§ 2 Vergleich und Abfindung / III. Rechtsnachfolge des abgefundenen Leistungsträgers
 

Rz. 1048

Bei einem Wechsel des zuständigen SVT übernimmt der nachfolgende SVT den Regressanspruch in dem Zustand, in dem er sich beim Wechsel der Zuständigkeit befand.[908] Einreden und Einwendungen, Vergleiche und Anerkenntnisse können der Forderung des Rechtsnachfolgers daher entgegengehalten werden.[909]

 

Rz. 1049

Hat ein Drittleistungsträger mit dem Ersatzpflichtigen einen Abfindungsvergleich geschlossen, so hat er seinerseits einen ihm nachfolgenden Leistungsträger nicht am erzielten Abfindungsbetrag zu beteiligen (Beispiel: Krankenkassenwechsel).[910] Der Rechtsnachfolger muss auch einen zwischen dem vormals regulierenden SVT und dem Haftpflichtversicherer hinsichtlich der übergangenen Ansprüche abgeschlossenen Abfindungsvergleich gegen sich gelten lassen.[911] Der Anspruch ist auch mit Wirkung gegen Rechtsnachfolger endgültig erledigt.

 

Rz. 1050

Schließt ein gesetzlicher Krankenversicherer mit dem Ersatzpflichtigen hinsichtlich der Heilbehandlungskosten einen Abfindungsvergleich und scheidet hernach der Geschädigte aus dem gesetzlichen Krankenversicherungsverhältnis aus[912] (z.B. Erwerb einer Beamtenstellung, Überschreiten der Pflichtversicherungsgrenzen und Wechsel zum privaten Krankenversicherer, Sozialhilfe),

 

Rz. 1051

so kann

der Verletzte selbst[913] (wenn beispielsweise der private Krankenversicherer die Vorerkrankungen ausschließt),
ferner der vom Verletzten selbst seine Rechte unmittelbar ableitende private Krankenversicherer,
aber auch ein später etwaig zuständiger SHT,
 

Rz. 1052

nicht aber

der Dienstherr (als Beihilfeträger), der seinerseits unmittelbarer Rechtsnachfolger der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung wird,[914]
 

Rz. 1053

Regress wegen der nunmehr weiter anfallenden Heilbehandlungs- und Pflegekosten nehmen, soweit die schadenkausalen Heilbehandlungs- und Pflegekosten vom Leistungsspektrum der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (SGB V, SGB XI) ansonsten erfasst worden wären.

 

Rz. 1054

Ein zwischen Schadenersatzpflichtigem und SVT geschlossener Abfindungsvergleich kann auch Bindungswirkung gegenüber einem SHT entfalten.[915] Dies gilt umso mehr als durch § 264 SGB V eine Leistungsidentität gewährleistet ist.

[908] BGH v. 1.7.2014 – VI ZR 391/13 – GesR 2014, 601 = jurisPR-VerkR 24/2014 Anm. 2 (Anm. Jahnke) = MDR 2014, 1201 = openJur 2014, 19785 = r+s 2014, 525 = SP 2014, 373 = UV-Recht Aktuell 2014, 773 = VersR 2014, 1226 = zfs 2015, 80.
[909] BGH v. 19.3.1985 – VI ZR 163/83 – BG 1986, 404 = LM Nr. 135 zu § 1542 RVO = MDR 1986, 136 = NJW 1985, 2194 (nur Ls.) = r+s 1985, 199 (nur Ls.) = VersR 1985, 732 = zfs 1985, 299.
[910] BGH v. 9.7.1985 – VI ZR 219/83 – BG 1986, 242 = MDR 1986, 309 = NJW 1985, 2756 = r+s 1985, 251 (nur Ls.) = VersR 1985, 1083 = zfs 1986, 14 (nur Ls.).
[911] BGH v. 9.7.1985 – VI ZR 219/83 – BG 1986, 242 = MDR 1986, 309 = NJW 1985, 2756 = r+s 1985, 251 (nur Ls.) = VersR 1985, 1083 = zfs 1986, 14 (nur Ls.). Siehe ergänzend Jahnke/Burmann-Jahnke/Burmann, Handbuch des Personenschadensrechts, 1. Aufl. 2016, Kap. 5 Rn 4444 ff.
[912] Siehe auch OLG Karlsruhe v. 14.4.1993 – 13 U 160/91 – zfs 1994, 241 (Ergreift unfallbedingt ein Verletzter einen anderen Beruf, bei dem er nicht mehr der gesetzlichen Krankenversicherung unterfällt, so kann er die erforderlichen höheren Kosten einer freiwilligen Weiterversicherung bei dem bisherigen SVT oder einer privaten Krankenversicherung ersetzt verlangen).
[913] BGH v. 8.12.1998 – VI ZR 318/97 – BB 1999, 1766 (nur Ls.) = DAR 1999, 166, 243 (nur Ls.) = MDR 1999, 353 = NJW 1999, 1782 = NVersZ 1999, 189 = NZV 1999, 158 = PVR 2001, 82 (Anm. Halm) = r+s 1999, 109 (Anm. Lemcke r+s 1999, 510) = SP 1999, 87 = VersR 1999, 382 = VRS 96, 321 = zfs 1999, 190 (Die auf den gesetzlichen Krankenversicherungsträger auflösend bedingt übergegangenen Schadenersatzansprüche fallen bei Beendigung der Mitgliedschaft des Unfallverletzten auf diesen zurück. Ein Abfindungsvergleich zwischen SVT und Haftpflichtversicherer ist gegenüber dem Verletzten unwirksam, soweit dessen Rechte dadurch beeinträchtigt werden. Allerdings läuft die Verjährung zulasten des unmittelbar Verletzten ab dem Zeitpunkt des Abfindungsvergleiches mit der Krankenkasse.). Siehe auch BGH v. 3.12.2002 – VI ZR 142/02 – NJW 2003, 1455 = NZV 2003, 176 = r+s 2003, 390 = SP 2003, 93 = VersR 2003, 267 = zfs 2003, 181.
[914] BGH v. 7.12.1982 – VI ZR 9/81 – DÖV 1983, 348 (nur Ls.) = MDR 1983, 570 = LM Nr. 1 zu § 212 RVO = r+s 1983, 50–51 = VersR 1983, 262 = zfs 1983, 142 (nur Ls.) (Geht die Leistungspflicht vom SVT auf einen öffentlichen Dienstherrn über, erwirbt letzterer vom SVT die zunächst auf diesen übergegangenen Schadenersatzansprüche des Verletzten). Küppersbusch/Höher, Ersatzansprüche bei Personenschaden, 12. Aufl. 2016, Rn 667.
[915] BGH v. 24.9.1996 – VI ZR 315/95 – DAR 1997, 24 = MDR 1997, 37 = NJW 1996, 3418 = NZV 1997, 36 = r+s 1996, 488 = SP 1996, 410 = VersR 1996, 1548.

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