Damrau/Tanck, Praxiskomment... / 3. Weitere Fälle der Schlusserbeneinsetzung
 

Rz. 26

Eine nicht ausdrückliche Schlusserbeneinsetzung kann sich auch aus einer Verteilung nach Gegenständen ergeben, selbst wenn dabei bzgl. eines der Gegenstände offenbleibt, wer diesen erhalten soll.[64] Die Anordnung, dass ein Kind im Fall der Anfechtung des Testaments auf den Pflichtteil verwiesen sein soll, kann dagegen nicht als Schlusserbeneinsetzung ausgelegt werden.[65] Auch für den Fall, dass der Dritte zum Nacherben beider Ehegatten eingesetzt ist, ist nach § 2102 Abs. 1 BGB im Zweifel anzunehmen, dass dieser als Ersatzerbe Erbe des Überlebenden werden soll.[66] Bestimmt ein Testament ohne Schlusserbeneinsetzung, dass es nach dem Tod des Überlebenden bei den gesetzlichen Bestimmungen verbleiben soll, ist auch dieses auslegungsfähig. Auch diese Anordnung kann im Einzelfall eine Erbeinsetzung der gesetzlichen Erben zu Schlusserben bedeuten.[67]

[64] BayObLG NJW-RR 1998, 1203.
[65] BGH MDR 1950, 669; Soergel/Wolf, § 2280 Rn 3; MüKo/Musielak, § 2269 Rn 12.
[66] KG FamRZ 1987, 413 = NJW-RR 1987, 451; Staudinger/Kanzleiter, § 2269 Rn 24; Muscheler, JZ 1994, 630.
[67] Vgl. BayObLG NJW 1965, 916; Staudinger/Kanzleiter, § 2269 Rn 24.

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