Niedenführ/Schmidt-Räntsch/... / b) Informationspflichten
 

Rz. 23

Der Verwalter muss die Wohnungseigentümer über die von ihm getroffenen Feststellungen umfassend informieren. Zur Erfüllung dieser Pflichten ist der Verwalter berechtigt, Fotografien des Gemeinschaftseigentums herzustellen und in der Eigentümerversammlung zu zeigen, soweit dadurch im Einzelfall nicht in das allgemeine Persönlichkeitsrecht von Wohnungseigentümern eingegriffen wird.[43] Ermöglichen die vom Dach eines anderen Hauses aus gefertigten Fotografien einen gezielten Einblick in den üblicherweise von der Einsichtnahme durch Dritte ausgeschlossenen Sauna- und Wohnbereich, dürfen sie nicht ohne Einwilligung gefertigt werden.[44] Der Verwalter handelt pflichtwidrig, wenn er die Wohnungseigentümer nicht über einen Besichtigungsbericht eines Architekten informiert, aus dem hervorgeht, dass ein Schaden durch Schwammbefall verursacht sein könnte und eine dringende Prüfung durch Fachleute erfolgen müsse.[45]

Der Verwalter ist verpflichtet, die Wohnungseigentümer im Zusammenhang mit Maßnahmen der Instandhaltung darauf hinzuweisen, dass öffentliche Förderungsmöglichkeiten in Betracht kommen könnten und dass die Möglichkeit besteht, einen Fördermittelberater in Anspruch zu nehmen.[46] Zu einer weitergehenden Fördermittelberatung ist der Verwalter nur dann verpflichtet, wenn er diese Pflicht vertraglich übernommen hat.[47] Eine Fördermittelberatung durch den Verwalter gehört zu den gemäß § 5 Abs. 2 Nr. 2 RDG erlaubten Nebenleistungen der Verwaltertätigkeit und verstößt daher nicht gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz.[48] Berät der Verwalter, ohne dazu verpflichtet zu sein, haftet er im Falle einer Falschberatung.[49]

Zu den Pflichten des Verwalters – auch des Bauträger-Verwalters – gehört auch die Überprüfung des Gebäudes auf Baumängel innerhalb des Laufs der Verjährungsfrist.[50]

[43] Vgl. dazu AG Köln 202 C 15/08, NZM 2009, 133 im Grundsatz bestätigt durch LG Köln 29 S 67/08, NZM 2009, 283.
[44] LG Köln 29 S 67/08, NZM 2009, 283.
[45] LG Hamburg 318 T 12/08, ZMR 2011, 499, 501.
[46] Dötsch, ZWE 2015, 79, 83.
[47] Dötsch, ZWE 2015, 79, 82 f.; Bärmann/Becker, § 27 Rn 50a; J.-H. Schmidt, ZWE 2014, 440, 443 a.A. LG Mönchengladbach 5 T 51/06, NZM 2007, 417; Reiß-Fechter, ZWE 2004, 346; Mohr, DIV 2013, 18.
[48] Dötsch, ZWE 2015, 79; Bärmann/Becker, § 27 Rn 50a; im Ergebnis ebenso J.-H. Schmidt, ZWE 2014, 440; a.A. AG Oberhausen 34 C 79/12, ZMR 2013, 669.
[49] Dötsch, ZWE 2015, 79, 82; Bärmann/Becker, § 27 Rn 50a.
[50] OLG München 32 Wx 79/08, NZM 2008, 895.

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