Rz. 1

Die Nutzung von Telekommunikationseinrichtungen und Internet ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Die Vorstellung allerdings, allein auf diese Medien angewiesen zu sein, um hiermit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, löst dagegen zum Teil noch Vorbehalte aus. Die Corona-Krise der Jahre 2020 und 2021 hat aber deutlich gemacht, dass Arbeiten im Homeoffice für viele Berufe durchaus eine denkbare Alternative darstellt. In diesem Zusammenhang waren Arbeitnehmer und Arbeitgeber vielfach gezwungen, sich auf neue Techniken als auch auf neue Formen der Zusammenarbeit einzulassen. Der technische Fortschritt macht jedoch heute vieles möglich, was noch Anfang dieses Jahrhunderts undenkbar war. E-Mail, Videokonferenz, Cloud-Computing, digitales Diktieren oder die Fernwartung von EDV-Anlagen sind heute Selbstverständlichkeiten geworden. Selbst Arbeitnehmer, die sich nicht unbedingt als technikaffin bezeichnen, haben vielfach lernen müssen, mithilfe neuer Arbeitsmittel ihre Arbeitsleistung aus dem häuslichen Bereich zu erbringen. Von daher ist es längst nicht mehr zwingend, dass sich Arbeitnehmer, um ihre Arbeitspflicht zu erfüllen, an den Ort begeben müssen, an denen die Arbeitsmittel vorgehalten werden. Vielmehr erlauben die heutigen Kommunikationsmittel für viele Berufe von der technischen Seite her einen unbeschränkten Zugang auf die Arbeitsmittel, auch von fernen Orten aus. Die Bedeutung der sogenannten Arbeit 4.0 und im Rahmen dessen die Arbeit im Homeoffice wird auch dadurch betont, dass sich das BMAS in seinen Publikationen "Grünbuch Arbeiten 4.0" und "Weißbuch Arbeiten 4.0" mit dieser Thematik auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht bezüglich der Homeoffice-Arbeit unter anderem die Erkenntnis, dass der Anteil der Arbeitnehmer, die gerne im Homeoffice arbeiten würden, den Anteil der Arbeitnehmer, denen ein Homeoffice tatsächlich ermöglicht wird, weit übersteigt.[1]

 

Rz. 2

Minimalvoraussetzung für die Einrichtung eines Homeoffice ist vielfach lediglich das Vorhandensein eines Computers sowie eines Internetanschlusses; teilweise reicht doch schon ein Smartphone oder ein Tablet aus, um im Homeoffice seine Arbeitsleistung erbringen zu können. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass parallel zu der technischen Entwicklung auch eine verstärkte Änderung der Arbeitsformen eingesetzt hat, was sich nicht zuletzt an der wachsenden Zahl von Personen zeigt, die im Homeoffice arbeiten oder arbeiten wollen.[2] So gingen etwa Anfang diesen Jahrtausends einzelne Studien davon aus, dass im Jahre 2005 ca. 13 % aller Beschäftigten im Homeoffice tätig sind.[3] Nach bisherigen Erkenntnissen konnte diese Steigerung aber nicht erreicht werden.[4] So waren 2005 in Deutschland 6,7 % der Beschäftigten mindestens mit einem Viertel ihrer Arbeitszeit im Homeoffice tätig, während lediglich 1,2 % ausschließlich an einem Homeoffice-Arbeitsplatz beschäftigt waren.[5] Dieser Anteil der auch gelegentlich im Homeoffice Tätigen stieg zunächst auf knapp 10 % im Jahre 2008, fiel dann allerdings wieder auf 8 % im Jahre 2014 zurück. Im Jahr 2014 lag der Anteil derjenige, die auch zu Hause arbeiten, bei 12 %.[6] Andererseits wurde aber auch teilweise behauptet, dass das Homeoffice bei den Beschäftigten an Beliebtheit verloren habe.[7] Dennoch spiegelt sich der behauptete Beliebtheitsverlust nicht in den empirischen Erhebungen seit 2016 wider. Während einige Erhebungen darauf schließen lassen, dass der Anteil der zumindest manchmal im Homeoffice Tätigen im Vergleich zu 2016 bei ca. 12 % stagniert, kann einigen Befragungsergebnissen ein Anstieg auf ca. 15 % bis 22 % entnommen werden.[8] Mit der Coronakrise haben sich die Zahlen deutlich verändert.[9] Während vor der Pandemie Anfang des Jahres 2020 ca. 17 % der Beschäftigten entweder ausschließlich/überwiegend von zu Hause aus arbeiteten oder an wechselnden Arbeitsorten (Betrieb, Zuhause, mobil) tätig wurden, stieg der Anteil dieser Arbeitnehmer während der Lock-Down-Phasen auf teilweise über 40 % an.[10] Man wird allerdings abwarten müssen, wie sich die Homeoffice-Quote entwickeln wird, wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie überwunden sind. Darüber hinaus ist bei allen statistischen Betrachtungen zu berücksichtigen, dass eine statistische Erfassung des Homeoffice stets mit der Schwierigkeit konfrontiert ist, dass es für den Begriff des Homeoffice (teilweise auch immer noch als Telearbeit bezeichnet), keine einheitliche Definition gibt.

 

Rz. 3

Das Homeoffice als Anknüpfungspunkt arbeitsrechtlicher Regelungen steht in unmittelbaren Zusammenhang mit der rechtlichen Diskussion um die sog. Telearbeit, deren rechtliche Rahmenbedingungen schon seit Jahrzehnten diskutiert wird. In dem Begriff "Telearbeit" weist schon der Wortbestandteil "Tele" in die Richtung, um die es bei der Telearbeit geht. "Tele" bedeutet im Allgemeinen "fern, weit".[11] Und damit weist dieser Wortbestandteil auf den Umstand hin, dass sich die betreffende Person, die Telearbeit ausführt, in räumlicher Entfernung zur Produktions-/Be...

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