Prütting/Wegen/Weinreich, B... / I. Verjährung.
 

Rz. 108

Für alle Bereicherungsansprüche gilt die dreijährige Regelverjährung gem § 195. Die Verjährungsfrist beginnt gem § 199 I Nr 1 frühestens mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist, bei der condictio ob rem also erst, wenn endgültig feststeht, dass der Empfänger die vom Leistenden nach der Zweckabrede erwartete Gegenleistung nicht erbringen wird (s. Rn 45); für die condictio ob causam finitam ist der Zeitpunkt maßgebend, in dem der ursprünglich vorhandene Rechtsgrund wegfällt. Darüber hinaus knüpft § 199 I Nr 2 den Beginn der Verjährungsfrist an die Kenntnis oder grob fahrlässige Unkenntnis des Bereicherungsgläubigers (BGH WM 13, 155 [BGH 13.12.2012 - III ZR 298/11]; bei jur Personen Kenntnis der vertretungsberechtigten Organe: BGH WM 11, 794 [BGH 15.03.2011 - II ZR 301/09]) von der Person des Schuldners und den anspruchsbegründenden Tatsachen (zur Geltung der "subjektiven" Voraussetzungen in den Überleitungsfällen nach Art 229 § 6 EGBGB: BGH NJW 07, 1584, 1585 f [BGH 23.01.2007 - XI ZR 44/06] Rz 17 ff mwN; BauR 07, 1044; ausf zur "Kenntnis" iSd § 199 I Nr 2: BGH NJW-RR 09, 547 [BGH 23.09.2008 - XI ZR 262/07] Rz 15 ff; NJW-RR 09, 544 [BGH 23.09.2008 - XI ZR 253/07] Rz 19 ff mwN; vgl. auch BGHZ 179, 260 Rz 47; NJW-RR 10, 1574 Rz 12 ff; zur Wissenszurechnung: BGH WM 13, 155 [BGH 13.12.2012 - III ZR 298/11]; WM 11, 794 [BGH 15.03.2011 - II ZR 301/09]; NZBau 08, 501 [BGH 08.05.2008 - VII ZR 106/07]). Zu den anspruchsbegründenden Umständen gehören dabei nicht nur diejenigen der erfolgten Zuwendung, sondern auch Umstände, aus denen sich die Rechtsgrundlosigkeit im Falle der Leistungskondiktion oder im Falle der Nichtleistungskondiktion die fehlende Zurechenbarkeit der Zuwendung ergibt, mit der Folge, dass keine Leistung kraft Rechtsscheines vorliegt (BGH NJW 15, 1948 [BGH 13.01.2015 - XI ZR 303/12]). Ob der Gläubiger die ihm bekannten objektiven Tatsachen zutr rechtlich würdigt, ist grds ohne Belang (BGH NJW 15, 1948 [BGH 13.01.2015 - XI ZR 303/12]; NJW-RR 10, 1574 [BGH 15.06.2010 - XI ZR 309/09] Rz 12 ff; NJW-RR 08, 1237, 1238 [BGH 19.03.2008 - III ZR 220/07] Rz 7 f mwN). Nur bei unsicherer und zweifelhafter Rechtslage kann der Beginn der Verjährungsfrist ausnahmsweise wegen Rechtsunkenntnis des Gläubigers hinausgeschoben sein (BGHZ 160, 216, 231 f; BGH BeckRS 14, 21090 Rz 35 ff; NJW-RR 10, 1574 [BGH 15.06.2010 - XI ZR 309/09] Rz 12 ff; NJW-RR 09, 547 [BGH 23.09.2008 - XI ZR 262/07] Rz 15 mwN). Die Verjährung beginnt dann – unabhängig von Kenntnis oder grob fahrlässiger Unkenntnis – mit der objektiven Klärung der Rechtslage (BGH BeckRS 14, 21090 Rz 44 ff; NJW-RR 09, 547, 548 [BGH 23.09.2008 - XI ZR 262/07] Rz 19; speziell zu den Bearbeitungsgebühren bei Darlehen vgl LG Stuttg ZIP 14, 1063 [LG Stuttgart 05.02.2014 - 13 S 126/13]; Rodi ZIP 14, 1866). Eine Besonderheit besteht für Bereicherungsansprüche nach einem aufgrund fehlerhafter Belehrung oder Verbraucherinformationen erklärten Widerspruch im Bereich von Lebensversicherungen (BGH NJW 15, 1818 [BGH 08.04.2015 - IV ZR 103/15]: Beginn mit Ende des Jahres, in dem Widerspruch erklärt). Allerdings tritt die Verjährung ungeachtet all dessen spätestens 10 Jahre nach der Entstehung des Anspruchs ein – § 199 IV. Bei Rechtsgrundverweisungen auf das Bereicherungsrecht gelten die für die Verweisungsnorm maßgeblichen Verjährungsvorschriften (AnwK/v Sachsen Gessaphe § 812 Rz 202; zum Sonderfall der Rückforderung von Zinsen bei nichtigen Ratenkreditverträgen BGH NJW 07, 3127, 3128 f [BGH 27.02.2007 - XI ZR 56/06] Rz 20 f – § 197 aF; BGHZ 98, 174, 181 ff; 112, 352, 353 f). Die aus der Rückabwicklung eines nichtigen Grundstücksgeschäftes resultierenden bereicherungsrechtlichen Ansprüche verjähren gem § 196 in 10 Jahren (BGH NJW-RR 08, 824, 826 [BGH 25.01.2008 - V ZR 118/07] Rz 19 ff mwN; aA LG Rottweil NJW-RR 07, 452; BaRoth/Henrich § 196 Rz 3). Allerdings gilt für bereicherungsrechtliche Ansprüche gegen den Vermieter wegen durchgeführter Schönheitsreparaturen die kurze Verjährungsfrist des § 548 II (BGH NJW 11, 1866 [BGH 04.05.2011 - VIII ZR 195/10]; 12, 3032 Rz 13).

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