Prütting/Wegen/Weinreich, B... / II. Anwendungsbereich.
 

Rz. 2

§ 827 ist auf sämtliche Fälle der Verschuldenshaftung – auch außerhalb des Deliktsrechts (vgl § 276 I 2) – anwendbar (BGH NJW 68, 1132, 1133 [BGH 22.03.1968 - V ZR 3/67]), weiterhin auf die Feststellung der Erbunwürdigkeit gem § 2339 (BGHZ 102, 227, 230 f) und die Pflichtteilsentziehung nach § 2333 (LG Ravensburg 6 O 257/06). Mit der hM (BGHZ 9, 316, 317; 37, 102, 105 f; NJW 06, 292 Rz 17; G Müller VersR 03, 1, 7 mwN; vgl auch § 828 Rn 2) ist eine Anwendbarkeit auf Obliegenheitsverletzungen iSd § 254 (wegen deren Verschuldensähnlichkeit) anzunehmen (aA insb Esser/Schmidt § 35 I 3b mwN). Die Anwendung auf Tatbestände der Gefährdungshaftung wird diskutiert, soweit diese an eine Haltereigenschaft des Schädigers anknüpfen (dafür zB BGHZ 9, 316, 317; 24, 325, 327; Erman/Schiemann § 827 Rz 1; NK-BGB/Katzenmeier Vor §§ 827 ff Rz 4; dagegen BeckOK/Spindler § 827 Rz 1 mwN). Im Kern geht es darum, ob dann, wenn der gesetzliche Vertreter an der Begründung der Haltereigenschaft nicht beteiligt war, eine Anwendung der §§ 104 ff (wegen der Parallele zum idR erforderlichen Abschluss einer Versicherung, zB Larenz/Canaris § 84 I 2g; Esser/Weyers § 63 II 3; BeckOGK/Wellenhofer § 827 Rz 4) oder der §§ 827 ff (wegen des tatsächlichen Charakters der Begründung der Haltereigenschaft, zB Soergel/Spickhoff Vor § 827 Rz 7; Erman/Schiemann § 827 Rz 1) sinnvoller ist oder allg auf den Reifegrad des Halters abzustellen ist (zB Staud/Eberl-Borges § 833 Rz 115). Da die Haltereigenschaft nicht auf rechtsgeschäftlichen Elementen beruht, erscheint die Heranziehung der §§ 827 ff angebracht. Umstr ist die Anwendung iRd § 81 VVG. Ein Ausschluss oder eine Kürzung der Leistungspflicht des Versicherers nach dieser Vorschrift ist auch in Fällen des § 827 1 denkbar (zB bei Trunkenheitsfahrt, s. zu § 61 VVG aF BGH NJW 85, 2648 f; 89, 1612 f; NJW-RR 04, 173, 174 [BGH 29.10.2003 - IV ZR 16/03]; Knappmann NVersZ 98, 13, 14 mwN). Str ist eine analoge Anwendung des § 827 2, zB bei grob fahrlässigem Herbeiführen eines Rauschs (dafür BGH VersR 67, 944; dagegen zu Recht wegen nicht hinreichender Vergleichbarkeit der Sachlage zB BeckOK/Spindler § 827 Rz 8; Erman/Schiemann § 827 Rz 3; Knappmann NVersZ 98, 13, 15; VersR 00, 11, 13; vgl auch Lang NZV 90, 336, 337). Hingegen können die allg Grundsätze über die actio libera in causa (s.u. Rn 4) auch bei § 81 VVG eingreifen (Lang NZV 90, 336, 337; Knappmann NVersZ 98, 13, 16 mwN; VersR 00, 11, 13 zu § 61 VVG aF). Entsprechendes muss für die Anwendung des § 827 iRd § 103 VVG gelten (dazu BGHZ 111, 372, 374 f).

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