Keine Haftung des Schwimmbadbetreibers für Unfall unter dem Sprungturm

Auch Schlechtes kommt von oben

Der Kläger hatte in dem von der beklagten Stadt betriebenen Schwimmbad eine schwere Verletzung am linken Arm erlitten. Er trug vor, dass er unterhalb des Sprungturmes geschwommen sei, als eine unbekannte Person vom 10-Meter-Sprungturm auf ihn gesprungen sei. Infolgedessen habe er schwere Verletzungen davongetragen. Diese Person konnte trotz eines Aufrufes in den Medien nicht ausfindig gemacht werden. Der Kläger war der Auffassung, dass die Beklagte den Unfall hätte vermeiden können, wenn ein Bademeister auf dem Sprungturm gestanden und die Sprünge kontrolliert hätte. Er erhob Klage und verlangte von der Beklagten u. a. ein Schmerzensgeld in Höhe von 100.000 EUR. Das Landgericht hat die Klage nach umfangreicher Beweisaufnahme abgewiesen. Auch die Berufung blieb ohne Erfolg.

Keine "Rundum"-Aufsicht möglich

Nach Auffassung des OLG Nürnberg ergibt sich, selbst wenn man den Vortrag des Klägers zum Unfallhergang zugrunde legt, keine Haftung der Beklagten, da diese nicht gegen ihre Verkehrssicherungspflichten verstoßen hat. Eine lückenlose Aufsicht jedes einzelnen Badegastes in Schwimmbädern sei weder üblich noch zumutbar und auch nach ständiger Rechtsprechung nicht erforderlich. Dies gelte auch für die Aufsicht an besonderen Einrichtungen des Schwimmbades, etwa an einem Sprungturm. Dort habe eine Aufsichtsperson gestanden und immer nur einen Badegast auf den Sprungturm gelassen und auch die Abstände der Sprünge kontrolliert. Zudem habe die Beklagte in einer gut sichtbar angebrachten Benutzungsordnung darauf hingewiesen, dass sich die Badegäste vor dem Absprung vergewissern müssen, dass das Sprungbecken frei sei. Eine jeweils gesonderte Freigabe jedes einzelnen Sprungs durch die Beklagte habe nicht erfolgen müssen.

(OLG Nürnberg, 25.4.2018, 4 U 1455/17)

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