Rz. 95

Selbst wenn die Vollmacht wirksam widerrufen wurde, ist zu beachten, dass die einmalige Vorlage der Vollmachtsurkunde beim ersten Rechtsgeschäft mit dem Dritten genügt, auf die dann bei jedem weiteren Vertretergeschäft Bezug genommen werden kann.[84] Vorausgesetzt ist dabei jedoch, dass die Urkunde dem Vollmachtgeber nicht inzwischen zurückgegeben worden ist und auch inhaltlich das neue Rechtsgeschäft deckt. Zwar trägt in diesen Fällen der Bezugnahme der Dritte das alleinige Risiko, dass die Vollmachtsurkunde inzwischen dem Vollmachtgeber zurückgegeben worden ist. Jedoch sind Streitigkeiten über den genauen Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses wie der Urkundenrückgabe vorprogrammiert.[85]

 

Rz. 96

 

Praxistipp

Es empfiehlt sich daher, eine Wirksamkeitsklausel in die Vollmacht mit aufzunehmen, die besagt, dass die Vollmacht nur wirksam ist, soweit und solange der Bevollmächtigte bei der Vornahme einer jeden Vertreterhandlung auch im unmittelbaren Besitz der Vollmacht ist. Wurde eine solche oder ähnliche Klausel in die Vollmacht mit aufgenommen, lassen sich Streitigkeiten über den genauen Geschäftsabschluss und die Urkundenrückgabe vermeiden. Denn der Geschäftspartner hat zu beweisen, dass der Vertreter zum Zeitpunkt des Abschlusses eines jeden Vertretergeschäfts im unmittelbaren Besitz einer Vollmacht war.

[84] Staudinger/Schilken, § 172 BGB Rn 5 m.w.N., Waldner/Mehler, MittBayNot 1999, 261 ff.
[85] Waldner/Mehler, MittBayNot 1999, 261 ff.

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