Prütting/Wegen/Weinreich, B... / C. Kenntnis von Umständen (Abs 1 S 2).
 

Rn 5

Kenntnis der Umstände erfordert eine objektive Kenntnis von den für die Nichtvaterschaft sprechenden Umstände sowie eine daraus zu gewinnende mögliche Überzeugung von der Nichtvaterschaft; ein ohne Zustimmung eingeholtes privates DNA-Gutachten ist nicht geeignet, die Zweifel an der Vaterschaft zu begründen (Jena FamRZ 12, 1737).

 

Rn 6

Für den Beginn der das minderjährige Kind betreffenden Frist zur Anfechtung der Vaterschaft ist in diesem Fall auf die Kenntnis der Mutter als alleinige gesetzlicher Vertretung abzustellen (Beschl v 2.11.16 – XII ZB 583/15). Nach OLG Nürnberg (FamRZ 18, 356) kommt es auf die Kenntnis eines für das Kind bestellten Ergänzungspflegers an, auch wenn die Mutter und der rechtliche Vater berufen sind, in Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge über das Ob der Vaterschaftsanfechtung zu entscheiden.

 

Rn 7

Für den Scheinvater beginnt die Frist zu laufen, sobald er von Umständen Kenntnis erhält, die gegen die Vaterschaft sprechen. Wann diese Kenntnis vorliegt kann im Einzelfall sehr schwer festzustellen sein. Bei der Beurteilung, wann der die Ehelichkeit eines Kindes anfechtende Mann Kenntnis von den Umständen erlangt, die für die Nichtehelichkeit des Kindes sprechen, kommt es nicht auf seinen Bildungsstand, sondern auf die objektive Sicht eines verständigen Betrachters an (FamRZ 90, 507). Diese Auffassung wird dem Bedürfnis nach einer klaren Erkennbarkeit und leichten Feststellbarkeit des für den Fristbeginn maßgebenden Zeitpunkts gerecht und entspricht dem anzuerkennenden Interesse der Beteiligten an einer alsbaldigen Klarstellung des Familienstandes. Es ist nicht erforderlich, dass die Umstände den Mann bereits von der Nichtehelichkeit des Kindes überzeugen. Vielmehr beginnt die Frist schon mit der Kenntnis eines Sachverhalts, der sachlich die Ehelichkeit ernstlich in Zweifel stellt, also die nicht ganz fernliegende Möglichkeit der nichtehelichen Abstammung begründet. Die Kenntnis des Sachverhalts soll als erster Anstoß genügen, den Mann zu etwaigen Nachforschungen zu veranlassen und sich über die Erhebung der Anfechtungsklage schlüssig zu werden (FamRZ 90, 507 Rz 15).

 

Rn 8

Ein freiwilliger Vaterschaftstest ebenso wie ein solcher nach § 1598a setzt auf jeden Fall die Frist in Lauf – hemmt sie also nicht-, das entsprechende Ergebnis des Tests vorausgesetzt.

 

Rn 9

Aufgrund der gefestigten Rechtsprechung des BGH können keine allgemein gültigen Kriterien aufgestellt werden. Dies zeigt sich besonders deutlich an dem Fall des Mehrverkehrs der Mutter, wenn der Ehemann von der Mutter erfährt, dass der andere Mann nach ärztlicher Feststellung zeugungsunfähig sei (BGH FamRZ 89, 169). Nicht ausreichend für den Beginn der Frist sind vage Zweifel an der Vaterschaft oder Gerüchte (Brandbg FamRZ 18, 517).

 

Rn 10

Für den biologischen Vater beginnt die Frist ab Kenntnis von der Geburt des Kindes, da er von dem Mehrverkehr positive Kenntnisse hat, der Umstand seiner eigenen Vaterschaft muss sich aus dem Zeitmoment aufdrängen. Die Frist muss ggü dem rechtlichen Vater und dem Kind – beide sind Streitgenossen – gewahrt sein (FamRZ 08, 1921).

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