§ 30 Kündigungsschutz und K... / 37. Verletzung von Nebenpflichten
 

Rz. 499

Die Verletzung arbeitsvertraglicher Nebenpflichten kann "an sich" einen wichtigen Grund i.S.v. § 626 Abs. 1 BGB darstellen (BAG v. 20. 10. 2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 18; BAG v. 19.1.2016 – 2 AZR 449/15 – Rn 29; BAG v. 26.3.2015 – 2 AZR 517/14 – Rn 23; BAG v. 8.5.2014 – 2 AZR 249/13 – Rn 19). Das betrifft sowohl auf die Hauptleistungspflicht bezogene Nebenleistungspflichten, die der Vorbereitung, der ordnungsgemäßen Durchführung und der Sicherung der Hauptleistung dienen und diese ergänzen, als auch sonstige, aus dem Gebot der Rücksichtnahme (§ 241 Abs. 2 BGB) erwachsende Nebenpflichten (BAG v. 20. 10. 2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 18; BAG v. 19.1.2016 – 2 AZR 449/15 – Rn 29; zum Inhalt möglicher Nebenleistungspflichten vgl. BAG v. 28.10.2010 – 8 AZR 418/09 – Rn 12). Es besteht eine Nebenleistungspflicht des Arbeitnehmers, sich nicht in einen Zustand zu versetzen, in dem er seine Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis nicht erfüllen oder bei Erbringung seiner Arbeitsleistung sich oder andere gefährden kann (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 18; BAG v. 26.01 1995 – 2 AZR 649/94 – zu B III 3 a der Gründe). Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Fähigkeit zur (sicheren) Erbringung der Arbeitsleistung durch ein Verhalten während oder außerhalb der Arbeitszeit eingeschränkt wurde (BAG v. 20. 10. 2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 18). So hat der Arbeitnehmer die Pflicht, seine Arbeitsfähigkeit auch nicht durch Alkoholgenuss in der Freizeit zu beeinträchtigen (BAG v. 20. 10. 2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 18; BAG v. 26.1.1995 – 2 AZR 649/94; BAG v. 20.3.2014 – 2 AZR 565/12 – Rn 22; APS/Dörner/Vossen, § 1 KSchG Rn 310; Liebscher in Thüsing/Laux/Lembke KSchG, § 1 Rn 468; Löwisch in Löwisch/Spinner/Wertheimer, KSchG § 1 Rn 213; ErfK/Müller-Glöge § 626 BGB Rn 137). Ein Berufskraftfahrer hat aufgrund der besonderen Gefahren des öffentlichen Straßenverkehrs jeden die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigenden Alkoholkonsum zu unterlassen (BAG v. 20. 10. 2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 18; BAG v. 20.3.2014 – 2 AZR 565/12 – Rn 25; KR/Fischermeier, § 626 BGB Rn 423; KR/Griebeling/Rachor § 1 KSchG Rn 425; Krause in vHH/L, § 1 Rn 577; Staudinger/Preis, § 626 Rn 129 m.w.N.; HaKo/Zimmermann, § 1 Rn 360).

Nimmt ein Berufskraftfahrer Amphetamin und Methamphetamin ein und führt er dennoch im Rahmen seiner arbeitsvertraglichen Verpflichtung ein Fahrzeug des Arbeitgebers, kommt es wegen der sich aus diesem Drogenkonsum typischerweise ergebenden Gefahren nicht darauf an, ob seine Fahrtüchtigkeit konkret beeinträchtigt ist (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 19). Der Pflichtenverstoß liegt bereits in der massiven Gefährdung der Fahrtüchtigkeit (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 19). Dies entspricht auch den Wertungen des öffentlichen Rechts (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 20). Nach § 24a Abs. 2 Satz 1 StVG handelt ordnungswidrig, wer unter der Wirkung eines in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten berauschenden Mittels im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt. Die Vorschrift erfasst Fahrten unter der Einwirkung bestimmter Rauschmittel, die allgemein geeignet sind, die Verkehrs- und Fahrsicherheit zu beeinträchtigen (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 21). Es handelt sich um einen abstrakten Gefährdungstatbestand, bei dem es auf eine tatsächliche Beeinträchtigung der Fahrsicherheit oder Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer im Einzelfall nicht ankommt (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 21). Amphetamin und Methamphetamin sind in der Anlage zu § 24a StVG genannt. Die Einnahme dieser Substanzen bewirkt z.B. erhöhte Risikobereitschaft und Enthemmung (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 21). Nach Nr. 9.1 der Anlage 4 zu den §§ 11, 13 und 14 der Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr (Fahrerlaubnis-Verordnung – FeV) besteht bei Einnahme von Betäubungsmitteln im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) mit Ausnahme von Cannabis keine Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen. Dies gilt unabhängig von der Häufigkeit des Konsums, von der Höhe der Betäubungsmittelkonzentration, von einer Teilnahme am Straßenverkehr in berauschtem Zustand und vom Vorliegen konkreter Ausfallerscheinungen beim Betroffenen (BAG v. 20. 10. 2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 22). Dementsprechend ist die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 3 Abs. 1 Satz 1 StVG, § 46 Abs. 3, §§ 11 bis 14 FeV bereits dann gerechtfertigt, wenn der Fahrerlaubnisinhaber mindestens einmal sogenannte "harte Drogen" konsumiert hat (BAG v. 20.10.2016 – 6 AZR 471/15 – Rn 22). Der Fahrerlaubnisbehörde ist insoweit kein Ermessen eingeräumt (BayVGH v. 15.6.2016 – 11 CS 16.879 – Rn 13; OVG NRW v. 23.7.2015 – 16 B 656/15 – Rn 5; VGH Baden-Württemberg v. 7.4.2014 – 10 S 404/14 – Rn 5; VGH Hessen v. 21.03. 2012 – 2 B 1570/11 – Rn 6; Sächsisches OVG v. 28.10.2015 – 3 B 289/15 – Rn 5; OVG Sachsen-Anhalt v. 13.4.2012 – 3 M 47/12 – Rn 6; Thüringer OVG v. 9.7.2014 – 2 EO 589/13 – Rn 14; Koehl, zfs 2015, 369 unter B). Zu den "harten Drogen" zählen auch Amphetamin und Methamphetamin (§ 1 Abs. 1 B...

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