Schneider/Wolf, AnwaltKomme... / aa) Regelvergütung
 

Rz. 343

§ 2 Abs. 1 InsVV enthält für die Vergütung des Insolvenzverwalters bestimmte Regelsätze. Einem bestimmten Betrag der Insolvenzmasse wird ein Prozentsatz zugeordnet, den der Insolvenzverwalter von dieser Masse als Vergütung erhält.

 

§ 2 Regelsätze

(1) 1Der Insolvenzverwalter erhält in der Regel

1. von den ersten 25 000 EUR der Insolvenzmasse 40 vom Hundert,
2. von dem Mehrbetrag bis zu 50 000 EUR 25 vom Hundert,
3. von dem Mehrbetrag bis zu 250 000 EUR 7 vom Hundert,
4. von dem Mehrbetrag bis zu 500 000 EUR 3 vom Hundert,
5. von dem Mehrbetrag bis zu 25 000 000 EUR 2 vom Hundert,
6. von dem Mehrbetrag bis zu 50 000 000 EUR 1 vom Hundert,
7. von dem darüber hinausgehenden Betrag 0,5 vom Hundert.

(2)...

 

Rz. 344

Die in § 2 Abs. 1 InsVV bestimmten Regelsätze gelten jedoch nur für das sog. Normalverfahren, also ein Verfahren, das weder mit besonderen Schwierigkeiten behaftet noch sehr einfach gelagert ist.[633] Ob ein solches Normalverfahren vorliegt, bestimmt sich sowohl nach objektiven als auch nach subjektiven Kriterien. Eickmann und Nowak gehen davon aus, dass ein Normalverfahren vorliege, wenn kumulativ folgende objektive Voraussetzungen erfüllt seien:[634]

Dauer bis zu zwei Jahren
Aus- und Absonderungsrecht in einer Höhe von bis zu 50 % der Schuldenmasse
ohne Betriebs-(Geschäfts-)fortführung
ohne Haus- oder Grundstücksverwaltung
ohne Ausarbeitung eines Insolvenzplanes durch den Verwalter
ohne Übertragung des Zustellungswesens
mit nicht mehr als 100 Forderungsanmeldungen zur der vom Verwalter zu führenden Tabelle
ohne besondere Probleme bei der Massesammlung (nur eine Betriebsstätte, kein Auslandsvermögen)
bei Vorhandensein eines ordnungsgemäßen Rechnungswesens des Schuldners
Einzug von bis zu 100 Forderungen
bis zu 300 Buchungsvorgänge in der Insolvenzbuchhaltung.
 

Rz. 345

In subjektiver Hinsicht gehören zu den Aufgaben des Insolvenzverwalters die Inbesitznahme und Sicherung, die Erstellung des Masseverzeichnisses und der Vermögensübersicht, die Einrichtung einer den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchhaltung genügenden Buchhaltung, die Entscheidung über die Fortführung des Unternehmens, die Erstellung des Gläubigerverzeichnisses, die Vertragsabwicklung, die Prüfung von Anfechtungen, die Prüfung der Fortführung von Prozessen, Prüfung der Forderungsanmeldungen und Tabelleneintragungen, Entscheidung über Aus- und Absonderungsrechte sowie die Masseverwertung.[635]

 

Rz. 346

Sind die nach dem vorstehenden Modell entwickelten Voraussetzungen nicht vollständig erfüllt, liegt i.d.R. kein Normalverfahren vor. Dann kommt alternativ der Ansatz einer Mindestgebühr oder die Korrektur der Regelvergütung durch Zu- bzw. Abschläge in Betracht.

[633] Nerlich/Römermann/Madert, Insolvenzordnung, § 2 InsVV Rn 1; Hess, in: Hess/Weis/Wienberg, Insolvenzordnung, § 2 InsVV Rn 12; MüKo/Nowak, InsO, § 65 Rn 2.
[634] Eickmann, in: Kübler/Prütting, InsO, Vergütungsrecht, 2. Aufl., § 1 InsVV Rn 12 ff.; MüKo/Nowak, InsO, § 2 InsVV Rn 3. Ebenso Gottwald/Last, Insolvenzrechts-Handbuch, 3. Aufl. 2006, § 127 Rn 13, der freilich ein Umsatzlimit von 1,5 Mio. EUR hinzufügt.
[635] Haarmeyer/Wutzke/Förster, InsVV, § 2 Rn 10–20.

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