Rz. 2

Bei der Vermittlung von Erwerbstätigkeit über Internetplattformen wird teilweise versucht, eine Kategorisierung nach verbraucherbezogenen sowie unternehmensbezogenen Geschäftsmodellen vorzunehmen (Krause, DJT 2016, B 99). Das erste Modell umfasst die Vermittlung analoger sowie digitaler Dienstleistungen unmittelbar an den Verbraucher. Hier reicht die Palette von der Vermittlung einfacher Tätigkeiten (durchgeführt z.B. durch eine Putzkraft, Einkaufshilfe, Fahrdienst, Techniker) bis hin zu höheren Diensten wie die verbraucherbezogene Online-Rechts- oder Gesundheitsberatung.

 

Rz. 3

Unter die unternehmensbezogenen Modelle fallen Plattformen, die Unternehmen ein Outsourcing von Arbeiten ermöglichen, darunter mittlerweile besonders beliebt das Crowdworking. Crowdworking oder auch Crowdsourcing kennzeichnet sich nicht nur dadurch, dass bestimmte Arbeiten durch den Auftraggeber (Crowdsourcer) über eine Internetplattform fremdvergeben werden, sondern auch dadurch, dass sich der Auftrag üblicherweise an eine unbestimmte Menge von Menschen (die "Crowd") wendet. Bei diesem Modell wird im Weiteren danach differenziert, ob die Aufträge an unternehmens- bzw. konzerninterne Beschäftigte oder an Personen außerhalb des Unternehmens/Konzerns vergeben werden (internes und externes Crowdworking). Unterschieden wird zudem nach dem Umfang (komplexere Tätigkeiten oder Mikrotasks, letztere auch unter dem Begriff Clickworking bekannt) und der Art der Arbeiten (Design, Testing etc.) sowie danach, ob es sich um Wettbewerbsmodelle oder um eine Massenvergabe handelt (Däubler/Klebe, NZA 2015, 1032, 1033). So clustert eine erste empirische Studie aus dem Jahr 2016 die gängigen Plattformen in fünf Gruppen: Microtask-, Marktplatz-, Design-, Testing- und Innovationsplattformen und zeigt, dass für die Mehrheit (79 %) in allen Gruppen (95 % bei Mikrotaskplattformen) Crowdwork nur eine Nebentätigkeit darstellt (Leimeister/Durward/Zogaj, Crowd Worker in Deutschland, Studie der Hans Böckler Stiftung, 2016, S. 48).

Konkrete Beschäftigtenzahlen zur Plattformarbeit fehlen, jedoch gehen Schätzungen allein im Bereich des Crowdworking von rund 20 Millionen Crowdworkern weltweit aus, darunter rund eine Millionen in Deutschland tätiger Personen (Leist/Hießl/Schlachter, Plattformökonomie Forschungsbericht des BMAS, November 2017, S. 7 ff).

 

Rz. 4

Ständig neue Geschäftsmodelle machen eine systematische Kategorisierung schwierig, da bereits jetzt viele neue Mischkonzepte bestehen, die sich beispielsweise nicht eindeutig den Kategorien der verbraucher- oder unternehmensbezogenen Betätigung zuordnen lassen (so z.B. bei den neuen Lieferdienstplattformen wie foodora oder deliveroo, bei denen regelmäßig vier Personen an einem Auftragsvorgang beteiligt sind, nämlich Fahrer, Plattform, teilnehmende Restaurants sowie der Verbraucher). Mehrpersonenmodelle (über das 2-Personenverhältnis hinaus) zeigen, dass die dichotome Unterteilung in unternehmensbezogene und verbraucherbezogene Modelle nicht ausreicht. Sie lässt die Rolle des Plattformbetreibers selbst unberücksichtigt, die aber u.a. bei den neuen Lieferdienstplattformenmodellen besonders zu berücksichtigen ist, da hier regelmäßig ein Arbeitsverhältnis zum Plattformbetreiber in Betracht zu ziehen sein wird.

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