Rz. 172

Bei der einfachen Nachfolgeklausel wird die Gesellschaft mit allen Erben fortgeführt. Bei einem Erben geht der Gesellschaftsanteil auf den Alleinerben über.

 

Rz. 173

Bei mehreren Erben kommt es zu einer Kollision zwischen Erb- und Gesellschaftsrecht, weil eine Erbengemeinschaft (nach derzeit h.M.[115]) nicht Mitglied einer werbenden Personengesellschaft sein kann.[116] Der Gesellschaftsanteil geht daher nicht auf die Erbengemeinschaft über (Universalsukzession). Vielmehr werden die einzelnen Miterben im Wege der Sondererbfolge (Singularsukzession) in Höhe ihrer jeweiligen Erbquote Mitglied der Personengesellschaft.[117] Die einzelnen Erben erwerben den Anteil an der Gesellschaft unmittelbar mit dem Erbfall, ohne dass sie dafür irgendetwas tun müssen. Der im Wege der Sondererbfolge auf die Erben übergegangene Gesellschaftsanteil gehört gleichwohl zum Nachlass.[118]

 

Beispiel

Zum Nachlass des Erblassers E gehört eine Beteiligung an einer OHG. Der Gesellschaftsvertrag enthält eine einfache Nachfolgeklausel, wonach der Anteil eines verstorbenen Gesellschafters auf dessen Erben übergeht. E wird von seinen beiden Kindern S und T zu je ½ beerbt.

Der Gesellschaftsanteil geht mit dem Erbfall unmittelbar auf S und T zu je ½ über, ohne dass es insoweit einer Erbauseinandersetzung bedarf.

 

Rz. 174

Zu den nachfolgeberechtigten Erben gehören auch Ersatzerben und Vorerben, nicht aber Vermächtnisnehmer. Eine abweichende Regelung ist aber möglich, so dass dann auch Vermächtnisnehmer nachfolgeberechtigt sind. Bei Vermächtnisnehmern erfolgt allerdings kein unmittelbarer Rechtsübergang. Vielmehr muss der Gesellschaftsanteil nach Eintritt des Erbfalls erst auf den Vermächtnisnehmer übertragen werden.

 

Rz. 175

Minderjährige Erben bedürfen für den Erwerb des Anteils eines persönlich haftenden Gesellschafters von Todes wegen keiner familiengerichtlichen Genehmigung.[119] Mit Erreichen der Volljährigkeit können sie die Gesellschaft kündigen und ihre Haftung auf das bei Volljährigkeit vorhandene Vermögen beschränken (§§ 723 Abs. 1 Satz 3 Nr. 2, 1629a Abs. 4 BGB).[120]

 

Formulierungsbeispiel: Nachfolgeklausel

Beim Tod eines Gesellschafters wird die Gesellschaft mit seinen Erben fortgesetzt. Alle Rechte und Pflichten des verstorbenen Gesellschafters gehen demnach auf die Erben über, sofern sie nicht höchstpersönlicher Natur waren.

(…) Die vorstehende Regelung gilt entsprechend für die Nachfolge durch Vermächtnisnehmer.

 

Rz. 176

Den nicht als Erben eingesetzten Pflichtteilsberechtigten stehen nach den allgemeinen Vorschriften Pflichtteilsansprüche zu (§§ 2303 ff. BGB).

 

Rz. 177

Das Ausscheiden des Gesellschafters und das Eintreten der Erben (als persönlich haftende Gesellschafter) ist von sämtlichen verbleibenden Gesellschaftern und den Erben[121] zur Eintragung in das Handelsregister anzumelden (§ 143 Abs. 2 und 3 HGB). Zum Nachweis der Erbfolge ist der Anmeldung eine Ausfertigung des Erbscheins (oder eine Ausfertigung der notariell beurkundeten Verfügung von Todes wegen samt Eröffnungsniederschrift) beizufügen.

 

Rz. 178

Die einfache Nachfolgeklausel hat den Vorteil, dass sie einen Konflikt zwischen erbrechtlicher und gesellschaftsvertraglicher Nachfolgeregelung weitgehend ausschließt und daher wenig störanfällig ist. Die Beteiligung aller Erben an der (meist wertvollen) Gesellschaftsbeteiligung wird in vielen Fällen auch den subjektiven Gerechtigkeitsvorstellungen des Erblassers entsprechen und von ihm als Beitrag zur Sicherung des Familienfriedens angesehen werden. Aus Sicht des jeweiligen Erblassers ist die einfache Nachfolgeklausel insoweit attraktiv, als er in diesem Fall die Nachfolge nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten kann und auf die Interessen seiner Mitgesellschafter keinerlei Rücksicht nehmen muss.

 

Rz. 179

Die große Gestaltungsfreiheit des Erblassers kann sich aber aus Sicht der Gesellschaft als Nachteil erweisen. Personengesellschaften sind grundsätzlich auf die umfassende Mitwirkung aller Gesellschafter angelegt. Bei der einfachen Nachfolgeklausel haben die Mitgesellschafter auf die Auswahl des Nachfolgers (und dessen persönlicher und fachlicher Qualifikation) keinerlei Einfluss, was für eine langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht unproblematisch sein kann.

 

Rz. 180

Ein weiterer Nachteil der einfachen Nachfolgeklausel besteht darin, dass es bei einem Übergang des Gesellschaftsanteils auf mehrere Erben zu einer Zersplitterung des Anteils des verstorbenen Gesellschafters kommen kann. Eine große Zahl von Gesellschaftern mit möglicherweise unterschiedlichen Interessen kann für die Fortführung der Gesellschaft eine Belastung darstellen.

 

Rz. 181

Zudem kann es aufgrund der einfachen Nachfolgeklausel zu einer ungewollten Veränderung der Mehrheitsverhältnisse kommen, wenn aufgrund der Regelung im Gesellschaftsvertrag oder nach der gesetzlichen Regelung (§ 119 Abs. 2 HGB) ein Stimmrecht nach Köpfen gilt.

 

Beispiel

A, B und C haben sich zu einer OHG zusammengeschlossen. Der Gesellschaftsvertrag enthält eine einfache Nachfolg...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge