Prütting/Wegen/Weinreich, B... / bb) Öffentliche Gebäude und Einrichtungen.
 

Rn 149

Bei Schulen, Kindergärten und Spielplätzen sind die Regeln über Verkehrspflichten ggü Kindern und Jugendlichen (s.o. Rn 121) zu beachten (für Bolzplätze gelten möglicherweise weniger weitgehende Verkehrspflichten, Jena NZV 11, 31, 32 [OLG Jena 10.02.2010 - 4 U 594/09]; NJW-RR 11, 961, 962 [OLG Jena 08.02.2011 - 4 U 423/10]). Zu vermeiden sind insb Gefahren, die für die konkret in Betracht kommenden Altersgruppen nicht erkennbar sind. Dabei sind die Vorkehrungen an der jeweils jüngsten Altersstufe zu orientieren (BGHZ 103, 338, 340). Zu berücksichtigen sind va fehlende Einsichtsfähigkeit und Missbrauchsmöglichkeiten (s insb BGHZ 103, 338, 340; NJW 78, 1626, 1627; 88, 48, 49; München NJW-RR 07, 746, 747), aber es muss keine Vorsorge getroffen werden gegen extrem unvernünftiges (BGH NJW 80, 1159, 1160 [BGH 29.01.1980 - VI ZR 11/79]) oder mutwilliges (BGH MDR 60, 911; VersR 63, 947, 949) Verhalten oder gegen nicht nahe liegende Gefahren (Karlsr NJW-RR 05, 1264 [OLG Karlsruhe 22.06.2005 - 7 U 104/04]; Kobl NJW-RR 05, 1611, 1612 [OLG Koblenz 20.10.2005 - 5 U 216/05]). Erforderlich ist eine Sicherung von Grundstück bzw Räumlichkeiten mit Blick auf Bewegungsdrang und Unvorsichtigkeit von Kindern bzw Jugendlichen, sofern diese nicht allein durch Verhaltensregeln und Aufsicht in Grenzen gehalten werden können (zB BGH VersR 63, 947, 949 [BGH 16.05.1963 - III ZR 32/62]; NJW 99, 2364 [BGH 04.05.1999 - VI ZR 379/98]). Bei Spielplätzen ist eine Absicherung des Platzes selbst, insb zu angrenzenden Straßen hin (BGH NJW 77, 1965, 1966 [BGH 21.04.1977 - III ZR 200/74]; Hamm VersR 96, 1515, 1516 [OLG Hamm 02.06.1995 - 9 U 31/95]), und der Spielgeräte (BGH MDR 62, 889; NJW 88, 48, 49 [BGH 28.04.1987 - VI ZR 127/86]; Hamm VersR 96, 1517, 1518 [OLG Hamm 19.06.1995 - 13 U 25/95]; Ddorf NJW-RR 99, 1621 f [OLG Düsseldorf 13.11.1997 - 18 U 75/97]; Grenzen: Naumbg NJW-RR 14, 664) erforderlich. Im Fallbereich von Spielgeräten muss der Boden aufprallhemmend sein (BGHZ 103, 338, 340 f; Hamm 6 U 157/08; s aber auch Karlsr NJW-RR 98, 1323, 1324), nicht aber zB außerhalb der Seitenwände einer Hüpfburg (Köln MDR 10, 810), bei der allerdings eine ausreichende Luftfüllung sicherzustellen ist (Kobl VersR 13, 598 [OLG Koblenz 03.12.2012 - 5 U 1054/12]). S auch Mergner/Matz NJW 15, 197, 202 mwN. Geringere Anforderungen gelten idR bei Abenteuerspielplätzen (BGH NJW 78, 1626, 1627) und Freizeitparks (BGH aaO; Celle OLGZ 90, 343, 344; Karlsr NJW-RR 97, 23, 24 [OLG Karlsruhe 14.08.1996 - 14 U 226/95]; Hamm OLGR 08, 666, 667f).

 

Rn 150

In Krankenhäusern bestehen in Bezug auf die Patienten gesteigerte Sorgfaltspflichten (s insb NK-BGB/Katzenmeier § 823 Rz 502 mwN; Naumbg GesR 13, 58; Jena NJW-RR 12, 1419; Hamm FamRZ 17, 1439; Grenzen: zB Kobl MDR 14, 1083, 1084; 1202, 1203; Saarbr 5 U 7/19), ebenso in Altenheimen oder Reha-Kliniken (BGHZ 163, 53; Hamm 19 U 26/11; Schlesw NJW-RR 13, 31; 14, 204; Grenzen: Ddorf 4 O 35/06; NJW-RR 10, 1533; 12, 716, 717 f [OLG Düsseldorf 17.01.2012 - I-24 U 78/11]; Jena NJW-RR 12, 1419 [OLG Jena 05.06.2012 - 4 U 488/11]; 16, 273 [OLG Jena 27.08.2015 - 1 U 558/14]; Kobl NJW-RR 14, 458, 459 f; Saarbr NJW-RR 13, 28 [OLG Saarbrücken 11.09.2012 - 4 U 193/11 -60-]; Schlesw NJW-RR 14, 204, 205 [OLG Schleswig 31.05.2013 - 4 U 85/12]; GesR 16, 534 [OLG Köln 13.11.2015 - 5 U 72/15]; Grenzen: Karlsr MDR 20, 100 [OLG Karlsruhe 18.09.2019 - 7 U 21/18]), in Behinderteneinrichtungen (Frankf 13 U 6/18 – im konkreten Fall recht weitgehend) oder beim betreuten Wohnen (BGH NJW 19, 3516 [BGH 22.08.2019 - III ZR 113/18]). In psychiatrischen Anstalten sind Patienten im Rahmen des Erforderlichen und Zumutbaren auch vor Suizidgefahr zu schützen (BGH NJW 14, 539 [BGH 31.10.2013 - III ZR 388/12] Rz 10 mwN, auch zu Grenzen).

 

Rn 151

In Badeanstalten (dazu allg R Pfeiffer ZfS 97, 401; Möhlenkamp VersR 12, 833; Mergner/Matz NJW 15, 197, 201 f; Bayard BWGZ 18, 712, alle mwN) ist ein Schutz vor Gefahren zu gewährleisten, die das übliche Benutzungsrisiko übersteigen (BGH NJW 78, 1629; 80, 1159; NJW-RR 89, 219, 220; NJW 00, 1946), zB muss mit einer gewissen Rutschgefahr gerechnet werden (Frankf VersR 60, 238; Celle NJW-RR 00, 244, 245 [OLG Celle 03.02.1999 - 9 U 249/98]; Hamm VersR 98, 733; s aber auch BGH VersR 60, 944 sowie München VersR 75, 478). Die Verkehrspflichten betreffen insb Gebäude und Schwimmbecken (Celle VersR 69, 1049; Stuttg VersR 72, 987; München VersR 72, 472, 473; 83, 91, 92; Hamm VersR 78, 1147; Grenzen: Stuttg VersR 10, 1091 [OLG Stuttgart 28.10.2009 - 12 U 214/08]), die Aufsicht über die Schwimmbecken (dazu insb BGH NJW 18, 301 Rz 18 ff – mit bemerkenswerter Beweislastumkehr bei grob fahrlässiger Verletzung von Organisationspflichten Rz 24 ff, dazu krit Laumen MDR 18, 256 f mwN; Katzenmeier JZ 18, 415, 417 f [BGH 23.11.2017 - III ZR 60/16], sowie Beweiserleichterung bei einfacher Fahrlässigkeit Rz 30f), die Abgrenzung von Nichtschwimmer- und Schwimmer- sowie Schwimm- und Sprungbereichen (BGH NJW 80, 1159, 1160; Hamm VersR 79, 1064...

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