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Werden auf Antrag eines Nachlassgläubigers oder eines Erben Nachlassinsolvenz oder Nachlassverwaltung (siehe auch § 16 Rdn 46) zur Haftungsbeschränkung des Erben auf den Nachlass (§ 1975 BGB) angeordnet, so verliert neben dem Erben (§ 1984 Abs. 1 S. 1 BGB) über § 117 InsO (analog bei der Nachlassverwaltung) auch der Vorsorgebevollmächtigte die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis in Bezug auf den Nachlass.[78]Becker[79] schlägt vor, in die Vollmachtsurkunde insoweit eine Negativerklärung zur Anordnung einer Nachlassverwaltung aufzunehmen.

 

Hinweis

Das der Vollmacht zugrunde liegende Rechtsverhältnis gilt nach § 674 BGB dem Vorsorgebevollmächtigten gegenüber als fortbestehend bis dieser von der Anordnung der Nachlass(insolvenz)verwaltung erfährt. Dem Rechtsverkehr gegenüber bleibt die Vollmacht gültig, bis auch hier Kenntnis von der Anordnung besteht, §§ 170172 BGB.

Ist die Vollmacht nach § 117 InsO (analog) aber erloschen, so lebt sie auch nach Beendigung der Nachlass(insolvenz)verwaltung nicht wieder auf. Die Nachlass(insolvenz)verwaltung verdrängt damit die Vorsorgevollmacht. Der Nachlass(insolvenz)verwalter kann Auskunft verlangen sowie sämtliche anderen Ansprüche, die sich aus § 1922 BGB i.V.m. dem der Vollmacht zugrundeliegenden Innenverhältnis ergeben, geltend machen.[80] Er kann die Vollmacht auch widerrufen.[81]

[78] MüKo-BGB/Küpper, § 1984 Rn 2 m.w.N. in Fn 4.
[79] Becker, ZEV 2018, 692.
[80] Trimborn von Landenberg, Vollmacht vor und nach dem Erbfall, § 3 Rn 44, § 2 Rn 41.
[81] KG, Urt. v. 12.10.1970 – 12 U 98/70, NJW 1971, 566.

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