Entsendebeschäftigungen, Versicherungsschutz des entsandten Arbeitnehmers

Kurzbeschreibung

Unterliegt eine in einem anderen Staat eingesetzte Person aufgrund einer Entsendung oder Ausnahmevereinbarung weiterhin den deutschen Rechtsvorschriften, stellt sich die Frage, wie sich der Versicherungsschutz im Krankheitsfall gestaltet. In der Übersicht sind die Staaten, mit denen es Regelungen im Bereich der Krankenversicherung gibt, und die Bezeichnungen der Bescheinigungen zur Inanspruchnahme von Sachleistungen aufgeführt.

Vorbemerkung

Liegen für einen im Ausland eingesetzten Arbeitnehmer die Voraussetzungen für eine Ausstrahlung[1] vor, so unterliegt die Person für die Dauer des Auslandseinsatzes weiterhin den deutschen Rechtsvorschriften. Dies gilt auch bei einer Entsendung in einen EU-, EWR-Staat, die Schweiz bzw. in einen Staat, mit dem ein Abkommen über Soziale Sicherheit besteht. Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass lediglich in den vom Abkommen erfassten Sozialversicherungszweigen die deutschen Rechtsvorschriften weiter gelten.

Entsendung in einen EU-, EWR-Staat, in die Schweiz oder in einen Staat, mit dem ein Abkommen über Soziale Sicherheit besteht

Bei einer Auslandstätigkeit in EU, EWR-Staaten oder in der Schweiz kann die im Ausland eingesetzte Person sich für die Inanspruchnahme von Sachleistungen mit der Europäischen Krankenversicherungskarte unmittelbar an einen Leistungserbringer wenden.

Bei einer Auslandstätigkeit in einem Staat, mit dem ein Abkommen über Soziale Sicherheit für den Bereich Krankheit besteht, kann sich die im Ausland eingesetzte Person für die Inanspruchnahme von Sachleistungen mit der jeweiligen Anspruchsgrundlage an den zuständigen Träger wenden. Bei Aufenthalt in Mazedonien, Montenegro und in Serbien gilt die Europäische Krankenversicherungskarte als Anspruchsgrundlage.

Hat der im Ausland eingesetzte Arbeitnehmer Leistungen zulasten des Arbeitgebers in Anspruch genommen, so kann sich der Arbeitgeber die Kosten von der Krankenkasse erstatten lassen.[2]

Entsendung ins vertragslose Ausland

Wird eine Person in einem Staat eingesetzt, mit dem kein Abkommen über Soziale Sicherheit besteht, kann der im Ausland eingesetzte Arbeitnehmer Leistungen zulasten des Arbeitgebers in Anspruch nehmen. Der Arbeitgeber kann sich die Kosten von der Krankenkasse erstatten lassen. Die Krankenkasse kann dem Arbeitgeber die Kosten in der Höhe erstatten, in der diese bei einer Behandlung in Deutschland angefallen wären.

Tabelle

Staat Bezeichnung der Bescheinigung Leistungsumfang
Bosnien-Herzegowina BH 6 Nur sofort notwendige Behandlungen.
EU-, EWR-Staaten und die Schweiz European Health Insurance Card - EHIC Alle Leistungen nach dem Recht des Aufenthaltslandes. Anspruch auf medizinisch notwendige Leistungen unter Berücksichtigung der Art der Leistungen und der voraussichtlichen Aufenthaltsdauer.
Israel ISR/D 111 Nur Leistungen bei Mutterschaft.
Marokko - Das Abkommen sieht keine Leistungsaushilfe vor. Regelungen zur KV sind lediglich hinsichtlich der Zuständigkeit getroffen.
Mazedonien European Health Insurance Card - EHIC Nur sofort notwendige Behandlungen.
Montenegro European Health Insurance Card - EHIC Nur sofort notwendige Behandlungen.
Serbien European Health Insurance Card - EHIC Nur sofort notwendige Behandlungen.
Türkei T/A 11 Nur sofort notwendige Behandlungen.
Tunesien TN/A 11 Nur sofort notwendige Behandlungen. Rechnung muss selbst bezahlt werden, Erstattung über tunesischen CNAM oder durch deutsche Krankenkasse.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.



Meistgelesen