Rz. 202

Sofern der Anwalt zur Vermeidung einer rechtlichen Betreuung des Mandanten sich bereit erklärt, seine private Vorsorgebevollmächtigung zu übernehmen, kommt in aller Regel die Vereinbarung eines Stundensatzes in Betracht.[164] Im Hinblick darauf, dass im Rahmen einer Tätigkeit als anwaltlicher Bevollmächtigter oder auch Kontrollbevollmächtigter nicht nur anwaltsspezifische Leistungen abgerechnet, sondern auch Fahrzeiten etc. in Rechnung gestellt werden, dürfte ein Stundensatz für einen Anwalt als Vorsorgebevollmächtigten von 100 EUR angemessen sein. Anwaltsspezifische weitere Leistungen, wie z.B. Vertretung des Vollmachtgebers in gerichtlichen Angelegenheiten, können darüber hinaus nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz gesondert abgerechnet werden.

Die Frage der Vergütung als Vorsorgebevollmächtigter ist in einem der Vorsorgevollmacht zugrunde liegenden Geschäftsbesorgungsvertrag zu regeln. Hier ist auch festzulegen, inwieweit und zu welchen Konditionen Tätigkeiten im Rahmen einer Vorsorgebevollmächtigung delegiert werden können (vgl. hierzu die Muster Rn 89, 111 ff.).

[164] Nach den Berechnungen von Franzen, NJW 1993, 348, 439 (auch ders., NJW 1988, 1059–1068) müsste ein Zivilprozessanwalt mit einer mittelgroßen Kanzlei je Leistungsstunde ca. 300 DM (= 153,39 EUR) einnehmen, wenn er wirtschaftlich den Status eines Richters am Landgericht einnehmen will. Demzufolge wurden in der Vergangenheit bis zum Inkrafttreten des Zweiten Betreuungsrechtsänderungsgesetzes für anwaltliche Betreuer bei vermögenden Betreuten auch Stundensätze bis zu 300 DM bezahlt.

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