Feuchtigkeit in der Wohnung / 3 Wohnverhalten und bauliche Gegebenheiten
 

Wichtig

Ausreichendes Stoßlüften am Tag

Ein ausreichendes Lüften der Wohnung setzt jedenfalls mindestens 3-maliges Stoßlüften täglich voraus, d. h., der Mieter muss die Wohnung 2-mal morgens und 1-mal abends querlüften.

Zur Frage der vertragsgemäßen Beheizung und Belüftung der Mietwohnung wurde vom LG München I ausgeführt, inwieweit der Mieter verpflichtet ist, sein Heizungs- und Lüftungsverhalten den baulichen Gegebenheiten anzupassen und damit Schäden, insbesondere Schimmelbildung, zu vermeiden. Dieser Entscheidung lag der häufige Sachverhalt des Austauschs alter Fenster mit einfacher Verglasung durch besonders dicht schließende Fenster mit Isolierverglasung zugrunde. Der Einbau solcher Fenster in bestehende Gebäude hat nicht nur die unstreitigen Vorzüge einer verbesserten Wärme- und Geräuschisolierung zur Folge, sondern auch den Wegfall des Luftaustauschs durch die geringfügige Undichtigkeit der alten Fenster, sodass die im Raum entstehende Feuchtigkeit ohne aktives Tun des Bewohners – durch entsprechendes Heizen und Lüften – nicht abgeführt werden kann.

 

Achtung

50 Liter Feuchtigkeit pro Mietbewohner im Monat und der Tauwasserpunkt

Feuchtigkeit in den Räumen entsteht nicht nur in Form von Wasserdampf beim Waschen, Baden oder Duschen, sondern auch durch Pflanzen in der Wohnung sowie durch die Bewohner selbst. Untersuchungen haben ergeben, dass jede Person pro Monat ca. 50 Liter Feuchtigkeit in die Raumluft abgibt. Diese Feuchtigkeit schlägt sich nach bauphysikalischen Erkenntnissen über die Bildung von Tauwasserpunkten immer an der kältesten Stelle des Raums nieder. Nach Einbau von isolierverglasten Fenstern ist diese kälteste Stelle nicht mehr das Fenster, sondern eine Mauer, i. d. R. eine Außenmauer, die jetzt eine schlechtere Wärmeisolierung als die Fenster aufweist. Dies hat zur Folge, dass sich die im Raum entstehende Feuchtigkeit an dieser Mauer niederschlägt und bei unzureichendem Heizen oder Lüften zu Schimmelbildung führt.

Die Frage nach der Pflicht des Mieters im Anschluss an vom Vermieter durchgeführte Maßnahmen (z. B. nach Einbau von dicht schließenden Fenstern), sein Heizungs- und Lüftungsverhalten zu ändern und den jetzt fehlenden natürlichen Luftaustausch durch verstärktes Heizen und Lüften auszugleichen, wird unterschiedlich beantwortet:

Die ältere Rechtsprechung und Literatur verneint dies mit dem Argument, dass es grundsätzlich Sache des Vermieters sei, dafür Sorge zu tragen, Folgeerscheinungen von Maßnahmen, die von ihm selbst durchgeführt wurden, notfalls durch weitere Maßnahmen (z. B. Wärmedämmung der Außenmauer) zu verhindern. Dies erscheint unrichtig und wird von der neueren Rechtsprechung überwiegend abgelehnt.

 

Hinweis

Heizen und Lüften zumutbar

Nachdem das Entstehen von Schwitzwasser mit der Folge der Schimmelbildung nach dem Einbau dicht schließender Fenster bauseits i. d. R. nur durch Anbringen eines mit hohen Kosten verbundenen Vollwärmeschutzes zu unterbinden ist, der Mieter diese unerwünschte Folge aber bereits durch entsprechendes Heizen und Lüften und somit mit geringem Aufwand verhindern kann, ist ihm dies nach dem Einbau von neuen Fenstern durchaus zuzumuten.

Der nachträgliche Einbau von Isolierglasfenstern kann daher selbst dann nicht für Feuchtigkeitsschäden verantwortlich gemacht werden, wenn die Wärmedämmung des Anwesens nicht den Anforderungen der Energieeinsparverordnung entspricht. Bei älteren Anwesen kann der Mieter nämlich nicht erwarten, dass die Wärmedämmung des Hauses den bei Vertragsschluss geltenden Maßstäben für Neubauten entspricht. Vielmehr gelten die zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes geltenden Standards als vereinbarte Beschaffenheit.

 

Praxis-Beispiel

1960 errichtetes Gebäude

Eine nur 24 cm dicke Außenwand entspricht dem Stand der Technik bei in den 1960er Jahren errichteten Gebäuden.

Bei solchen Gebäuden führt auch nicht erst der Einbau von dicht schließenden Fenstern zu einer niedrigeren Temperatur des Mauerwerks im Innenbereich und damit zu Wärmebrücken. Diese waren bereits vorher vorhanden. Es wurden lediglich die noch kälteren Stellen – die alten Fensterscheiben – entfernt, weshalb nunmehr die Wände die kältesten Stellen darstellen. Dies kann jedoch nicht dem Vermieter angelastet werden. Zur Nachrüstung einer Wärmedämmung ist der Vermieter nicht verpflichtet.

 

Hinweis

Kein Anspruch auf Wärmedämmung bei älteren Gebäuden

Dementsprechend hat der Mieter keinen Anspruch gegen den Vermieter auf Durchführung umfangreicher Wärmedämmmaßnahmen, wenn die Möglichkeit besteht, Schwitzwasserbildung durch verstärktes Heizen und Lüften zu verhindern.

Bei einem älteren Gebäude kann der Mieter nämlich nicht erwarten, dass die Wärmedämmung des Hauses den Maßstäben eines modernisierten Altbaus entspricht. Dem Mieter ist es daher zumutbar, durch entsprechendes Heiz- und Lüftungsverhalten das Entstehen von Schimmelbildung zu verhindern. Liegen keine Schadstellen an der Außenwand des Gebäudes vor und sind alle Fensterelemente in einem konstruktiv ordnungsgemäßen Einbauzustand, ist...

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