Rz. 117

§ 850b ZPO regelt Besonderheiten für die Zwangsvollstreckung in bestimmte Renten und rentenähnliche Bezüge, die wie Arbeitseinkommen (vgl. § 850 ZPO) dem Lebensunterhalt des Schuldners dienen.[221] Die Regelung dient daher der Existenzsicherung[222] des Schuldners, indem eine grds. Unpfändbarkeit bestimmt wird. Erfasst werden nicht nur Renten, Einkünfte und Bezüge von Arbeitnehmern und Beamten, sondern auch von anderen Personen, insbesondere Selbstständigen.[223] Die Bezüge i.S.d. § 850b ZPO sind im Gegensatz zu § 850a ZPO relativ unpfändbar. Sie stellen kein Arbeitseinkommen dar,[224] werden als Renten oder rentenähnliche Bezüge aber wie Arbeitseinkommen behandelt, weil sie dem Lebensunterhalt des Schuldners zu dienen bestimmt sind. Dies betrifft unter anderem (Unterhalts-)Renten, fortlaufende Einkünfte aus Stiftungen und ­Bezüge aus Witwen-, Waisen-, Hilfs- und Krankenkassen, die zu Unterstützungszwecken gewährt werden. Diese Leistungen können aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung wie Arbeitseinkommen gem. §§ 850, 850, 850d ZPO dann gepfändet werden, wenn durch die Vollstreckung in das sonstige Vermögen des Schuldners die Forderung nicht in voller Höhe getilgt werden kann und die Pfändung der Billigkeit entspricht (vgl. § 850b Abs. 2 ZPO).

 

Rz. 118

Vom Schutz der Regelung wird der Schuldner auch dann erfasst, wenn bevorrechtigte Unterhaltsgläubiger vollstrecken und zwar selbst dann, wenn die Forderung, wegen derer die Vollstreckung betrieben wird, auf einer vom Gläubiger zum Zwecke des Unterhalts des Schuldners erbrachten Leistung beruht.[225] Der dem Schuldner vom Gesetzgeber umfassend gewährte Schutz seiner Existenzgrundlage für den Fall einer Körper- oder Gesundheitsverletzung beschränkt sich damit nicht auf bereits entstandene Ansprüche.[226] Die Regelung des § 850b ZPO ist auch im Insolvenzverfahren – obwohl vom Wortlaut des § 36 Abs. 1 S. 2 InsO nicht gedeckt – mit der Maßgabe anzuwenden, dass bedingt pfändbare Bezüge des Schuldners in die Insolvenzmasse fallen, soweit dies nach den Umständen des Falles, insbesondere nach der Art des beizutreibenden Anspruchs und der Höhe der Bezüge der Billigkeit entspricht.[227]

[221] BGH, NJW-RR 2007, 1390 = FamRZ 2007, 1646 = MDR 2007, 1218 = Rpfleger 2007, 614 = JurBüro 2007, 607 = ZVI 2007, 553.
[222] BGH, WM 2010, 271 = ZInsO 2010, 188 = Rpfleger 2010, 233 = MDR 2010, 408 = ZVI 2010, 102; BGHZ 70, 206 = BB 1978, 427 = NJW 1978, 950 = Rpfleger 1978, 131 = EBE/BGH 1978, 114 = DB 1978, 788 = VersR 1978, 447 = RuS 1978, 117 = DRsp IV(424) 104 = MDR 1978, 839 = WM 1978, 356; Zöller/Herget, § 850b ZPO Rn 1; MüKo-ZPO/Smid, § 850b Rn 1.
[223] BGH, JurBüro 2010, 610 = Vollstreckung effektiv 2011, 17 = Rpfleger 2010, 674.
[224] BGH, Vollstreckung effektiv 2005, 127 = WM 2005, 1185 = NJW-RR 2005, 869 = FamRZ 2005, 1083 = JurBüro 2005, 381 = Rpfleger 2005, 446 = MDR 2005, 1015; OLG Hamm, Beschluss v. 6.10.2011 – 8 WF 215/11, II-8 WF 215/11 – juris.
[225] BGHZ 113, 90 = NJW 1991, 839.
[226] OLG Hamm, ZInsO 2006, 878; OLG Jena, VersR 2000, 1005.
[227] BGH, DB 2014, 594 = VersR 2014, 452 = ZIP 2014, 688 = MDR 2014, 470 = WM 2014, 748 = RuS 2014, 183 = FamRZ 2014, 752 = NZI 2014, 369 = ZInsO 2014, 833 = ZVI 2014, 197 = NJW-RR 2014, 683; BGH, ZInsO 2010, 188 = WM 2010, 271 = ZIP 2010, 293 = NZI 2010, 141 = Rpfleger 2010, 233 = MDR 2010, 408 = FoVo 2010, 52; a.A. LG Heilbronn, Rpfleger 2009, 640; LG Hildesheim, ZInsO 2009, 1961; vgl. auch Gottwald/Mock, § 850b Rn 3.

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