Für die Leistungspflicht einer auf den VGB 88 beruhenden Gebäudeversicherung ist laut OLG Hamm nicht entscheidend, ob ein Baum zeitlich unmittelbar durch den Sturm auf das versicherte Gebäude gestürzt ist.

6 Tage nach einem Sturmereignis der Windstärke 8 stürzte ein Baum auf das versicherte Gebäude des Klägers. In den der Gebäudeversicherung zugrunde liegenden VGB 88 hieß es:

Definition "Sturm"

Sturm ist eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8. Versichert sind nur Schäden, die entstehen durch unmittelbare Einwirkung des Sturms auf versicherte Sachen, …dadurch, dass der Sturm Gebäudeteile, Bäume oder andere Gegenstände auf versicherte Sachen wirft, …als "Folge eines Sturmschadens an versicherten Sachen".

Versicherer verweigert Zahlung

Versicherungsfall bejaht

Der beklagte Versicherer lehnte es ab, den Schaden am Gebäude des Klägers zu regulieren. Er meinte, der am Gebäude des Klägers entstandene Schaden sei nicht durch eine unmittelbare Einwirkung des Sturms auf versicherte Sachen entstanden, da seit dem Sturm und dem Umfallen des Baums immerhin 6 Tage vergangen seien.

Das OLG Hamm gab dem Kläger Recht. Es habe ein Versicherungsfall i. S. d. VGB 88 vorgelegen und dem Kläger stehe insoweit ein Anspruch auf Ersatz der durch den Sturm verursachten Schäden zu.

Windstärke 8

Unstreitig habe einige Tage vor dem Umstürzen des Baums eine wetterbedingte Luftbewegung von mindestens Windstärke 8 geherrscht. Der Sturm habe den später umgestürzten Baum auch entwurzelt, was dazu geführt habe, dass der Baum auf das Haus des Klägers gefallen sei.

Sturm ursächlich

Dass dies nicht zeitlich unmittelbar nach dem Sturm geschehen war, sondern dass der Baum, der aufgrund des Sturms seine Standfestigkeit verloren hatte, erst um einige Tage zeitverzögert auf das Dach des versicherten Gebäudes gefallen war, änderte nichts an der Eintrittspflicht des Versicherers. Entscheidend war, dass der Baum ursächlich durch den Sturm auf das Haus des Klägers geworfen worden war.

Unter Berücksichtigung der höchstrichterlichen Maßstäbe zur Auslegung von AVB war davon auszugehen, dass ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer die Regelung in den VGB 88 so verstehen muss, dass ein versicherter Sturmschaden jedenfalls dann vorliegt, wenn ein Sturm die maßgebliche Ursache dafür gesetzt hat, dass Bäume etc. auf eine versicherte Sache fallen und hierdurch einen Schaden verursachen.

Nicht entscheidend ist, ob die Gegenstände zeitlich unmittelbar durch den Sturm auf das versicherte Gebäude geworfen werden, wenn jedenfalls zwischen das Kausalereignis "Sturm" und den Erfolg "auf das Gebäude geworfen werden" keine weitere Ursache tritt, d. h. wenn der Sturm die zeitlich letzte Ursache des versicherten Ereignisses ist.

Sachverstän­digengut­achten

Im vorliegenden Fall war für das Umstürzen des Baums nach dem Ergebnis eines Sachverständigengutachtens nicht ein weiteres Naturereignis verantwortlich. Das Umstürzen beruhte vielmehr auf den unmittelbaren Auswirkungen des 6 Tage zurückliegenden Sturms.

(OLG Hamm, Urteil v. 25.9.2017, 6 U 191/15)

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