Prütting/Wegen/Weinreich, BGB Kommentar, BGB § 1775 – Mehrere Vormünder
 

Gesetzestext

 

1Das Familiengericht kann ein Ehepaar gemeinschaftlich zu Vormündern bestellen. 2Im Übrigen soll das Familiengericht, sofern nicht besondere Gründe für die Bestellung mehrerer Vormünder vorliegen, für den Mündel und, wenn Geschwister zu bevormunden sind, für alle Mündel nur einen Vormund bestellen.

 

Rn 1

Alleinvormundschaft. Grds soll im Interesse des Familienzusammenhalts für einzelne Mündel, aber auch für mehrere Geschwister (auch für halbbürtige Geschwister) nur ein Vormund bestellt werden (vgl § 1786 I Nr 8), damit dieser – vergleichbar den Eltern – nicht nur die gesetzliche Vertretung des Mündels übernimmt, sondern zur echten Bezugsperson werden kann. Von diesem Grundsatz darf ohne das Vorliegen besonderer Gründe nur bei einem Ehepaar abgewichen werden, das auch gemeinsam zu Vormündern bestellt werden kann (LG Berlin NJW-RR 88, 1418 [BayObLG 28.01.1988 - BReg. 3 Z 11/88]). Die Norm findet keine Anwendung bei Bestellung eines Gegenvormunds (§ 1792).

 

Rn 2

Die Bestellung mehrerer Vormünder für einzelne Mündel oder verschiedener Vormünder für Geschwister als Mit- oder Gegenvormund (§§ 1797, 1792 III) setzt immer besonderer Gründe voraus, über deren Vorliegen das Gericht in freien Ermessen zu entscheiden hat. In Betracht kommt etwa eine schwierige Vermögensverwaltung oder, Glaubensverschiedenheit von Vormund und Mündel, so dass nur durch die Bestellung eines weiteren Vormunds eine dem Bekenntnis des Mündels entspr Erziehung sichergestellt werden kann (Bay-ObLG FamRZ 66, 323/26). Andere Gründe, wie fehlende juristische Sachkunde beim Amtsvormund (Nürnbg FamRZ 16, 481; aA bei fehlenden ausländerrechtlichen Spezialkenntnissen: Frankf FamRZ 16, 1597), eine vorübergehende Behinderung des Vormunds (BayObLG Rpfleger 76, 399: Ergänzungspflegschaft), seine Überwachung (LG Berlin Rpfleger 70, 91) oder die Vorbereitung seiner Entlassung (BayObLG NJW 70, 1687 [BayObLG 26.06.1970 - BReg. 3 Z 51/70]) genügen für die Bestellung eines Mitvormunds nicht. Ist ein Vormund von den Eltern des Kindes berufen worden (vgl §§ 1776 f), so setzt die Bestellung eines weiteren Vormundes dessen Zustimmung voraus (§ 1778 IV). Haben die Eltern die Bestellung mehrerer Mitvormünder angeordnet (§ 1776) oder ausgeschlossen, so ist das FamG daran nicht gebunden (MüKo/Schwab § 1775 Rz 2). Für die Auswahl und Bestellung von Mitvormündern gelten iÜ die gleichen Regelungen, wie für den Einzelvormund.

 

Rn 3

Sind mehrere Vormünder bestellt, so führen sie die Vormundschaft grds gemeinschaftlich (§ 1791 I). Auf die Bestellung mehrerer Gegenvormünder und Pfleger ist § 1775 entsprechend anzuwenden.

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