§ 2 Vergleich und Abfindung / jj) Kosten des Pflegers
 

Rz. 619

 

Hinweis

Siehe auch Rdn 650 ff., 993 ff., 1212 f.

 

Rz. 620

Das BVormVG[512] trat zum 1.7.2005 (Art. 12 2. BtÄndG) außer Kraft und wurde ersetzt durch das VBVG.[513] §§ 3 ff. VBVG regeln die Vergütung.[514]

 

Rz. 621

Die Kosten des Pflegers sind regelmäßig im Rahmen der Haftung als Schadenposition zu über­nehmen.[515]

 

Rz. 622

Für die Höhe der Vergütung eines Berufsbetreuers[516] waren die Stundensätze des BVormVG a.F. zwar nur dann verbindlich, wenn der Betreute mittellos und die Vergütung deshalb ohne Regressmöglichkeit aus der Staatskasse zu zahlen ist; die Stundensätze[517] sind aber für die Betreuung eines vermögenden Mündels eine wesentliche Orientierungshilfe: Sie bilden zum einen den nicht zu unterschreitenden Mindestsatz, zum anderen aber auch den Regelsatz, der nur dann überschritten werden darf, wenn dies die Schwierigkeit der Betreuungsgeschäfte ausnahmsweise gebietet.[518]

 

Rz. 623

Ist als Berufsbetreuer ein Rechtsanwalt bestellt, kann dieser für die zur Betreuung aufgewandte und ­erforderliche Zeit gemäß §§ 1908i Abs. 1 S. 1, 1836 Abs. 2 S. 1, 2 BGB eine Vergütung verlangen. Aufwendungen sind ihm gemäß §§ 1835 Abs. 1 S. 1, 669, 670 BGB zu erstatten. Ein Anwalt kann eine Betreuertätigkeit nach anwaltlichem Gebührenrecht nur dann abrechnen, wenn die zu bewältigende Aufgabe besondere rechtliche Fähigkeiten erfordert und deshalb eine originär anwaltliche Dienstleistung darstellt.[519]

[512] Gesetz über die Vergütung von Berufsvormündern (Berufsvormündervergütungsgesetz – BVormVG) v. 25.6.1998 BGBl I I 1998, 1580.
[513] Gesetz über die Vergütung von Vormündern und Betreuern (Vormünder- und Betreuervergütungsgesetz – VBVG) v. 21.4.2005 BGBl I 2005, 1076 (Art. 8 2. BtÄndG). Zur Gesetzesbegründung siehe BT-Drucks 15/2494 v. 12.2.2004.
[514] Zur Höhe des dem Berufsvormund zu erstattenden Stundensatzes siehe BGH v. 27.2.2013 – XII ZB 492/12 – FamRZ 2013, 781 = FGPrax 2013, 120 = MDR 2013, 559 = NJW 2013, 6 = NJW-RR 2013, 577 = openJur 2013, 17128 = Rpfleger 2013, 333 (§ 4 VBVG); BGH v. 27.2.2013 – XII ZB 543/12 – DB 2013, 8 = FamRZ 2013, 781 = FGPrax 2013, 120 = MDR 2013, 1069 = NJW-RR 2013, 578 = openJur 2013, 17334 = Rpfleger 2013, 392 (Die Berechnung der einem Berufsbetreuer bei einem Wechsel zu einem ehrenamtlichen Betreuer gemäß § 5 V VBVG zu vergütenden Monate erfolgt nach Betreuungsmonaten und nicht nach Kalendermonaten); BGH v. 20.2.2013 – XII ZB 610/11 – FamRZ 2013, 693 = FGPrax 2013, 119 = MDR 2013, 493 = NJW-RR 2013, 578 = Rpfleger 2013, 392 (§ 3 I VBVG).
[515] OLG Frankfurt v. 13.10.2003 – 20 W 300/03 – FamRZ 2004, 736 (Ls.) = FGPrax 2004, 29 = NJW-RR 2004, 295 = openJur 2012, 24592 = Rpfleger 2004, 161 (Überlässt eine zur Berufsbetreuerin bestellte Anwältin ihrem mit ihr in Kanzleigemeinschaft tätigen Ehemann alle nach außen gerichteten Tätigkeiten durch die eigenverantwortliche Unterzeichnung sämtlicher Schriftsätze und die Wahrnehmung aller Besprechungstermine, so handelt es sich um eine mit dem Grundsatz der persönlichen Betreuung nicht vereinbare Delegation der Betreuungsaufgaben. Der im Rahmen dieser unzulässigen Arbeitsteilung entfaltete Arbeitsaufwand ist nicht vergütungsfähig.).
[516] BayObLG v. 9.10.1998 – 3 Z BR 235/98 – bayObLGR 1999, 12 (nur Ls.) = FamRZ 1999, 462 = NJW 1999, 1874 (nur Ls.) = NJWE-FER 1999, 153 = NJW-RR 1999, 517 (Anwalt ist Berufsbetreuer, wenn er zum Betreuer bestellt wird, weil rechtliche Probleme und überdurchschnittliche Schwierigkeiten zu bewältigen sind).
[517] BGH v. 17.5.2017 – XII ZB 621/15 – FGPrax 2017, 176 = MDR 2017, 851 = NJW-RR 2017, 901 (Höhe der Betreuervergütung verstößt nicht gegen Verfassungsgrundsätze).
[518] BGH v. 31.8.2000 – XII ZB 217/99 – FamRZ 2000, 1569 = NJW 2000, 3709 = Rpfleger 2001, 27 (Vorinstanz bayObLG v. 15.12.1999 – 3 Z BR 330/99 – FamRZ 2000, 318 = JurBüro 2000, 263 = NJW 2000, 1744 [nur Ls.] = Rpfleger 2000, 215 [nur Ls.]); bayObLG v. 17.12.2001 – 3Z BR 268/01 – NJW 2002, 1660; bayObLG v. 26.3.2001 – 3Z BR 65/01 – AnwBl 2001, 694 (Der verfassungsrechtliche Vertrauensschutz gebietet es nicht, einem Anwalt, der seine Kanzlei wesentlich auf die Tätigkeit eines Berufsbetreuers ausgerichtet hat, ab dem 1.9.2000 einen höheren Stundensatz als 60, – DM zuzubilligen); OLG Zweibrücken v. 22.9.1999 – 3 W 140/99 – FamRZ 2000, 180. Siehe auch OLG Karlsruhe (Sen. Freiburg) v. 16.11.1999 – 18 WF 124/99 – (Verfassungsbeschwerde wurden nicht zur Entscheidung angenommen, BVerfG v. 7.6.2000 – 1 BvR 23/00 – ags 2001, 3 = FamRZ 2000, 1280 = NJWE-FER 2000, 282 = Rpfleger 2001, 23) (Wird ein Anwalt als Berufsbetreuer tätig, ist die BRAGO nicht anwendbar und ein höherer Satz als DM/Stunde nicht anzusetzen). In gleichem Sinne BVerfG v. 7.6.2000 – 1 BvR 111/00, 1 BvL 1/99, 1 BvL 2/99 – ags 2001, 3 = FamRZ 2000, 1280 = NJWE-FER 2000, 282 = Rpfleger 2001, 23.
[519] Zur Abgrenzung von anwaltlicher Tätigkeit zur Betreuertätigkeit siehe BGH v. 27.6.2012 – XII ZB 685/11 – AnwBl 2012, 851 = FamRZ 2012, 1377 = jurisPR-FamR 22/2012 Anm. 1 (Anm. Jahreis) = MDR 2012, 10...

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