Niedenführ/Schmidt-Räntsch/... / II. Anspruch auf Wiederaufbau
 

Rz. 219

Liegt eine Verpflichtung zum Wiederaufbau vor, kann jeder Wohnungseigentümer den Wiederaufbau des gemeinschaftlichen Eigentums verlangen (§ 21 Abs. 4), und er kann mit einfacher Mehrheit beschlossen werden (§ 21 Abs. 3). Eine Pflicht, Sondereigentum wieder aufzubauen, ergibt sich nicht aus § 21 Abs. 3, 4 i.V.m. § 22 Abs. 4, die nur die Verwaltung des gemeinschaftlichen Eigentums behandeln. Sie kann aber unter den Voraussetzungen des § 14 Nr. 1 bestehen.[685] Das gemeinschaftliche Eigentum ist in dem Zustand wieder aufzubauen, der vor der Zerstörung bestand. Wird ein davon abweichender Zustand erstrebt, kann dies unter den Voraussetzungen von § 22 Abs. 1, 2 beschlossen werden.[686] Allerdings gelten auch hier die Grundsätze zur modernisierenden Instandsetzung (vgl. § 21 Rdn 96).

 

Rz. 220

Liegt keine Verpflichtung zum Wiederaufbau vor, kann ein einzelner Wohnungseigentümer diesen nicht verlangen. Ein Wiederaufbau kann in diesem Fall nur mit Zustimmung aller Wohnungseigentümer beschlossen werden, sofern die Teilungserklärung oder eine Vereinbarung nichts anderes regelt. Besteht keine Verpflichtung zum Wiederaufbau, kann die Teilungserklärung die Möglichkeit der Aufhebung der Gemeinschaft vorsehen (§ 11 Abs. 1 S. 3).

 

Rz. 221

Ansonsten bleibt sowohl die Gemeinschaft als auch das Wohnungseigentumsrecht als solches bestehen, es sei denn die Wohnungseigentümer vereinbaren nach der Zerstörung die Aufhebung der Gemeinschaft. Auch ohne Regelung in der Teilungserklärung kann aber ein Anspruch auf Aufhebung der Gemeinschaft gemäß § 21 Abs. 4 dann gegeben sein (und mit Mehrheit beschlossen werden), wenn dies ordnungsgemäßer Verwaltung entspricht.[687] Davon ist regelmäßig dann auszugehen, wenn das Gebäude zerstört ist und eine Wiederaufbaupflicht nicht besteht. Denn ohne eine Pflicht zum Wiederaufbau ist der Fortbestand des "zerstörten" Wohnungseigentumsrechtes auf Dauer sinnlos.

[685] Bärmann/Merle, § 22 Rn 382.
[686] OLG Köln 16 Wx 113/88, ZMR 1989, 384.
[687] § 21 Abs. 3; vgl. Bärmann/Merle, § 22 Rn 386.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge