Prütting/Wegen/Weinreich, BGB Kommentar, BGB § 1207 – Verpfändung durch Nichtberechtigten

Gesetzestext

 

Gehört die Sache nicht dem Verpfänder, so finden auf die Verpfändung die für den Erwerb des Eigentums geltenden Vorschriften der §§ 932, 934, 935 entsprechende Anwendung.

A. Normzweck, Inhalt und Anwendungsbereich

 

Rn 1

§ 1207 regelt in Ergänzung der §§ 1205 f, deren Voraussetzungen – vom Eigentum abgesehen – vorliegen müssen, durch Verweisung auf § 932 (s § 932 Rn 1–14) für § 1205 I u § 1206 Alt 1, auf § 934 (s § 934 Rn 1–5) für § 1205 II u § 1206 Alt 2 sowie auf § 935 (s § 935 Rn 1–15) den vertraglichen, gutgläubigen Erwerb vom Nichteigentümer (BGHZ 86, 300, 305). § 933 ist nicht anwendbar, da ein Besitzkonstitut nicht ausreicht (§ 1205 Rn 12). Für gesetzliche BGB-Pfandrechte (§ 1257 Rn 3) u das Pfändungspfandrecht (BGHZ 119, 75, 82 ff) gilt § 1207 nicht.

B. Sonderregelungen

 

Rn 2

§ 366 III HGB lässt gutgläubigen Erwerb bestimmter gesetzlicher HGB-Pfandrechte zu. Nach § 4 I 1 DepotG (Ausn: § 4 II u III) gelten Wertpapiere bei Drittverwahrung unwiderleglich nicht als Eigentum des Zwischenverwahrers, so dass ein Gutglaubenserwerb ausgeschlossen ist (Nobbe/Pamp Rz 4). Vor einem Pfandrecht des Drittverwahrers für Vergütungsansprüche aus der Verwahrung ist der Eigentümer nicht geschützt (§ 4 I 2). Sonderregelungen enthalten auch das SchiffsRG, LuftFzRG, PachtkreditG u das DüngemittelsicherungsG, s dazu Vor § § 1204 Rn 10 ff.

C. Gutgläubigkeit

 

Rn 3

Geschützt wird der gute Glaube (§ 932 II) des Gläubigers an das Eigentum, nach § 366 I HGB auch an die Verfügungsbefugnis des Verpfänders, bei der Vollendung des Erwerbstatbestands. Bei einer aufschiebend bedingten Verpfändung kommt es anders als bei einer solchen für künftige oder bedingte Forderungen (BGHZ 86, 300, 310) jedoch auf den Zeitpunkt der Einigung an (BGHZ 10, 69, 73; 30, 374, 377). Wie bei § 932 gibt es keine allg Erkundigungsobliegenheit etwa nach einer Sicherungsübereignung (BGHZ 86, 300, 311 f). Eine solche besteht jedoch bei konkreten Anhaltspunkten aus der Person des Verpfänders, zB bei kaufmännisch inkorrektem Verhalten (BGH NJW 81, 227, 228 [BGH 22.10.1980 - VIII ZR 259/79]), aus der verpfändeten Ware (BGH aaO), zB bei Verpfändung fabrikneuer, üblicherweise unter Eigentumsvorbehalt gelieferter Ware (RGZ 141, 129, 133; Nürnbg WM 62, 95, 96), oder aus sonstigen Umständen, etwa bei Geschäften außerhalb des gewöhnlichen Geschäftsbetriebs (BGH NJW 99, 425, 426 [BGH 09.11.1998 - II ZR 144/97]) oder in Krisenzeiten. Pfandleihern obliegt besondere Sorgfalt (vgl BGH NJW 82, 38, 39 [BGH 05.10.1981 - VIII ZR 235/80] (zahlreiche Teppiche); Hambg MDR 89, 66, 67; LG Bochum NJW 61, 1971 [LG Bochum 16.06.1961 - 5 S 167/61]; LG Hamburg MDR 58, 690 [LG Hamburg 12.02.1958 - 17 S 369/57]).

 

Rn 4

Eine Kfz-Werkstatt erwirbt ein vertragliches Pfandrecht für die Werklohnforderung aufgrund von AGB grds auch dann gutgläubig, wenn sie sich den Kfz-Brief nicht vorlegen lässt (BGHZ 68, 323, 326; 87, 274, 280; 100, 95, 101; 119, 75, 90; NJW 81, 226 f). Etwas anderes gilt beim Händlerleasing für die mit dem Händler verbundene Werkstatt (Hamm NJOZ 04, 2353, 2354; Weber NJW 05, 2195, 2199 [BGH 07.04.2005 - IX ZR 138/04]).

 

Rn 5

Die Beweislast für Bösgläubigkeit trägt, wer den gutgläubigen Rechtserwerb bestreitet (§ 932 II; BGH NJW 82, 38, 39 [BGH 05.10.1981 - VIII ZR 235/80]; Hamm NJW-RR 14, 1277, 1279 [AG Köln 12.05.2014 - 142 C 600/13]; NK-BGB/Bülow Rz 24). § 367 HGB enthält eine widerlegliche Vermutung für Bösgläubigkeit.

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