Prütting/Wegen/Weinreich, B... / II. Pflichten.
 

Rn 20

Nach der Auswahlentscheidung des Kunden und Beginn seiner Verhandlungen über den konkreten Reisevertrag mit einem bestimmten Reiseveranstalter beginnt die Durchführung der gewählten Reise. Diese ist mitsamt den anfallenden Aufklärungs- und Hinweispflichten (iE Art 250 EGBGB) Sache des Veranstalters (BGH NJW 06, 2321 [BGH 25.04.2006 - X ZR 198/04]). Er hat die Reise in eigener Verantwortung mängelfrei zu verschaffen (§ 651i I; vgl BTDs 18/10822, 65; BGH NJW 06, 3268 [BGH 18.07.2006 - X ZR 142/05]) und haftet auch ohne Verschulden für den Erfolg der Gesamtheit der Reiseleistungen, soweit dieser von seinen Leistungen abhängt (BGH NJW 00, 1188 [BGH 14.12.1999 - X ZR 122/97]; 95, 2629); er trägt unabhängig von der Ursache eines Fehlers grds die Gefahr des Gelingens der Reise (BGH 6.12.16 – X ZR 118/15 Rz 6). Bei Pauschalreisen ist zur Bestimmung der Leistungsverpflichtungen des Reiseveranstalters primär die vorvertraglichen Informationen, die, wenn die Parteien nichts anderes vereinbaren, zum Inhalt des Vertrages werden (§ 651d III 1), ferner der Reisebestätigung (vgl Art 250 § 6 II EGBGB) und auch der von dem Veranstalter herausgegebene, bei Buchung gültige Reiseprospekt heranzuziehen, in dem sich die detaillierten Angaben über die Gestaltung und die Leistungen des Veranstalters zB über Beförderung, Unterkunft (Lage, Kategorie, Ausstattung, Umgebung) und Sonstiges (zB Sportmöglichkeiten) wahr und vollständig befinden (BGH NJW 04, 681 [BGH 30.09.2003 - X ZR 244/02]). Er muss deutlich lesbare, klare und genaue Angaben über den Reisepreis enthalten, wobei nach § 1 I 1 PAngV der Veranstalter als Endpreise anzugeben hat, was einschließlich USt und sonstiger Preisbestandteile (zB Flughafengebühren) unabhängig von einer Rabattgewährung zu zahlen ist (BGH NJW 10, 2521, 2522 [BGH 29.04.2010 - I ZR 23/08]).

 

Rn 21

Der Reiseveranstalter hat dem Reisenden rechtzeitig vor Reisebeginn die notwendigen Reiseunterlagen zu übermitteln (§ 651d III 3 iVm Art 250 § 7 I EGBGB). Zur ›Durchführung‹ gehört auch die Buchung der ausgewählten Reise sowie über Art 250 EGBGB hinaus bestimmte Unterrichtungen, so zB der Hinweis auf Verkaufsveranstaltungen, die anlässlich der Reise stattfinden (Hamm RRa 06, 44), auf wesentlichen Veränderungen im Zielgebiet zwischen Buchung und Reiseantritt, idR auf ein Pass- oder Visumerfordernis (vgl Art 250 § 3 Nr 6 EGBGB; BGH NJW 06, 2321; Rostock RRa 09, 98 [OLG Rostock 07.08.2008 - 1 U 143/08]; zu Drittstaatlern einschr LG Duisburg 31.8.12 – 7 S 33/12), ggf auf Einfuhrbestimmungen für Medikamente (LG Berlin v 10.10.11 – 38 O 43/11), sowie auf eine Reiserücktrittskosten- und eine Rücktransportkosten- (Art 250 § 3 Nr 8 EGBGB), nicht auf eine Reiseabbruchversicherung (vgl BGH NJW 06, 3137 [BGH 25.07.2006 - X ZR 182/05]) oder Unfallversicherung (Celle NJW-RR 02, 559 [OLG Celle 29.11.2001 - 11 U 70/01]) oder auf die fragliche Gültigkeit des Reisepasses (BGH NJW 14, 2955 [BGH 20.05.2014 - X ZR 134/13] Rz 14). Erfüllt das Reisebüro diese Pflicht, zB durch Übergabe eines Prospekts, handelt es als Erfüllungsgehilfe des Vermittlers (BGH NJW 06, 2321 [BGH 25.04.2006 - X ZR 198/04]). Er haftet für ein Verhandlungsverschulden des Büros (BGH aaO). Nicht zuzurechnen sind Äußerungen des Reisebüros, die im offenen Widerspruch zum Inhalt des Prospekts und der anschließenden Reisebestätigung (zu ihr Art 250 § 6 EGBGB) stehen (Ddorf NJW-RR 05, 644 [OLG Düsseldorf 16.12.2004 - I-12 U 30/04]: zur Erforderlichkeit von Einzelvisa; Frankf NJW-RR 95, 1462 [OLG Frankfurt am Main 06.04.1995 - 16 U 47/94]). Hinzuweisen ist zB bei Anlass auf gesundheitliche Risiken, politische Unruhen (Köln NJW-RR 92, 1014: Golfkrieg), einen Hotel- (Frankf NJW-RR 80, 1196) oder Flughafenstreik (LG Hannover NJW-RR 89, 820 [LG Hannover 30.03.1989 - 3 S 451/88]: zu nebenvertraglichen Fürsorgepflichten), eine Großbaustelle (LG Düsseldorf NJW-RR 87, 176 [LG Düsseldorf 07.11.1986 - 22 S 104/86]; LG Frankfurt 7.4.16 – 2–24 O 51/15; s.a. Celle RRa 05, 205 [OLG Celle 12.05.2005 - 11 U 268/04]) oder Gefährdung am Zielgebiet (vgl BGH NJW 82, 1521 [BGH 25.03.1982 - VII ZR 175/81]; Köln NJW-RR 00, 61 [OLG Köln 21.06.1999 - 16 U 6/99]), ggf durch höhere Gewalt (BGH NJW 02, 3700; Frankf NJW-RR 03, 1139 [OLG Frankfurt am Main 24.04.2003 - 16 U 164/00]: Hurrikan). Nicht hinweisen muss er auf Gefahren allg Art, die der Reisende selbst kennen und berücksichtigen muss (Ddorf RRa 02, 210 [BGH 12.03.2002 - X ZR 226/99]: Eignung zur Jeep-Safari), oder auf einen billigeren Preis, wenn nicht danach gefragt war.

 

Rn 22

Art 250, 251 EGBGB enthalten weitere Informationspflichten, die grds Vertragsinhalt werden (§ 651d III 1), zB detaillierte Angaben zu den Reiseleistungen, den Preisepreis, den Zahlungsmodalitäten und dem Recht zum jederzeitigen Rücktritt des Reisenden gegen Entschädigung (Art 250 § 3 Nr 1, 3, 4 u 7 EGBGB). Sie sind Hauptpflichten. Ihre (ggf vorvertragliche) Verletzung kann Schadensersatzansprüche des Reisenden nach § 651n bzw § 311 II und Unterlassungsansprüch...

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