§ 5 Verjährung / b) Schädigermehrheit
 

Rz. 359

 

Hinweis

Siehe auch Rdn 121 ff., 367 f.

 

Rz. 360

Der Anspruch ist gegenüber jedem einzelnen Verantwortlichen getrennt zu prüfen. Die Verjährung beginnt zu verschiedenen Zeiten, wenn der Verletzte von den (mehreren) Haftpflichtigen nicht zu gleicher Zeit Kenntnis erhält.[306]

 

Rz. 361

Bei mehreren möglichen Schädigern beginnt die Verjährung, wenn keine wesentlichen Zweifel über die Person des Verantwortlichen mehr bestehen;[307] und zwar auch dann, wenn der Verletzte irrtümlich eine andere der in Frage kommenden Personen für den eigentlich Ersatzpflichtigen hält.[308] Das gilt auch, wenn mehrere Personen als Fahrer des unfallverursachenden Fahrzeuges in Betracht kommen, jede von ihnen aber die Fahrereigenschaft bestreitet[309] und der Direktanspruch (§ 115 VVG, § 3 PflVG a.F.) nicht in Betracht zu ziehen ist.

 

Rz. 362

Die Verjährungsfrage ist auch bei Gesamtschuld einer juristischen Person und ihrer Organe und Mitarbeiter für jeden Schuldner getrennt und selbstständig zu prüfen.[310]

 

Rz. 363

Ist unklar, wer der Schuldner ist, und kann sich der Verletzte nicht entschließen mehrere oder alle gleichzeitig zu verklagen, wird die Verjährung nur im Verhältnis zum jeweils in Anspruch Genommenen unterbrochen. Wenn der Verjährungslauf nicht durch anderweitige Erklärungen der weiteren in Betracht kommenden Schuldner angehalten ist, empfiehlt sich die Streitverkündung (dazu Rdn 710), deren hemmende Wirkung aber nur bis zur rechtskräftigen Erledigung des Prozesses fortdauert (§§ 204 Abs. 1 Nr. 6 BGB, 204 Abs. 2 S.1 BGB).[311]

 

Rz. 364

Haftet der Ersatzpflichtige nur subsidiär (z.B. §§ 829, 839[312] BGB; siehe ergänzend Rdn 341), beginnt die Verjährung gegen ihn erst mit der Kenntnis des Verletzten von der fehlenden Einstandspflicht des primär Verpflichteten.

 

Rz. 365

Führt ein für alle Beteiligten eintrittspflichtiger Haftpflichtversicherer mit dem Verletzten Regulierungsverhandlungen, ist der Lauf der Verjährung regelmäßig gegen alle versicherten Personen, die Ansprüchen ausgesetzt sein können, gehemmt.[313]

[306] BGH v. 8.5.2001 – VI ZR 208/00 – DAR 2001, 396 = NZV 2001, 466 = r+s 2001, 463 = SP 2001, 259 = VersR 2001, 1255 = zfs 2001, 351; BGH v. 12.12.2000 – VI ZR 345/99 – r+s 2001, 243 = VersR 2001, 381; BGH v. 14.3.1978 – VI ZR 244/75 – VersR 1978, 564 = WI 1998, 152.
[307] BGH v. 12.12.2000 – VI ZR 345/99 – r+s 2001, 243 = VersR 2001, 381; BGH v. 24.6.1999 – IX ZR 363/97 – VersR 1999, 1149; BGH v. 31.10.1989 – VI ZR 84/89 – DAR 1990, 60 = MDR 1990, 532 = NJW-RR 1990, 222 = NZV 1990, 114 = VersR 1990, 167 = zfs 1990, 120 (nur Ls.) (Zur Kenntnis, wenn man irrtümlich einen dritten Beteiligten für den eigentlichen Verantwortlichen hält); BGH v. 11.5.1964 – VII ZR 177/62 – VersR 1964, 927; OLG Frankfurt v. 28.4.1970 – 14 U 202/69 – OLGZ 1971, 1 = VersR 1970, 912; OLG Hamburg v. 19.5.2000 – 14 U 243/99 – OLG Report 2000, 441; OLG München v. 29.4.1998 – 21 U 6082/97 – r+s 1998, 463 = r+s 1999, 414 = VersR 2000, 505 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 26.1.1999 – VI ZR 232/98).
[308] OLG München v. 29.4.1998 – 21 U 6082/97 – r+s 1998, 463 = r+s 1999, 414 = VersR 2000, 505 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 26.1.1999 – VI ZR 232/98).
[309] Wussow WI 1998, 152.
[310] BGH v. 12.12.2000 – VI ZR 345/99 – r+s 2001, 243 = VersR 2001, 381. Zur Verjährung bei Gesamtschuld siehe auch BGH v. 8.11.2016 – VI ZR 200/15 – MDR 2017, 149 = r+s 2017, 98 = VersR 2017, 170.
[311] Siehe OLG Naumburg v. 14.12.2004 – 1 U 47/04 VersR 2005, 1242 (Vermögensschaden entsteht einem Mandanten bereits dann, wenn durch anwaltliche Pflichtverletzung Ansprüche gegen einen von mehreren Gesamtschuldnern verjähren).
[312] BGH v. 2.4.1998 – III ZR 309/96 – VersR 1998, 1019; BGH v. 17.12.1992 – III ZR 114/91 – VersR 1993, 436; BGH v. 28.3.1985 – III ZR 20/84 – VersR 1985, 642 = zfs 1985, 260 (nur Ls.).
[313] OLG Düsseldorf v. 17.12.1998 – 8 U 170/97 – VersR 2000, 457 (nur Ls.) (Hemmung gegenüber Krankenhausträger und verantwortlichem Arzt). Siehe aber auch OLG Oldenburg v. 23.8.2006 – 5 U 31/06 – VersR 2007, 1277 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 27.3.2007 – VI ZR 197/06) (Verhandlungen des geschädigten Patienten mit dem Krankenhausträger führen nicht zur Hemmung der Verjährung von Ersatzansprüchen gegen den behandelnden Arzt. Nach den Gesamtumständen war nicht ersichtlich, dass der Kommunale Schadensausgleich mit dem Patienten für beide Inanspruchgenommene tätig wurde.).

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