Überblick

AG Neustadt/Rübenberge, Urteil v. 1.8.2017, 40 C 330/17

Der Mieter eines Altenteilerhauses hatte Mäuse in der Zwischendecke. Die waren hauptsächlich in der Nacht aktiv und sorgten für mannigfaltige Geräusche und Unannehmlichkeiten.

Beispielsweise fanden sich in den Ecken der Decke immer wieder Flüssigkeiten: nämlich Mäuse-Urin. Bereits 6-mal kam ein Schädlingsbekämpfer wegen der Mäuseplage vorbei. Das nutzte aber nichts, denn kurz danach kamen die Mäuse wieder. Deswegen minderte der Mieter die Miete um 6,5 % (50 EUR pro Monat).

Sein Vermieter ließ daraufhin gerichtlich klären, ob der Mieter zur Mietminderung berechtigt war. Das Gericht stellte fest, dass Mäuse in den Zwischendecken einen Mangel i. S. d. § 536 Abs. 1 BGB darstellten.

Mäuse in den Zwischenwänden berechtigen zur Mietminderung

Mäuse (und Ratten) im Haus beeinträchtigen den Nutz- und Wohnwert einer Mietsache. Das ständige Krabbeln und Kratzen in der Decke störte die Mieter bei ihrer Nachtruhe.

Der Mäuse-Urin in der Zwischendecke sorgte zudem für eine Geruchsbelästigung. Die Exkremente, die sich sogar teilweise in der Wohnung fanden, waren zudem mehr als nur unhygienisch.

Hinzu kam erschwerend, dass von Mäusen auch eine gewisse Gesundheitsgefahr ausgeht.

Eine Mietminderung erfordert kein Verschulden des Vermieters

Der Vermieter ist für das Auftreten der Mäuse zwar nicht verantwortlich. Allerdings spielt dies für eine Mietminderung keine Rolle. Denn rechtlich ist kein Verschulden des Vermieters erforderlich.

Deswegen nutzte es dem Vermieter auch nichts, dass er gleich mehrfach einen Schädlingsbekämpfer beauftragt hatte. Rechtlich ist der Vermieter aufgefordert, dass er immer wieder tätig werden muss, wenn Mäusebefall auftritt.

Der Vermieter muss dem Mieter einen vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache gewähren – und dazu gehören auch "mausfreie" Mieträume.

Vermieter sollten beim Auftauchen von Mängeln sofort aktiv werden

Taucht Ungeziefer wie z. B. Mäuse oder Ratten auf, muss der Vermieter deswegen unverzüglich tätig werden.

Im Streitfall verteidigte sich der Vermieter gegen die Mietminderung seines Mieters, dass die Mäuse nur deswegen nach der Aktion des Schädlingsbekämpfers wieder aufgetreten wären, weil sich der Mieter nachlässig verhalten hätte: Er hätte die Tür für längere Zeit offen stehen lassen, sodass die Mäuse wieder ins Haus gelangen konnten.

Diese Behauptung beurteilte das Gericht als lebensfremd und gestand dem Mieter eine Mietminderung von 6,5 % zu.

AG Neustadt/Rübenberge, Urteil v. 1.8.2017, 40 C 330/17

 
Praxis-Tipp

Bei Mängeln müssen Sie unverzüglich handeln!

Als Vermieter sind Sie verpflichtet, dem Mieter den vertragsgemäßen Gebrauch der Mietsache zu gewährleisten (§ 535 BGB). Deswegen müssen Sie unverzüglich tätig werden, wenn Mängel auftreten.

Dazu gehört auch, einen Schädlingsbekämpfer mehrfach zu beauftragen. Die damit verbundenen Kosten müssen Sie als Vermieter tragen, sofern Sie nicht nachweisen können, dass der Ungezieferbefall vom Mieter verursacht wurde.

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