Prütting/Wegen/Weinreich, B... / A. Zweck/Regelungsgehalt
 

Rn 1

Die Norm ergänzt die §§ 2320, 2321. Sie regelt das Rangverhältnis zwischen dem begünstigten Ersatzmann, der von der Ausschlagung des Pflichtteilsberechtigten profitiert, und dem Vermächtnisnehmer oder Auflagenbegünstigten. Denn dieser Ersatzmann muss nach den §§ 2320, 2321 die Pflichtteilslast in Höhe des erlangten Vorteils tragen und zudem das Vermächtnis bzw die Aufl erfüllen (vgl §§ 2161, 2192), wenn diese die ausgeschlagene Erbschaft oder das ausgeschlagene Vermächtnis beschweren. § 2322 will hier eine Doppelbelastung vermeiden. Der Begünstigte hat zwar den ihm zukommenden Vorteil iSv §§ 2220, 2221 für den Pflichtteil einzusetzen. Er kann aber die Vermächtnisse oder Auflagen kürzen, insoweit diese zusammen mit der Pflichtteilslast den Wert des ihm zufallenden Vorteils übersteigen. Das gilt auch, wenn er an sich als Erbe (§§ 1992, 1935, 2095) bzw Vermächtnisnehmer (§§ 2187, 2159) kein Recht zur Beschränkung mehr hat (BeckOKBGB/Müller Rz 1). Er soll nicht aus seinem eigenen Vermögen den Pflichtteilsanspruch oder den Anspruch aus dem Vermächtnis erfüllen müssen, sondern allenfalls den gesamten Nachlass zur Befriedigung verwenden (BGH NJW 56, 507 [BGH 21.12.1955 - IV ZR 105/55]). Da ein solcher Erbschaftserwerb dem Nachberufenen idR keine Vorteile bringt, sollte auch er besser ausschlagen. Der Erblasser kann das Kürzungsrecht nach § 2322 ausschließen (§ 2324; vgl BGH WM 81, 335).

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