Prütting/Wegen/Weinreich, B... / H. Haftungsausschluss bei Verletzung von Leben, Körper, Gesundheit und bei grobem Verschulden (Nr 7).
 

Rn 39

Nr 7 gilt grds für alle Vertragstypen (MüKo/Wurmnest § 309 Nr 7 Rz 7; W/L/P/Dammann § 309 Nr 7 Rz 4–9; zum Arbeitsvertrag BAG NZA 18, 589 Rz 61 ff) und erfasst alle Arten schuldhafter Pflichtverletzungen (§ 241), aus denen Schadensersatzansprüche erwachsen können (zB §§ 280 ff, 536a), seien es vertragliche oder vorvertragliche (BRHP/Becker § 309 Nr 7 Rz 4). Auch auf Schadensersatzansprüche aus unerlaubter Handlung findet Nr 7 Anwendung (BGH NJW 95, 1489; 87, 1931 [BGH 12.03.1987 - VII ZR 37/86]). Zunächst ist jedoch durch (enge, § 305c Rn 13 aE) Auslegung unter Berücksichtigung der Unklarheitenregel (§ 305c II) zu ermitteln, ob die Freizeichnungsklausel deliktische Ansprüche überhaupt erfasst (BGH NJW 92, 2016 [BGH 05.05.1992 - VI ZR 188/91]). Nr 7a betrifft auch Ansprüche auf Schmerzensgeld (§ 253 II) (Palandt/Grüneberg § 309 Rz 43).

 

Rn 40

Zum Begriff des gesetzlichen Vertreters und des Erfüllungsgehilfen s § 278 Rn 12 ff. Verrichtungsgehilfen sind keine Erfüllungsgehilfen iSv Nr 7 (BRHP/Becker § 309 Nr 7 Rz 10). Nr 7 erfasst hier nur die Haftungsfreizeichnung für grobes Auswahl- und Überwachungsverschulden des Verwenders. Gleiches gilt für den Substituten (BRHP/Becker § 309 Nr 7 Rz 11; s.a. § 664 I 2).

 

Rn 41

Zum Begriff des Vorsatzes und der (leichten/groben) Fahrlässigkeit s § 276.

I. Haftungsausschluss/Haftungsbegrenzung.

 

Rn 42

Klauseln iSv Nr 7 können den haftungsbegründenden oder haftungsausfüllenden Tatbestand betreffen. Dem Haftungsausschluss (einschl des Ausschlusses der Pflicht selbst) sind jegliche Arten der Haftungsbeschränkung, zB bzgl Höhe, Umfang, Zeit (Ausschlussfristen, Verjährungsverkürzung, s BGH NJW 13, 2584; WM 07, 261 [BGH 15.11.2006 - VIII ZR 3/06]; s.a. § 202 I, § 439 IV HGB) oder Art der Geltendmachung (Subsidiaritätsklausel) des Schadens, gleichgestellt (Ddorf NJW-RR 95, 440 [LG Düsseldorf 29.12.1993 - 12 O 322/93]; MüKo/Wurmnest § 309 Nr 7 Rz 23). Es genügt, wenn die Klausel nach Sinn und Zweck den Eindruck erweckt, die Haftung des Verwenders auszuschließen oder zu beschränken (BGH NJW 01, 751 [BGH 12.12.2000 - XI ZR 138/00]; 87, 2818 [BGH 14.07.1987 - X ZR 38/86]). Eine Haftungsbegrenzung liegt auch in der Abkürzung von gesetzlichen Verjährungsfristen (BGH NJW 13, 2584 Rz 15; ZIP 13, 1676; NJW 09, 1486; BGHZ 170, 37).

 

Rn 43

Die Begriffe Leben, Körper und Gesundheit sind wie in § 823 auszulegen (s § 823 Rn 23 ff). Nr 7 erfasst jede Art von Fahrlässigkeit. Für vorsätzliches Handeln des Verwenders s § 276 III. Ebenso werden Erfüllungsgehilfen jeder Art erfasst, gleich ob diese selbstständig oder unselbstständig tätig sind (BGH NJW 83, 1325 [BGH 20.01.1983 - VII ZR 105/81]). Zur transportrechtlichen Leutehaftung s §§ 436, 461 I HGB.

 

Rn 44

Nr 7b lässt zwar eine formularmäßige Haftungsfreizeichnung für leicht fahrlässige Pflichtverletzungen bei sonstigen Schäden zu. Solche Klauseln können aber nach § 307 II Nr 2 unwirksam sein, wenn sie Kardinalpflichten betreffen, s § 307 Rn 26.

 

Rn 45

Einzelfälle (zulässig +, nicht –): Haftungsfreizeichnung im Krankenhausaufnahmevertrag für Verlust und Beschädigung der von Patienten mitgebrachten Sachen (+BGH NJW 90, 764 [BGH 09.11.1989 - IX ZR 269/87]); Freizeichnung für Körper- und Gesundheitsschäden in Gebrauchtwagenkaufvertrag (–BGH WM 15, 695 [BGH 04.02.2015 - VIII ZR 26/14]); Haftungsbegrenzung in Textilreiniger-AGB (–BGH NJW 13, 2502); generelle Verkürzung der Verjährungsfrist (–BGH WM 15, 2359; ZIP 13, 1616); Klausel eines Paketbeförderungsdienstes, wonach sich der Kunde einverstanden erklärt, dass der Transportweg gänzlich unkontrolliert bleibt (–München NJW-RR 04, 1064f [OLG München 17.03.2004 - 7 U 4035/03]); Haftungsausschluss in Versteigerungsbedingungen (–BGH NJW 13, 3570 [BGH 09.10.2013 - VIII ZR 224/12]).

II. Ausnahmen.

 

Rn 46

Durch die Ausnahme in Nr 7 soll die Regelung des § 14 ABB, wonach der Beförderungsunternehmer für Sachschäden des Fahrgastes nur in beschränktem Umfang haftet, auch in Besonderen Beförderungsbedingungen (als AGB) wirksam sein (MüKo/Wurmnest § 309 Nr 7 Rz 13). Die Ausnahme von Nr 7 für Lotterie- und Ausspielverträge (§ 763) greift nur soweit, wie das Unternehmen und die Mitspieler gegen betrügerische Manipulationen geschützt werden müssen (W/L/P/Dammann § 309 Nr 7 Rz 4–9). Der Schutz beginnt bei Lotto und Toto mit Einreichen des Spielscheins (BGH NJW 91, 1745 [BGH 21.03.1991 - III ZR 94/89]).

III. Verträge zwischen Unternehmern.

 

Rn 47

Die Verbote der Nr 7 (insb Nr 7b) sind auf den unternehmerischen Geschäftsverkehr gem §§ 310 I, 307 übertragbar (hM; BGH WM 07, 2261 [BGH 19.09.2007 - VIII ZR 141/06]; NJW 99, 1031 [BGH 21.01.1999 - III ZR 289/97]). Dies gilt auch für das Verbot der Freizeichnung von leicht fahrlässigen Verletzungen von Kardinalpflichten (s § 307 Rn 26) durch den Verwender oder seine Erfüllungsgehilfen (BGH NJW 94, 1063 [BGH 12.01.1994 - VIII ZR 165/92]). Wirksam sind derartige Klauseln auch hier (s § 307 Rn 26) nur, wenn sie sich nicht auf vertragstypische, vorhersehbare, aus der Verletzung vertragswesentlicher Pflichten entstehende Schäden erstrecken (BGH NJW 93, 335; Arnold ZGS 04, 20; aA Berg...

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