden Einlagen entweder pro Gesellschafter oder kumulativ auszuweisen.[1849] Darlehen des Gesellschafters an die OHG/KG werden unter den Verbindlichkeiten der Gesellschaft und spiegelbildlich in der Sonderbilanz des Gesellschafters aktiviert. Darlehen der OHG/KG an die Gesellschafter werden als Forderungen in der Steuerbilanz aktiviert.

 

Rz. 789

Der Verlustanteil eines Gesellschafters einer OHG ist von seinem Kapitalanteil abzuschreiben (§ 120 Abs. 2 HGB). Sofern Rücklagen bestehen ist der Verlustanteil vorbehaltlich abweichender Regelungen im Gesellschaftsvertrag vorrangig mit den vorhandenen Rücklagen zu verrechnen. Übersteigen die Verlustanteile die jeweiligen Guthaben auf dem Rücklagen- bzw. Kapitalkonto des Gesellschafters, so ist das Kapitalkonto auf der Aktivseite auszuweisen. Eine Nachschusspflicht des Gesellschafters ist damit nicht verbunden.

 

Rz. 790

 
Hinweis

Entnahmefähige Gewinnanteile nach § 122 Abs. 1 und Abs. 2 HGB sind einem Konto des Gesellschafters mit Schuldrechtscharakter gutzuschreiben (Fremdkapital). Abzugrenzen sind diese Entnahmen von Gewinnanteilen von zulässigen Entnahmen zu Lasten des Kapitalanteils. Diese führen selbst dann nicht zu Ansprüchen der Gesellschaft gegenüber dem Gesellschafter, wenn der Kapitalanteil durch die Entnahmen negativ wird.[1850]

 

Rz. 791

- KG

Im Rahmen einer KG sind die Kapitalanteile der Komplementäre und Kommanditisten getrennt voneinander auszuweisen, wobei innerhalb einer Gesellschaftergruppe die Zusammenfassung zulässig ist. Ansonsten entspricht die Verbuchung der ausstehenden Einlagen und der Rücklagen der Systematik bei der OHG.[1851]

 

Rz. 792

Für Kommanditisten gelten allerdings nach § 161 Abs. 2 i.V.m. § 120 Abs. 2 HGB Besonderheiten, da der Kapitalanteil eines Kommanditisten der Höhe nach auf die übernommene Pflichteinlage begrenzt ist. Gebildet werden muss folglich zumindest ein bewegliches Kapitalkonto, auf dem zunächst die Pflichteinlage ausgewiesen wird. Später darauf gebuchte Gewinn- und Verlustzuweisungen sowie Entnahmen und Einlagen zeigen dann das veränderte Haftkapital des jeweiligen Gesellschafters. Ist allerdings die Pflichteinlage voll erbracht und nicht durch Verluste und Entnahmen gemindert, sind Gewinnanteile einem zusätzlichen Konto gutzubringen, das Verbindlichkeitscharakter hat (Privatkonto/Verrechnungskonto).

 

Rz. 793

Verlustanteile des Kommanditisten sind von seinem Kapitalanteil abzuschreiben auch wenn dadurch ein "negatives Kapitalkonto" entsteht. Ein Wiederaufleben der Haftung des Kommanditisten nach außen ist damit nicht verbunden, wenn wie üblich nach § 169 Abs. 1 Satz 2 HGB spätere Gewinne wieder seinem Kapitalanteil zuzuschreiben sind. Liegt dagegen schon ein negatives Kapitalkonto vor, führt die Entnahme zukünftiger Gewinne zum Wiederaufleben der Außenhaftung (§ 172 Abs. 4 Satz 2 HGB). Wird auch für die Kommanditisten das System der festen und variablen Kapitalkonten eingerichtet und sind insbesondere über das sog. Kapitalkonto II auch die Verlustanteile zu verbuchen, stellen darauf stehengelassene Gewinne Einlagen und keine Forderung gegen die Gesellschaft dar. In der Praxis wird deshalb meistens ein weiteres Verlustvortragskonto eingerichtet, dessen Verluste allein dem Kapitalkonto I zu belasten sind. Damit setzt sich das Eigenkapital der Gesellschaft nur aus diesen beiden Konten zusammen.[1852]

[1847] vgl. Rn. 778 ff.
[1848] Nachteil dieser Alternative ist, dass damit grundsätzlich jede Veränderung dieses Kontos zu einer Änderung der Beteiligungsverhältnisse führt, was oft nicht gewünscht ist, sofern nicht der Gesellschaftsvertrag eine Verteilung der Stimmen und der Beteiligungsverhältnisse nach Köpfen vorsieht.
[1849] Hinweise der Bundessteuerberaterkammer zum Ausweis des Eigenkapitals bei Personenhandelsgesellschaften im Handelsrecht, Ziff. C I 1b., DStR 2006, 669.
[1850] Hinweise der Bundessteuerberaterkammer zum Ausweis des Eigenkapitals bei Personenhandelsgesellschaften im Handelsrecht, Ziff. C I 1h., DStR 2006, 671.
[1851] vgl. Rn. 788.
[1852] Praxisrelevant ist v.a. die buchmäßige Unterscheidung u...

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