Sturz im Supermarkt

Ursache: Wasserpfütze

Die Klägerin begab sich in das Ladengeschäft der Beklagten, um dort einzukaufen. Im Bereich der Flaschenregale wich sie einem anderen Kunden aus, der einen Schritt zurücktrat. Dabei rutschte sie in einer dort auf dem Boden befindlichen Pfütze aus, stürzte rücklings gegen einen Korb aus Metalldraht, an dem sie sich vergeblich festzuhalten suchte und schlug schließlich hart mit dem Kinn auf den Fußboden auf. Bei dem Sturz verletzte sie sich nicht unerheblich. Ihre Bekleidung wurde beschädigt.

Eine andere Kundin übernahm die Erstversorgung der Klägerin, indem sie aus einem Tiefkühlfach einen tiefgekühlten Fisch herausnahm und damit den Blutfluss linderte und die beginnenden Schwellungen im Gesicht, im Rückenbereich und am Arm kühlte.

Schmerzlinderung mit Tiefkühlfisch

Die erst nach einiger Zeit hinzugekommene Mitarbeiterin der Beklagten äußerte sinngemäß, dass ja nicht ein so teurer Tiefkühlfisch hätte benutzt werden müssen.

Klage auf Schadens­ersatz und Schmerzensgeld

Die Klägerin machte die Betreiberin des Ladens für den Unfall verantwortlich und verlangte Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Die Beklagte meinte, ihren Verkehrssicherungspflichten ausreichend nachgekommen zu sein. An dem betreffenden Tag habe es stark geregnet, sodass die Pfütze erst unmittelbar vor dem Unfall durch feuchtes Schuhwerk oder tropfende Regenschirme anderer Kunden entstanden sei. Eine Mitarbeiterin der Beklagten habe die Unfallstelle nur 15 Minuten vor dem Sturz der Klägerin kontrolliert. Zu diesem Zeitpunkt habe sich dort keine Feuchtigkeit befunden. Dies konnte sie allerdings nicht beweisen.

Das Gericht sprach der Klägerin Schadensersatz für die Heilbehandlung und die lädierten Kleidungsstücke (rd.130 EUR) und ein Schmerzensgeld in Höhe von 1.000 EUR zu.

Betreiber des Ladens verantwortlich

Der Betreiber eines Ladengeschäfts hätte – zumal an einem Regentag – regelmäßige Kontrollgänge veranlassen oder gleichwertige Vorsichtsmaßnahmen vorsehen und durchführen müssen, um Gefahrenstellen, beispielsweise zur Glätte führende Pfützen auf dem Boden, möglichst frühzeitig erkennen und beseitigen zu können. Der Betreiber habe nicht dargetan, überhaupt organisatorische Vorkehrungen zur Gefahrerkennung und -beseitigung getroffen zu haben.

So habe sie den der Klägerin durch den Sturz entstandenen Schaden zumindest fahrlässig herbeigeführt.

Kein Mitverschulden

Ein Mitverschulden der Klägerin an ihrem Unfall vermochte das Gericht nicht festzustellen. Dazu hätte es einer grob fahrlässigen Unaufmerksamkeit im Sinne eines "Verschuldens gegen sich selbst" bedurft.

Schadens­ersatz und Schmerzensgeld

Unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere der erlittenen Verletzungen der Klägerin, ihrer über mehrere Wochen andauernden Schmerzen, des Grades des Verschuldens der Beklagten, die keinerlei organisatorische Vorkehrungen für die systematische Erkennung und Beseitigung von Gefahrenstellen dargetan habe und des Verhaltens der Beklagten nach dem Unfall, hielt das Gericht gemäß § 252 Abs. 2 BGB ein Schmerzensgeld von 1.000 EUR für angemessen, um den von der Klägerin erlittenen immateriellen Schaden auszugleichen. Hierbei hatte das Gericht u. a. die unmittelbar nach dem Unfall vollkommen deplatzierte Bemerkung, es hätte doch auch ein billigerer Tiefkühlfisch zur Linderung der Schmerzen der Klägerin benutzt werden können, berücksichtigt.

(AG Schöneberg, Urteil v. 17.4.2015, 17 C 113/14)

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge