§ 4 Insolvenzgründe / 8. Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände
 

Rz. 123

Forderungen (aus Lieferung und Leistung) können nicht mit dem Nominalwert angesetzt werden. Es sind in jedem Fall Abschläge hinsichtlich der Bonität, des Alters der Forderungen oder – bei streitigen Forderungen – hinsichtlich der Möglichkeit des Nachweises in einem etwaigen Prozess vorzunehmen. Es kann insoweit eine Einteilung in sichere, zweifelhafte und uneinbringliche Forderungen erfolgen. Da der Liquidationsfall vorliegt, d.h. der Insolvenzschuldner entfällt zukünftig als Marktteilnehmer und kann keine Folgeaufträge mehr platzieren, sind deutliche Abschläge veranlasst. Eine etwaige Sicherheit ist zu berücksichtigen. Die Aktivierung setzt jeweils voraus, dass die Forderung überhaupt durchsetzbar ist. Forderungen in Fremdwährung sind zunächst zum amtlichen Geldkurs des Stichtages umzurechnen.

Beim echten Factoring (soweit der Factorinvertrag noch nicht gekündigt ist) ist eine Forderung gegen den Factor zu aktivieren, abzgl. der Kosten und des Sperrbetrages. Forderungen aus schwebenden Geschäften können berücksichtigt werden, wenn noch mit ihrer Erfüllung zu rechnen ist, wobei das Wahlrecht des Insolvenzverwalters aus § 103 InsO außer Betracht zu bleiben hat.

Verlustvorträge können ausnahmsweise angesetzt werden. Bei sonstigen Forderungen, auf welche sich die Gesellschaft – was gelegentlich in der Praxis zu beobachten ist – ggf. beruft, um sich "schön zu rechnen" (z.B. vermeintliche Schadensersatzansprüche), ist Vorsicht geboten. Diese sind exakt auf ihre Berechtigung und ggf. Nachweisbarkeit zu überprüfen.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge