Prütting/Wegen/Weinreich, B... / dd) VW-Abgasproblematik
 

Rn 24

Im Zusammenhang mit der VW-Abgasproblematik wird diskutiert, ob in der fehlenden Aufklärung über die Abschaltvorrichtung ein grob leichtfertiges gewissenloses Verhalten des Herstellers liegt. Eine Annahme von Sittenwidrigkeit erschiene – mit Blick auf den Maßstab in diesem Bereich, der gerade bei Aufklärungspflichten nicht allzu hoch angesetzt wird – vor allem dann denkbar, wenn sich erwiese, dass die eingebauten Abschalteinrichtungen von einem System der Verschleierung dieser Maßnahme flankiert wurden (s etwa LG Krefeld 2 O 19/17; ähnl LG Paderborn 2 O 118/16; jetzt auch LG Bochum 6 O 96/17; LG Düsseldorf 7 O 212/16; LG Duisburg 1 O 178/17; LG Frankfurt aM 2–26 O 67/17; LG Kiel 12 O 371/17; mit ähnl Begründung LG Heilbronn 2 O 278/17; 6 O 320/17; 6 O 35/18; LG Stuttgart 23 O 80/18; 23 O 92/18; LG Wuppertal 4 O 295/17; stärker auf die Werbung abstellend LG Bonn MDR 18, 404, 405; im Ansatz auch LG Köln 37 O 6706/18; gegen Sittenwidrigkeit zB LG Braunschweig 3 O 2290/16; 3 O 21/17; 11 O 3993/16; 11 O 4093/16; 11 O 2709/17; 11 O 3017/17; 11 O 899/18; LG Köln 7 O 120/16; 17 O 84/16), so dass auch mit Blick auf die zulassungsrechtliche Problematik (dazu etwa LG Stuttgart 19 O 34/17; 19 O 68/17) eine Offenbarungspflicht zu bejahen wäre. Zweifelhaft erscheint es, bereits die Entscheidung zur Gewinnmaximierung unter Inkaufnahme von Gesundheitsschäden vieler ohne Hinzutreten weiterer Umstände (so LG Bochum 2 O 235/17; LG Flensburg 4 O 181/17; LG Frankfurt/Oder 13 O 174/16; LG Krefeld ZIP 17, 1671, 1677; 7 O 147/16; abl jetzt auch LG Düsseldorf 21 O 228/16; 14e O 191/16; LG Ingolstadt 42 O 1057/16), den Verstoß gegen die EG-FGV (so auch LG Braunschweig 3 O 1138/16; 3 O 2052/16; 3 O 2436/16; 3 O 3447/16; 3 O 3460/16; 3 O 598/17; 3 O 622/17; 3 O 908/17; 3 O 1597/17; LG Düsseldorf 14e O 191/16; 21 O 228/16; LG Hannover 14 O 43/17; LG Ingolstadt 42 O 1057/16) oder gar bereits das bewusste Inverkehrbringen eines sachmangelbehafteten Fahrzeugs bzw das Verschweigen der Softwareprogrammierung (LG Essen 16 O 245/16; LG Frankfurt aM 2–25 O 547/16; LG Hildesheim DAR 17, 83, 86; LG Osnabrück 1 O 19/17; LG Trier 5 O 114/18; wie hier LG Braunschweig 3 O 1138/16; 3 O 2052/16; 3 O 2436/16; 3 O 3447/16; 3 O 3460/16; 3 O 598/17; 3 O 622/17; 3 O 908/17; 3 O 1597/17; 3 O 1915/17; Oechsler NJW 17, 2865, 2866; ähnlich Legner VuR 18, 251, 252) als sittenwidrigkeitsbegründend anzusehen. Bei Kenntnis des Erwerbers von der Problematik kommt eine sittenwidrige Schädigung nicht in Betracht (LG Braunschweig 3 O 1211/17). Bei einer Annahme von Sittenwidrigkeit mit der oben genannten Argumentation dürfte auch das Vorsatzerfordernis idR kein Problem darstellen (zu etwaigen Beweiserleichterungen Harriehausen NJW 18, 3137, 3141 f). Schwieriger könnte sich va beweisrechtlich die Zurechnung des Handelns der Verantwortlichen zum Konzern gem § 31 gestalten (s etwa LG Ingolstadt 42 O 1057/16; LG München I 37 O 6706/18; LG München II 12 O 4986/16; positiver hingegen, insbesondere unter Abstellung auf eine sekundäre Darlegungslast von VW, LG Bonn MDR 18, 404, 405 f [LG Bonn 07.03.2018 - 19 O 327/17]; LG Düsseldorf 7 O 212/16; LG Duisburg 1O 178/17; LG Essen 9 O 33/17; LG Flensburg 4 O 181/17; LG Frankfurt aM 2–26 O 67/17; LG Heilbronn 2 O 278/17; 6 O 320/17; 6 O 35/18; LG Kiel 12 O 371/17; LG Nürnberg-Fürth 9 O 8283/16; 9 O 9193/16; 9 O 1368/17; LG Stuttgart 19 O 34/17; 19 O 68/17; 23 O 80/18; 23 O 92/18; LG Wuppertal 4 O 295/17; sehr knapp LG Bochum 2 O 235/17; ausf LG Bochum 6 O 96/17). Eine Zurechnung über § 831dürfte hingegen den Begriff des weisungsgebundenen Verrichtungsgehilfen (§ 831 Rn 9 ff) zu stark ausdehnen. Zu fragen bliebe weiterhin, welcher konkrete Schaden gerade dem Käufer aus dem oben genannten System entstanden wäre, nachdem die ursprüngliche Software in seinem PKW modifiziert wurde. Ein solcher Schaden dürfte nicht in allen Fällen leicht zu begründen sein (bejaht allerdings von Legner VuR 18, 251, 252, solange nicht abschließend geklärt sei, ob die Updates geeignet seien, sämtliche Funktionsbeeinträchtigungen zu beseitigen); Beweiserleichterungen greifen hier nicht (s Oechsler NJW 17, 2865, 2868 f). Und selbst wenn man den Abschluss eines Kauf- oder Leasingvertrags selbst als Schaden einstufte (was nicht ohne weiteres denkbar erscheint; in Bezug auf Leasingnehmer jedoch angenommen von Harriehausen NJW 18, 3137, 3140; allg zB LG Bochum 6 O 96/17) und einen Anspruch des Käufers bzw Leasingnehmers auf Rückgängigmachung des Vertrags im Rahmen der Naturalrestitution annähme (zB LG Bochum 6 O 96/17; LG Düsseldorf 7 O 212/16; LG Duisburg 1 O 178/17; LG Essen 16 O 245/16; LG Flensburg 4 O 181/17; LG Frankfurt/Oder 13 O 174/16; LG Heilbronn 6 O 320/17; 6 O 35/18; LG Hildesheim DAR 17, 83, 87; LG Kiel 12 O 371/17; LG Köln 37 O 6706/18; LG Krefeld 2 O 19/17; LG Paderborn 2 O 118/16; LG Stuttgart 19 O 34/17; 19 O 68/17; 23 O 80/18; 23 O 92/18; LG Wuppertal 4 O 295/17; Harriehausen NJW 18, 3137, 3140 f), wäre zu prüfen, wie dieser praktisch du...

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