Mediationsgesetz: Konsequen... / 4.2 Zertifizierter Mediator

Das Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) hat am 21.8.2016 die ZMediatAusbV (§ 6 MediationsG) erlassen. Sie ist am 1.9.2017 in Kraft getreten. Die Zertifizierung ist sehr detailliert geregelt. Wunsch des Gesetzgebers war es ein Gütesiegel zu schaffen. Dass das gelungen ist, wird sehr bezweifelt (siehe 4.2.5.)

Die Ausbildung zum zertifizierten Mediator setzt sich zusammen aus

Ist beides erfolgreich absolviert, wird eine Bescheinigung hierüber ausgestellt (§ 2 Abs. 6 ZMediatAusbV).

Hat jemand gleichwertige Qualifikationen im Ausland erworben, darf er sich auch zertifizierter Mediator nennen. Der zeitliche Umfang einer solchen Ausbildung muss mindestens 90 Zeitstunden betragen. Im Anschluss müssen mindestens vier Mediationen als Mediator oder Co-Mediator durchgeführt worden sein (§ 6 ZMediatAusbV).

 

Hinweis

Jeder kann Mediator werden

Eine Grundqualifikation in Form eines berufsqualifizierenden Abschlusses muss nicht hinzukommen. D.h. auch Personen, die überhaupt keine Schulausbildung oder berufliche Bildung haben, können sich zu zertifizierten Mediatoren ausbilden lassen.

4.2.1 Ausbildungsinhalte (insgesamt 120 Präsenzzeitstunden)

  1. Einführung und Grundlagen der Mediation (18 Stunden)

    1. Grundlagen der Mediation

      aa) Überblick über Prinzipien, Verfahrensablauf und Phasen der Mediation
      bb) Überblick über Kommunikations- und Arbeitstechniken in der Mediation
    2. Abgrenzung der Mediation zum streitigen Verfahren und zu anderen alternativen Konfliktbeilegungsverfahren
    3. Überblick über die Anwendungsfelder der Mediation
  2. Ablauf und Rahmenbedingungen der Mediation (30 Stunden)

    1. Einzelheiten zu den Phasen der Mediation

      aa) Mediationsvertrag
      bb) Stoffsammlung
      cc) Interessenerforschung
      dd) Sammlung und Bewertung von Optionen
      ee) Abschlussvereinbarung
    2. Besonderheiten unterschiedlicher Settings in der Mediation

      aa) Einzelgespräche
      bb) Co-/Teammediation, Mehrparteienmediation, Shuttle-Mediation
      cc) Einbeziehung Dritter
    3. weitere Rahmenbedingungen

      aa) Vor- und Nachbereitung von Mediationsverfahren
      bb) Dokumentation/Protokollführung
  3. Verhandlungstechniken und -kompetenz (12 Stunden)

    1. Grundlagen der Verhandlungsanalyse
    2. Verhandlungsführung und Verhandlungsmanagement: intuitives Verhandeln, Verhandlung nach dem Harvard-Konzept/integrative Verhandlungstechniken, distributive Verhandlungstechniken
  4. Gesprächsführung, Kommunikationstechniken (18 Stunden)

    1. Grundlagen der Kommunikation
    2. Kommunikationstechniken (z. B. aktives Zuhören, Paraphrasieren, Fragetechniken, Verbalisieren, Reframing, verbale und nonverbale Kommunikation)
    3. Techniken zur Entwicklung und Bewertung von Lösungen (z. B. Brainstorming, Mindmapping, sonstige Kreativitätstechniken, Risikoanalyse)
    4. Visualisierungs- und Moderationstechniken
    5. Umgang mit schwierigen Situationen (z. B. Blockaden, Widerstände, Eskalationen, Machtungleichgewichte)
  5. Konfliktkompetenz (12 Stunden)

    1. Konflikttheorie (Konfliktfaktoren, Konfliktdynamik und Konfliktanalyse; Eskalationsstufen; Konflikttypen)
    2. Erkennen von Konfliktdynamiken
    3. Interventionstechniken
  6. Recht der Mediation (6 Stunden)

    1. Rechtliche Rahmenbedingungen: Mediatorvertrag, Berufsrecht, Verschwiegenheit, Vergütungsfragen, Haftung und Versicherung
    2. Einbettung in das Recht des jeweiligen Grundberufs
    3. Grundzüge des Rechtsdienstleistungsgesetzes
  7. Recht in der Mediation (12 Stunden)

    1. Rolle des Rechts in der Mediation
    2. Abgrenzung von zulässiger rechtlicher Information und unzulässiger Rechtsberatung in der Mediation durch den Mediator
    3. Rolle des Mediators in Abgrenzung zu den Aufgaben des Parteianwalts
    4. Sensibilisierung für das Erkennen von rechtlich relevanten Sachverhalten bzw. von Situationen, in denen den Medianden die Inanspruchnahme externer rechtlicher Beratung zu empfehlen ist, um eine informierte Entscheidung zu treffen
    5. Mitwirkung externer Berater in der Mediation
    6. Rechtliche Besonderheiten der Mitwirkung des Mediators bei der Abschlussvereinbarung
    7. Rechtliche Bedeutung und Durchsetzbarkeit der Abschlussvereinbarung unter Berücksichtigung der Vollstreckbarkeit
  8. Persönliche Kompetenz, Haltung und Rollenverständnis (12 Stunden)

    1. Rollendefinition, Rollenkonflikte
    2. Aufgabe und Selbstverständnis des Mediators (insbesondere Wertschätzung, Respekt und innere Haltung)
    3. Allparteilichkeit, Neutralität und professionelle Distanz zu den Medianden und zum Konflikt
    4. Macht und Fairness in der Mediation
    5. Umgang mit eigenen Gefühlen
    6. Selbstreflexion (z. B. Bewusstheit über die eigenen Grenzen aufgrund der beruflichen Prägung und Sozialisation)

4.2.2 Einzelsupervision

Innerhalb eines Jahres nach Abschluss des Ausbildungslehrgangs muss eine Einzelsupervision durchgeführt werden. Diese kann als Mediator oder als Co-Mediator erfolgen. Was genau eine Supervision ist und wie sie ablaufen soll, klärt die ZMediatAusbV nicht. Sie wird als Fallreflexion des Mediators zusammen mit einem Ausbilder verstanden, im Rahmen derer ausgewertet wird, wie sich die Konfliktparteien verhalten haben, wie das Mediationsgespräch verlaufen ist und ...

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