Teil B Steuerrecht / 2.6 Überschussermittlung bei einer vermögensverwaltenden GbR
 

Rz. 793

Die Einkünfte einer vermögensverwaltenden GbR werden als Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten (§§ 8 bis 9a EStG) ermittelt, wobei die sachliche Zurechnung zu einer der Einkunftsarten der §§ 20-23 EStG erfolgt. Die Gewinnermittlungsvorschriften der §§ 4 ff. EStG sind nicht anwendbar. Einnahmen sind innerhalb des Kalenderjahres bezogen, in dem sie zugeflossen sind. Ausgaben sind für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet wurden (§ 11 EStG).

 

Rz. 794

Für den Abzug von Zinsen als Werbungskosten ist ausschließlich die Verwendung der Darlehensmittel zur Einkunftserzielung der GbR entscheidend. Der vermögensverwaltenden GbR steht es frei, zur Einkunftserzielung Eigen- oder Fremdkapital einzusetzen.[1753] Die einschränkende Regelung des § 4 Abs. 4a EStG (siehe Rn. 784) gilt nicht für die Überschussermittlung, da § 9 Abs. 5 EStG nicht auf § 4 Abs. 4a EStG verweist.[1754] Auch die Zinsschranke gem. § 4h EStG (siehe Rn. 785) ist für die Überschussermittlung nicht anwendbar. § 9 Abs. 5 EStG enthält auch insoweit keinen Verweis.

 

Rz. 795

Die Einkünfte der vermögensverwaltenden GbR werden regelmäßig nach § 180 Abs. 1 Nr. 2a AO einheitlich und gesondert festgestellt. Für die einheitliche und gesonderte Feststellung der Einkünfte ist das Finanzamt örtlich zuständig, von dessen Bezirk die Verwaltung der Einkünfte ausgeht, oder, wenn diese im Geltungsbereich der AO nicht feststellbar ist, das Finanzamt, in dessen Bezirk sich der wertvollste Teil des Vermögens, aus dem die gemeinsamen Einkünfte fließen, befindet (§ 18 Abs. 1 Nr. 4 AO).

Eine Ausnahme bilden bestimmte Beteiligungen an ebenfalls als "vermögensverwaltend" zu qualifizierenden Private Equity Fonds, die jedoch selten als GbR und mehrheitlich als Kommanditgesellschaft organisiert sein werden. Derartige Einkünfte (carried interest) unterfallen § 18 Abs. 1 Nr. 4 EStG.

[1753] BFH, Urteil v. 15.10.2002, IX R 46/01, BStBl. 2003 II S. 243; BFH, Urteil v. 4.3.1998, XI R 64/95, BStBl. 1998 II S. 511.
[1754] BMF, Schreiben v. 22.5.2000, IV C 2-S2144-60/00, BStBl. 2000 I S. 588 Tz. 1.

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