OLG Frankfurt am Main 20 W 289/05
 

Leitsatz (amtlich)

1. Die Löschung einer GmbH ist untunlich, wenn zwar die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt wurde, aber absehbar noch Abwicklungsmaßnahmen anstehen, weil die Gesellschaft Eigentümerin eines über die Wertgrenze hinaus belasteten Grundstückes ist, das veräußert oder in sonstiger Weise verwertet werden soll.

2. Ein Guthaben von 3.000 EUR auf einem für die Gesellschaft gehaltenen Treuhandkonto stellt Vermögen dar, das einer Löschung wegen Vermögenslosigkeit entgegen steht.

 

Normenkette

FGG § 141a

 

Verfahrensgang

LG Darmstadt (Beschluss vom 24.05.2005; Aktenzeichen 14 T 13/05)

AG Darmstadt (Beschluss vom 14.03.2005; Aktenzeichen 8 HRB 3831)

 

Tenor

Der angefochtene Beschluss und der Beschluss des AG Darmstadt vom 14.3.2005 werden aufgehoben.

Beschwerdewert: - auch für das Verfahren der Erstbeschwerde 3.000 EUR.

 

Gründe

Die nach §§ 141a Abs. 2 S. 3, 141 Abs. 3, 29 Abs. 2 FGG zulässige weitere Beschwerde führt auch in der Sache zum Erfolg, da die Entscheidung des LG auf einer Verletzung des Rechts beruht (§§ 27 Abs. 1 FGG, 546 ZPO).

Die Voraussetzungen des § 141a Abs. 1 S. 2 FGG, bei deren Vorliegen das Registergericht ohne Einräumung eines Ermessens zur Durchführung der Löschung verpflichtet ist (Keidel/Kuntze/Winkler, FGG, 15. Aufl., § 141a Rz. 11) sind nicht gegeben. Nach dieser Vorschrift ist eine Gesellschaft von Amts wegen zu löschen, wenn das Insolvenzverfahren über ihr Vermögen durchgeführt worden ist und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Gesellschaft noch Vermögen besitzt. Vorliegend wurde jedoch ein Insolvenzverfahren nicht durchgeführt. Vielmehr hat das Insolvenzgericht mit Beschl. v. 11.4.2003 gem. § 26 Abs. 1 S. 1 InsO den vom Geschäftsführer gestellten Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens abgelehnt, weil nach dem Ergebnis des eingeholten Sachverständigengutachtens ein die Kosten des Insolvenzverfahrens deckendes Vermögen nicht vorhanden war.

Des Weiteren kommt auch eine Löschung der Betroffenen nach § 141a Abs. 1 S. 1 FGG nicht in Betracht. Nach dieser Vorschrift kann eine Kapitalgesellschaft wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister gelöscht werden, wenn die von Amts wegen durchzuführenden Ermittlungen (§ 12 FGG) zu der positiven Feststellung geführt haben, dass kein Vermögen mehr vorhanden ist (OLG Düsseldorf v. 13.11.1996 - 3 Wx 494/96, OLGReport Düsseldorf 1997, 113 = GmbHR 1997, 131 = BB 1996, 2617 = ZIP 1997, 201 = DB 1997, 87 = FGPrax 1997, 36 = Rpfleger 1997, 171 = NJW-RR 1997, 80; OLG Frankfurt v. 4.8.1997 - 20 W 359/96, GmbHR 1997, 1004 = OLGReport Frankfurt 1997, 259 = BB 1997, 2077 = NJW-RR 1998, 612; sowie zum neuen Recht OLG Frankfurt, Beschl. v. 13.3.2000 - 20 W 243/99; v. 29.4.2002 - 20 W 48/02). Vermögen im Sinne dieser Vorschrift sind Werte, die ein ordentlicher Kaufmann noch als Aktiva in die Bilanz einstellt (OLG Frankfurt v. 7.8.1992 - 20 W 263/92, OLGZ 1993, 35 = OLGReport Frankfurt 1993, 5 = GmbHR 1992, 618 = DStR 1992, 1331 = DB 1992, 1879 = BB 1992, 1823 = NJW-RR 1992, 1451 = DNotZ 1992, 741 = WM 1992, 1944 = Rpfleger 1993, 115). Hierfür genügt jeder zugunsten der Gläubiger verwertbare Aktivposten. Bereits das Vorhandensein von Vermögen in geringem Umfang steht der Annahme der Vermögenslosigkeit entgegen (OLG Frankfurt v. 7.8.1992 - 20 W 263/92, OLGZ 1993, 35 = OLGReport Frankfurt 1993, 5 = GmbHR 1992, 618 = DStR 1992, 1331 = DB 1992, 1879 = BB 1992, 1823 = NJW-RR 1992, 1451 = DNotZ 1992, 741 = WM 1992, 1944 = Rpfleger 1993, 115; BayObLG v. 20.12.1983 - BReg.3 Z 90/83, GmbHR 1985, 53 = WM 1984, 602 = ZIP 1984, 175 = BB 1984, 315).

Nach allgemeiner Auffassung muss die Prüfung der Voraussetzungen für die Löschung einer Gesellschaft wegen Vermögenslosigkeit unter Ausschöpfung des auch hier anwendbaren Amtsermittlungsgrundsatzes des § 12 FGG besonders sorgfältig erfolgen (OLG Karlsruhe v. 10.8.1999 - 14 Wx 24/99, GmbHR 1999, 1100 [1101]; OLG Düsseldorf v. 13.11.1996 - 3 Wx 494/96, OLGReport Düsseldorf 1997, 113 = GmbHR 1997, 131 = BB 1996, 2617 = ZIP 1997, 201 = DB 1997, 87 = FGPrax 1997, 36 = Rpfleger 1997, 171 = NJW-RR 1997, 80; Baumbach/Hueck, GmbHG, 17. Aufl., § 77 Anh. Rz. 9; Rowedder/Rasner, GmbHG, 3. Aufl., Anh. § 60 Rz. 11; Scholz/Schmidt, GmbHG, 8. Aufl., Anh. § 60 Rz. 14; Lutter/Hommelhoff, GmbHG, 15. Aufl., § 60 Rz. 15; Keidel/Kuntze/Winkler, FGG, 15. Aufl., § 141a Rz. 8, jeweils m.w.N.).

Es kann dahinstehen, ob das formal noch im Eigentum der Betroffenen stehende Grundstück -straße - in O1 trotz der über die Wertgrenze hinausgehenden eingetragenen Belastung als Vermögen i.S.d. § 141a Abs. 1 FGG angesehen werden kann (OLG Düsseldorf v. 13.11.1996 - 3 Wx 494/96, OLGReport Düsseldorf 1997, 113 = GmbHR 1997, 131 = BB 1996, 2617 = ZIP 1997, 201 = DB 1997, 87 = FGPrax 1997, 36 = Rpfleger 1997, 171 = NJW-RR 1997, 80; OLG Frankfurt v. 4.8.1997 - 20 W 359/96, GmbHR 1997, 1004 = OLGReport Frankfurt 1997, 259 = BB 1997, 2077 = NJW-RR 1998, 612). Denn jedenfalls ist die Löschung der Betroffenen im vorliegenden Falle derzeit desh...

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