Nächtlicher Sturz eines Joggers auf schlecht asphaltiertem Gehweg: Keine Haftung der Baufirma

Der Fall mit dem Fall

Schon Winston Churchill wusste: Sport ist Mord! Jedenfalls ist dieser durchaus mit Risiken behaftet, für die der Sportler meist selber einstehen muss. Zu dieser Einschätzung kommt das OLG Saarbrücken in einem Fall, bei dem es um den Sturz einer Joggerin ging. Sie war an einem Novemberabend auf einem frisch asphaltierten Gehweg in eine Vertiefung getreten und zu Fall gekommen. Die beklagte Baufirma hatte eine Fläche in einer Größe von 68x 135 cm auf dem Bürgersteig geöffnet und anschließend mit Splitt aufgefüllt. Über eine Breite von 36 cm von der Bordsteinkante aus und über die gesamte Länge von 135 cm ist der Splitt fast eben mit dem geteerten Bordstein. Die weiteren 32 cm zu dem angrenzenden Anwesen steigen keilförmig von 0-1,5 bis 2 bzw. 2,5 cm an. Das beklagte Unternehmen hatte vergessen, den Gehweg wieder ordnungsgemäß mit einer Asphaltdecke zu verschließen. Wegen der bei dem Sturz erlittenen erheblichen Verletzungen nahm die Joggerin die Baufirma auf Schadensersatz in Anspruch – doch in beiden Instanzen erfolglos.

Nachts gesteigertes Sturzrisiko

Das Gericht verneint eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht und betont die Eigenverantwortung der Sportler: Das Joggen in Dunkelheit auf einem Gehweg, der keine einheitliche Oberflächenbeschaffenheit aufweist, sei zwar ein weit verbreitetes und legitimes Vorgehen, erfordere aber wegen der eingeschränkten Sicht und Reaktionsmöglichkeit eine gesteigerte Sorgfaltspflicht. Bei optisch wahrnehmbaren Belagsunterschieden müsse er mit Unebenheiten rechnen und diese aufgrund eines gesteigerten Sturzrisikos umlaufen bzw. sich diesen mit erhöhter Sorgfalt nähern.

Mitver­schulden

Jedenfalls – so das Gericht mit einer Hilfserwägung – überwiege das Eigenverschulden der Klägerin und der von ihr gesetzte Ursachenbeitrag nach den konkreten Umständen des Falls derart, dass eine Haftung der Beklagten dahinter zurücktrete (§ 254 BGB).

(OLG Saarbrücken, Urteil v. 5.8.2015, 1 U 31/15, NJW-RR 2015 S. 1509)

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