Prütting/Wegen/Weinreich, B... / II. Die Ausnahme.
 

Rn 5

Sie steht in III: Aus wichtigem Grund soll der Geschädigte eine sofortige Kapitalabfindung verlangen können. Dagegen hat der Schuldner kein solches Wahlrecht, auch wenn er (etwa als Versicherer) an einer schnellen Abwicklung interessiert sein mag (s BGHZ 79, 187, 191). Bei Einigkeit ist aber jederzeit ein Abfindungsvergleich möglich und auch häufig.

 

Rn 6

Als wichtiger Grund kommt ein besonderes Interesse des Geschädigten in Betracht, der etwa seine Existenz sichern will; ebenso genügen begründete Zweifel an der Fortdauer der Leistungsfähigkeit des Schuldners. Der Höhe nach soll der Geschädigte den Betrag erhalten, der zusammen mit den erzielbaren Zinsen (dazu Jaeger VersR 2006, 597 [OLG Saarbrücken 30.04.2003 - 5 U 389/02]; ausführlich Huber, in: NomosKommentar-BGB, §§ 842, 843, Rdn. 295 ff) die Summe der an sich geschuldeten Rente erreicht (BGHZ 79, 187, 190). Dabei werden im Fall einer lebenslangen Rente (›Leibrente‹) als erster Anhalt die auf die Sterbetafeln sich gründenden Kapitalisierungstabellen herangezogen (BGHZ aaO 191, etwa bei Luckey, Rz 1693), wobei beachtet werden muss, dass diese auf bereits eingetretenen Todesfällen basieren und nicht die Regel berücksichtigen, dass später geborene Menschen nach wie vor eine statistisch höhere Lebenserwartung haben

 

Rn 7

Gerade bei der Berechnung der Kapitalabfindung sind daher fehleranfällige Prognosen nötig. Offen sind dabei vor allem zwei Punkte, nämlich die Schadenshöhe und die Laufzeit des zu leistenden Schadensersatzes. Prognostiziert werden muss nicht nur, welchen beruflichen Werdegang etwa der unfallbedingt Erwerbsunfähige in einem manchmal recht langen Zeitraum genommen hätte, sondern auch die mutmaßliche Dauer der Erwerbstätigkeit und seine mutmaßliche Lebensdauer, wenn es um Mehrbedarf geht. Die Lebensumstände des Verletzten und sein wirtschaftliches Umfeld spielen dabei eine wichtige Rolle. Wenn sich die Prognosen als falsch erweisen, lässt BGHZ 79, 187, 192 f keine Abänderungsklage analog § 323 ZPO zu: Die Abfindung enthalte Elemente eines Vergleichs; die durch sie gewünschte Befriedung dürfe nicht nachträglich wieder beseitigt werden (aA teils die Lit, Angaben bei MüKo/Wagner Rz 78 Fn 19).

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