Prütting/Wegen/Weinreich, B... / H. Hemmung
 

Rn 21

Hemmung der Verjährung (§ 209) tritt nach §§ 203 ff ein (KG ZEV 08, 481, 482 [KG Berlin 05.06.2008 - 8 U 213/07] m Anm Ruby). Im Umfang des Streitgegenstandes hemmt die Leistungsklage die Verjährung (§ 204 I Nr 1). Durch die Erhebung einer Feststellungsklage (§ 256 ZPO) kann die Hemmung der Verjährung herbeigeführt werden, wenn der Pflichtteilsberechtigte die Höhe seines Anspruchs noch nicht beziffern kann (BGH FamRZ 77, 128, 130; 95, 1157). Klagt der Berechtigte den ordentlichen Pflichtteil (§§ 2303, 2305, 2307) ein, wird trotz der grds Selbstständigkeit der Ansprüche in geltend gemachter Höhe auch die Verjährung des Ergänzungsanspruchs gegen den Erben gehemmt; Entspr gilt umgekehrt (BGH 31.10.18 – IV ZR 313/17 Rz 13; MüKo/Lange § 2332 Rz 5; Soergel/Dieckmann § 2332 Rz 22; Staud/Olshausen § 2332 Rz 36). Die auf § 2325 gestützte Zahlungsklage gegen den Erben (oder Erbeserben) hemmt die Verjährung des gegen diesen gerichteten Anspruchs gem § 2329 (BGH NJW 74, 1327 [BGH 29.05.1974 - IV ZR 163/72]; 86, 110; 89, 2887 [BGH 19.04.1989 - IVa ZR 85/88]). Die Klage gegen den Vorerben hemmt auch die Verjährung des Pflichtteilsanspruchs gegen den Nacherben (Soergel/Dieckmann § 2332 Rz 24), doch wirkt ein gegen den Vorerben ergangenes Urt nicht gegen den Nacherben (§ 326 ZPO). Der Berechtigte kann gegen den Nacherben Feststellungsklage erheben und sich so die Frist nach § 195 sichern. Eine zur Ausschlagung der Nacherbschaft befugte Erbin kann schon wirksam mit verjährungsunterbrechender Wirkung Klage auf ihren Pflichtteil erheben, da sie bereits vor Abgabe ihrer den Pflichtteilsanspruch voraussetzenden Ausschlagungserklärung Berechtigte iSd § 209 ist (Schlesw FamRZ 03, 1696). Auf eine gerichtliche Stundung (§ 2331a) sollte § 205 analog angewendet werden (BeckOKBGB/Müller Rz 26; MüKo/Lange § 2332 Rz 5; NK/Bock § 2332 Rz 19; aA Palandt/Weidlich Rz 19).

 

Rn 22

Nicht hemmt die Klage gegen den Testamentsvollstrecker (BGHZ 51, 125) oder die auf Feststellung der Pflichtteilsberechtigung die Verjährung des Ergänzungsanspruchs (§ 2325), wenn zur Schenkung nichts vorgetragen wurde (BGH NJW 95, 1614; 96, 1743 [BGH 27.03.1996 - IV ZR 185/95]), oder die Klage gegen den vorrangigen Erben nach § 2325 die Verjährung des Anspruchs gegen den Beschenkten nach § 2329 (vgl Zweibr ZEV 10, 44, 45 [OLG Zweibrücken 24.03.2009 - 8 U 29/08]); zur Streitverkündung vgl § 204 I Nr 6. Ebenso hemmt nicht die Klage auf Duldung der Zwangsvollstreckung den Anspruch aus § 2329 (BGH NJW 10, 998, 1002 [BGH 25.11.2009 - XII ZR 92/06]). Die Klage auf Auskunft (§ 2314) hemmt nicht die Verjährung des Pflichtteilsanspruchs (BGH NJW 75, 1409, 1410 [BGH 14.05.1975 - IV ZR 19/74]; Kobl ZEV 02, 501 [OLG Koblenz 06.05.2002 - 5 U 1287/01]; KG ZEV 08, 481, 482), selbst wenn in ihr angekündigt wird, nach Auskunftserteilung auf Zahlung klagen zu wollen (Ddorf FamRZ 99, 1097). Anders verhält es sich bei Verhandlungen iSv § 203 (KG aaO) oder einer auf Auskunft (§ 2314 Rn 21) und Zahlung gerichteten Stufenklage (§ 254 ZPO – BGH 31.10.18 – IV ZR 313/17 Rz 14), insoweit der Zahlungsanspruch nach Erfüllung der seiner Vorbereitung dienenden Hilfsansprüche beziffert wird; die Hemmung endet hier, wenn nach Erledigung der Vorstufen der Zahlungsanspruch nicht weiterbetrieben wird (§ 202 II 2, vgl BGH NJW 75, 1409 f [BGH 14.05.1975 - IV ZR 19/74]; 92, 2563 [BGH 17.06.1992 - IV ZR 183/91]; NJW-RR 06, 948, 949 f [BGH 22.03.2006 - IV ZR 93/05]; BAG NJW 86, 2527 [BAG 28.01.1986 - 3 AZR 449/84]; Hamm ZEV 98, 187, 188 [OLG Stuttgart 19.08.1997 - 8 W 124/97]). Zur Hemmung der Ansprüche minderjähriger Kinder gegen ein Elternteil vgl § 207 I Nr 2, auch §§ 210, 211 (dazu BeckOKBGB/Müller Rz 24).

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