Leitungswasserschaden im Bad – Streit über Einrichtungen der Zu- und Ableitungsrohre

Bestimmungswidriger Leitungswasseraustritt

Dringt Wasser in einer Dusch- oder Wannenecke eines Hauses durch die Wand, so handelt es sich laut einem Urteil des OLG Schleswig-Holstein in der Regel um einen bestimmungswidrigen und unmittelbaren Austritt von Leitungswasser aus mit den Zu- oder Ableitungsrohren der Wasserversorgung verbundenen Einrichtungen und somit um einen gedeckten Leitungswasserschaden.

Nasse Wand

Der Kläger hatte bei der Beklagten unter anderem eine Leitungswasserversicherung abgeschlossen. Anlässlich von Renovierungsarbeiten in dem im Erdgeschoss seines Hauses befindlichen Badezimmer bemerkte er beim Abschlagen der wandhohen Fliesen im Bereich der Badewanne Nässeschäden in der Wand. Ursache war offensichtlich ein altersbedingter Verschleiß einer dauerelastischen Fuge.

Versicherer verweigert Deckung

Der Gebäudeversicherer verneinte das Vorliegen eines ersatzpflichtigen Leitungswasserschadens. Er ging von einem nicht versicherten Schaden durch Spritz- und Planschwasser aus. Die verschlissene Silikonfuge habe nicht die Ursache für die Durchfeuchtung der Wand sein können. Denn diese habe sich 30 bis 40 Zentimeter oberhalb des Wannenrandes befunden.

Gericht anderer Auffassung

Das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht war anderer Auffassung. Denn für die Frage des Versicherungsschutzes sei es nicht entscheidend, ob das Wasser durch die verschlissene Silikonfuge zwischen dem Badewannenrand und der Fliesenunterkante in die Wand eingedrungen oder durch die möglicherweise schon recht alten Fliesen in die Wand gelangt sei. Bei einer Badewanne handle es sich nämlich ebenso wie bei einer Dusche um eine mit dem Rohrsystem verbundene Einrichtung, die in den Versicherungsschutz einer Leitungswasserversicherung einbezogen sei.

Erwartungshorizont des Versicherten maßgeblich

Ein durchschnittlicher Versicherter dürfe davon ausgehen, dass die Versicherung vor allen Gefahren schützen soll, die für sein Haus dadurch geschaffen werden, dass in diesem für die täglichen Bedürfnisse Wasser benutzt wird. Dies gelte für Wasser, das in Zuleitungen einer Verbrauchsstelle zugeführt und in Ableitungen von dort wieder weggeführt wird.

Dusche und Wanne als Teil der "Einrichtung"

Folglich seien nicht nur die Zu- und Ableitungsrohre selbst in die Deckung einbezogen, sondern die Gesamtheit einer Dusche mit Kabine beziehungsweise einer Badewanne mit gefliesten Wänden. Diese seien als eine mit den Zu- beziehungsweise Ableitungsrohren der Wasserversorgung verbundene Einrichtung im Sinne der Versicherungsbedingungen zu verstehen.

(OLG Schleswig, Urteil v. 11.6.2015, 16 U 15/15)

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