Prütting/Wegen/Weinreich, B... / III. Pflichten.
 

Rn 14

Nach der Auswahlentscheidung des Kunden und Beginn seiner Verhandlungen über den konkreten Reisevertrag mit einem bestimmten Reiseveranstalter beginnt die Durchführung der gewählten Reise. Die Durchführung ist mitsamt den anfallenden Aufklärungs- und Hinweispflichten Sache des Veranstalters (BGH NJW 06, 2321 [BGH 25.04.2006 - X ZR 198/04]). Mit ihrem Beginn setzt seine vorvertragliche Haftung ein.

 

Rn 15

Zur ›Durchführung‹ gehört auch die Buchung der ausgewählten Reise sowie bestimmte Unterrichtungen, so zB der Hinweis auf Verkaufsveranstaltungen, die anlässlich der Reise stattfinden (Hamm RRa 06, 44), auf wesentlichen Veränderungen im Zielgebiet zwischen Buchung und Reiseantritt, idR auf ein Pass- oder Visumerfordernis (vgl § 4 I Nr 6, § 5 Nr 1 BGB-InfoV; BGH NJW 06, 2321; Rostock RRa 09, 98 [OLG Rostock 07.08.2008 - 1 U 143/08]; zu Drittstaatlern einschr LG Duisburg 31.8.12 – 7 S 33/12), ggf auf Einfuhrbestimmungen für Medikamente (LG Berlin v 10.10.11 – 38 O 43/11), sowie auf eine Reiserücktrittskosten- und eine Rücktransportkosten-, nicht auf eine Reiseabbruchversicherung (vgl §§ 5, 6 II Nr 9 BGB-InfoV; BGH NJW 06, 3137 [BGH 25.07.2006 - X ZR 182/05]) oder Unfallversicherung (Celle NJW-RR 02, 559 [OLG Celle 29.11.2001 - 11 U 70/01]) auf die fragliche Gültigkeit des Reisepasses (BGH NJW 14, 2955 [BGH 20.05.2014 - X ZR 134/13] Rz 14). Erfüllt das Reisebüro diese Pflicht, zB durch Übergabe eines Prospekts iSv § 4 BGB-InfoV, handelt es als Erfüllungsgehilfe des Vermittlers (BGH NJW 06, 2321 [BGH 25.04.2006 - X ZR 198/04]). Er haftet für ein Verhandlungsverschulden des Büros (BGH aaO). Nicht zuzurechnen sind Äußerungen des Reisebüros, die im offenen Widerspruch zum Inhalt des Prospekts und der anschließenden Reisebestätigung (III) stehen (Ddorf NJW-RR 05, 644 [OLG Düsseldorf 16.12.2004 - I-12 U 30/04]: zur Erforderlichkeit von Einzelvisa; Frankf NJW-RR 95, 1462 [OLG Frankfurt am Main 06.04.1995 - 16 U 47/94]). Hinzuweisen ist zB bei Anlass auf gesundheitliche Risiken, politische Unruhen (Köln NJW-RR 92, 1014: Golfkrieg), einen Hotel- (Frankf NJW-RR 80, 1196) oder Flughafenstreik (LG Hannover NJW-RR 89, 820 [LG Hannover 30.03.1989 - 3 S 451/88]: zu nebenvertraglichen Fürsorgepflichten), eine Großbaustelle (LG Düsseldorf NJW-RR 87, 176 [LG Düsseldorf 07.11.1986 - 22 S 104/86]; LG Frankfurt 7.4.16 – 2–24 O 51/15; s.a. Celle RRa 05, 205 [OLG Celle 12.05.2005 - 11 U 268/04]) oder Gefährdung am Zielgebiet (vgl BGH NJW 82, 1521 [BGH 25.03.1982 - VII ZR 175/81]; Köln NJW-RR 00, 61 [OLG Köln 21.06.1999 - 16 U 6/99]), ggf durch höhere Gewalt (BGH NJW 02, 3700; Frankf NJW-RR 03, 1139 [OLG Frankfurt am Main 24.04.2003 - 16 U 164/00]: Hurrikan). Nicht hinweisen muss er auf Gefahren allg Art, die der Reisende selbst kennen und berücksichtigen muss (Ddorf RRa 02, 210 [BGH 12.03.2002 - X ZR 226/99]: Eignung zur Jeep-Safari), oder auf einen billigeren Preis, wenn nicht danach gefragt war. Daneben enthalten §§ 4 ff BGB-InfoV zahlreiche Informationspflichten. Sie sind Hauptpflichten. Ihre (ggf vorvertragliche) Verletzung kann Schadensersatzansprüche des Reisenden nach § 651f bzw § 311 II und Unterlassungsansprüche (§ 1, 3 UWG) begründen. Die vorsätzliche bzw arglistige Informationspflichtverletzung oder die Verletzung nebenvertraglicher Informationspflichten führt zu § 280 I (vgl BGH NJW 02, 3700).

 

Rn 16

Der Veranstalter hat dem Reisenden die vereinbarte Reise einschließlich ihrer Organisation und Vorbereitung mangelfrei (§ 651c) zu erbringen (BGH NJW 06, 3268 [BGH 18.07.2006 - X ZR 142/05]). Er haftet für ihren Erfolg (Rn 10). Bei Pauschalreisen ist zur Bestimmung der Leistungsverpflichtungen des Reiseveranstalters neben der Reisebestätigung (vgl III; § 6 BGB-InfoV) auch der von diesem herausgegebene, bei Buchung gültige Reiseprospekt (§ 4 I BGB-InfoV) heranzuziehen, in dem sich die detaillierten Angaben über die Gestaltung und die Leistungen des Veranstalters zB über Beförderung, Unterkunft (Lage, Kategorie, Ausstattung, Umgebung) und Sonstiges (zB Sportmöglichkeiten) wahr und vollständig befinden (BGH NJW 04, 681 [BGH 30.09.2003 - X ZR 244/02]). Er muss deutlich lesbare, klare und genaue Angaben über den Reisepreis enthalten, wobei nach § 1 I 1 PAngV der Veranstalter als Endpreise anzugeben hat, was einschließlich USt und sonstiger Preisbestandteile (zB Flughafengebühren) unabhängig von einer Rabattgewährung zu zahlen ist (BGH NJW 10, 2521, 2522 [BGH 29.04.2010 - I ZR 23/08]). Gründe, Preisanpassungen vorzubehalten zu können, nennt § 4 II 3 BGB-InfoV. Der Prospekt ist als AGB Vertragsgrundlage (Rn 23) und jedenfalls bei Buchung im Reisebüro dem Reisenden zur Verfügung zu stellen (BGH NJW 07, 2549, 2552 [BGH 12.06.2007 - X ZR 87/06]; aA LG Frankfurt RRa 07, 273, 274 [LG Frankfurt am Main 19.09.2006 - 2-24 S 58/06]). Eine Zusage des Leistungserbringers, zB des Hotels, wirkt nicht ggü dem Veranstalter (AG München B 103 C 13205/04 v 8.2.05).

 

Rn 17

Den Veranstalter treffen zudem Obhuts- und Fürsorgepflichten (Ddorf NJW-RR 03, ...

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