Niedenführ/Schmidt-Räntsch/... / I. § 16 Abs. 1 S. 2 (Miteigentumsanteile)
 

Rz. 3

Nach § 16 Abs. 1 richtet sich die Verteilung der Nutzungen (siehe dazu Rdn 39) nach dem Verhältnis der Miteigentumsanteile. Maßgeblich ist das nach § 47 GBO im Wohnungsgrundbuch eingetragene Verhältnis der Anteile. Gemäß § 16 Abs. 2, der ausdrücklich auf § 16 Abs. 1 S. 2 verweist, gilt der gleiche Verteilungsschlüssel für die Verteilung der Lasten des gemeinschaftliches Eigentums (siehe dazu Rdn 44), der Kosten der Instandhaltung, Instandsetzung (siehe dazu Rdn 133), der sonstigen Verwaltung (siehe dazu Rdn 101) und eines gemeinschaftlichen Gebrauchs des gemeinschaftlichen Eigentums (siehe dazu Rdn 105). Diese Regelung wiederholt damit für das Wohnungseigentum den in §§ 743 Abs. 1, 748 BGB enthaltenen Grundsatz.

 

Rz. 4

Die Größe des Miteigentumsanteils bestimmt das Gesetz nicht.[4] In der Regel wird dieser Anteil sich nach der Wohnungsgröße richten, jedoch sind die Miteigentümer bei der Festsetzung der Anteile frei. Sie können andere Maßstäbe bei der Einteilung zugrunde legen. Diese können sich z.B. aus Lage und Beschaffenheit des einzelnen Wohnungseigentums ergeben. So kann unabhängig von der Größe etwa eine Penthousewohnung einer Hochhausanlage wegen ihrer Lage (keine Einsicht von Nachbarn, gute Aussicht, Sonneneinfall, Dachterrasse) höher zu bewerten sein als eine im Erdgeschoss gelegene Wohnung. Wiederum unabhängig von der Größe der Wohnfläche können Wohnungen mit Balkonen oder Terrassen höher zu bewerten sein als Wohnungen ohne diese Einrichtungen. Immer jedoch wird die Bewertung einer subjektiven Einschätzung unterliegen, allgemeingültige Maßstäbe gibt es nicht.

 

Rz. 5

Sittenwidrig kann es sein, wenn der teilende Eigentümer einzelnen Eigentümern eine geringere Belastung verschaffen will und deshalb die Miteigentumsanteile so festlegt, dass sie von den ihm bekannten tatsächlichen Wertverhältnissen abweichen, die laut Teilungserklärung maßgeblich sein sollen.[5] Besteht eine Anlage aus Eigentumswohnungen und einem Teileigentum Tiefgarage mit 6417/100 000 Miteigentumsanteilen, das im Bruchteilseigentum eines Teils der Wohnungseigentümer steht, kann für die Abrechnung von Kosten, die sowohl von Wohnungs- und Garageneigentümern anteilig zu tragen sind, bei Wohnungseigentümern, die Miteigentümer der Tiefgarage sind, das Bruchteilseigentum von 1/207 in einen fiktiven Miteigentumsanteil von 31/100 000 umgerechnet werden.[6]

 

Rz. 6

Eine Änderung der Miteigentumsanteile ist erst ab dem Zeitpunkt der Eintragung im Grundbuch zu berücksichtigen.[7] Ein Anspruch auf Abänderung der Miteigentumsanteile kann sich zwar grundsätzlich aus § 10 Abs. 2 S. 3 ergeben, doch ist dies dann nicht gerechtfertigt, wenn durch eine Abänderung des Kostenverteilungsschlüssels die Unbilligkeit behoben werden kann. Zum Anspruch auf Änderung des Verteilungsschlüssels siehe Rdn 161 ff.[8]

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