Architekt darf sich nicht blindlings auf Statiker verlassen

DIN 4123

Der Bauherr beabsichtigte, einen Neubau neben seinem Altbau zu errichten. Deshalb beauftragte er einen Architekten u. a. mit der Planung und Überwachung bei der Erstellung von Böschungen und Giebelunterfangungen. Der vom Bauherrn ebenfalls beauftragte Statiker hatte eine Skizze zur Ausführung der Unterfangung erstellt. Diese wich u. a. bzgl. der Unterfangungsabschnitte von der DIN 4123 ab, sodass ein Standsicherheitsnachweis erforderlich gewesen wäre, der jedoch nicht vorlag. Diese DIN-Norm gilt für Ausschachtungen und Gründungsarbeiten neben bestehenden Gebäuden sowie für die herkömmliche Unterfangung von Gebäudeteilen in schmalen Streifen mit Mauerwerk, Beton oder Stahlbeton. Sie gibt an, wie diese Arbeiten so durchgeführt werden können, dass Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit der bestehenden Gebäude erhalten bleiben, und welche Nachweise dafür erbracht werden müssen.

Giebelwand eingestürzt

Nach Abschluss der Bauarbeiten stürzte die Giebelwand teilweise in die Baugrube des Kellers des Neubaus. Der Bauherr verlangte vom Architekten Schadensersatz in Höhe von 370.000 EUR.

Architekt durfte sich nicht auf Skizze des Statikers ­verlassen

Das Oberlandesgericht bejahte die volle Haftung des Architekten. Er hätte die Vollständigkeit und Richtigkeit der Skizze des Statikers überprüfen müssen. Seine Verpflichtung ginge zwar nur so weit, als seine fachspezifischen Kenntnisse reichen, ob ihm also eine Überprüfung der Leistungen des Sonderfachmanns möglich und zumutbar war und ob sich ihm dabei Bedenken hätten aufdrängen müssen. Eine intensive Überwachung der mangelhaft ausgeführten Arbeiten sei unbedingt notwendig gewesen, weil es sich um kritische und schadensträchtige Arbeiten gehandelt habe. Diese Verpflichtung ergebe sich ausdrücklich auch aus DIN 4123, die der Architekt hätte kennen und berücksichtigen müssen.

Gesamtschuldnerische Haftung

Ein Mitverschulden hat das Gericht verneint. Der Bauherr habe keine Verpflichtung zu der Obliegenheit im Verhältnis zum Architekten übernommen, ihm statische Planunterlagen zur Verfügung zu stellen. Vielmehr habe er nur mehrere Fachleute beauftragt, die im engen Zusammenwirken das Bauvorhaben betreuen sollten. Hierbei hätten beide versagt und mangelhafte Leistungen erbracht. Beide haften nebeneinander als Gesamtschuldner auf Schadensersatz, sodass es dem Kläger freistehe, ausschließlich den Architekten zu verklagen.

(OLG Düsseldorf, Urteil v. 15.1.2016, 22 U 92/15)

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