Rz. 80

Der Anspruchsverpflichtete hat zunächst alle Unterlagen vorzulegen, die zur Berechnung des Wertes des Pflichtteilsanspruchs erforderlichen sind.[147] Wurden im Nachlass zugehörige Gegenstände zeitnah nach dem Erbfall veräußert, so müssen die entsprechenden Kaufvertragsurkunden hier vorgelegt werden.[148] Allerdings reicht die Vorlage eines Kaufvertrages und der Schätzung eines Maklers allein nicht aus, um eine Immobilie sachgerecht zu bewerten; daneben besteht der Anspruch auf Vorlage eines Verkehrswertgutachtens weiterhin.[149] Dies gilt selbst dann, wenn der Verkauf zeitnah zum Erbfall erfolgte. Ist ein Unternehmen oder eine Beteiligung daran zu bewerten, sind alle Geschäftsunterlagen der letzten fünf Jahre vorzulegen, damit eine notwendige betriebswirtschaftliche Unternehmensbewertung durch den Anspruchsberechtigten selbst vorgenommen werden kann. Dem Anspruch auf Vorlage von Geschäftsunterlagen wird dabei durch die Vorlage eines vom Erben eingeholten Wertermittlungsgutachtens nicht der Boden entzogen.[150] Wertermittlungsrelevante Unterlagen können auch Bank- und Depotauszüge sein.[151]

[147] OLG Köln ZEV 2006, 77, 78; Bamberger/Roth/J. Mayer, § 2314 Rn 21; Staudinger/Haas, § 2314 Rn 59.
[148] Bamberger/Roth/J. Mayer, § 2314 Rn 21; Staudinger/Haas, § 2314 Rn 60.
[150] OLG Köln ZEV 1999, 110, 112.
[151] Staudinger/Haas, § 2314 Rn 59.

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